Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Langzeitstudie zu Schilddrüsenkrebs: Brahms-Preis für Nuklearmediziner

08.06.2010
Patienten, die an Schilddrüsenkrebs erkrankt waren, haben nach einer erfolgreichen Behandlung unabhängig von der ursprünglich gestellten Prognose das gleiche Risiko für das erneute Auftreten der Erkrankung. Das hat ein Team von Nuklearmedizinern in einer Langzeitstudie herausgefunden.
Für ihre Publikation erhielt das Team von Wissenschaftlern aus Würzburg, Ulm, Utrecht (NL), Leiden (NL) und Jersey City (USA) auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin in Leipzig den mit 12.750 Euro dotierten Brahms-Forschungspreis für Schilddrüsenerkrankungen 2010.

Rund 5.500 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr neu an Schilddrüsenkrebs.

Wenn eine solche Diagnose bei einem Patienten gestellt wird, erarbeiten die Ärzte ein genaues Risikoprofil, das z. B. die Tumorgröße oder die Anzahl von Metastasen einbezieht. Dieses Profil bestimmt mit, welche Therapie für den Patienten am sinnvollsten ist. „Unsere Studie hat nun gezeigt, dass das ursprünglich erstellte Risikoprofil nach einer erfolgreichen Behandlung keine Auswirkungen mehr hat“, erklärt Dr. Frederik A. Verburg, Assistenzarzt an der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Würzburg als Erstautor der Studie. „Für das Risiko, erneut an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, spielt es unserer Studie zufolge keine Rolle, ob der Patient beispielsweise einen großen oder kleinen Tumor hatte“, ergänzt Prof. Dr. Markus Luster, Leitender Oberarzt der Universitätsklinik für Nuklearmedizin in Ulm, als Seniorautor der Studie.

Das Team von Wissenschaftlern untersuchte auf Grundlage einer Datenbank im Rückblick die Krankheitsgeschichten von 509 Patienten mit Schilddrüsenkrebs über einen Zeitraum von bis zu 25 Jahren. Durch den langen Zeitrahmen konnten sie bei Patienten mit ursprünglich unterschiedlichen Risikoprofilen die langfristige Entwicklung vom Zeitpunkt der Heilung ab verfolgen. „Die Studie gibt Anlass dazu, die Nachsorge bei Patienten mit Schilddrüsenkrebs auf den Prüfstand zu stellen, die sich bisher am ursprünglichen Risikoprofil orientiert - das nach unserer Studie aber keine Auswirkungen mehr hat“, resümiert Professor Luster. „Die Nachsorge sollte sich eher an den Ergebnissen der Krebsbehandlung als am Risikoprofil orientieren“, folgert Dr. Verburg. Für Patienten mit einem ursprünglich hohen Risikoprofil könnten die Ergebnisse Grund zum Aufatmen sein.

Der Preis wird von der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin für ausgezeichnete wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Schilddrüsenerkrankungen vergeben. Namenspatron ist die BRAHMS-Aktiengesellschaft als Preisgeldsponsor. Die ausgezeichnete Arbeit ist im European Journal of Nuclear Medicine and Molecular Imaging erschienen (DOI: 10.1007/s00259-009-1315-6).

Info: Die menschliche Schilddrüse speichert Jod für den Körper und produziert Hormone, die u. a. beim Energiestoffwechsel und Zellwachstum eine wichtige Rolle spielen - eine Krebserkrankung dieses Organs beeinträchtigt den gesamten Organismus.

Petra Schultze

Universitätsklinikum Ulm
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Einstein-Allee 29
D - 89081 Ulm
Tel.: +49 - (0)731 – 500 43025
Fax: +49 - (0)731 – 500 43026
Mail: petra.schultze@uniklinik-ulm.de

Petra Schultze | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-ulm.de
http://www.uniklinik-ulm.de/nuklearmedizin
http://nuklearmedizin.uk-wuerzburg.de/startseite.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten