Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Langzeitstudie zur Behandlung des Akustikusneurinoms: Cyberknife ist effektiv und nebenwirkungsarm

21.05.2012
Nachdem sich die Cyberknife-Methode in den vergangenen Jahren innerhalb der Radiochirurgie auf verschiedenen Gebieten etabliert hat und auch in Deutschland inzwischen mehrere Zentren entstanden sind, liefert eine neue Studie Münchner Mediziner tiefergehende Erkenntnisse.

Das Europäische Cyberknife-Zentrum in München (ECZM) war bundesweit das erste seiner Art und hat durch die enge Kooperation mit dem Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) bereits erheblich zur Weiterentwicklung der stereotaktischen Bestrahlungsmethode beigetragen.



In einer aktuellen Publikation in der Fachzeitschrift Neuro-Oncology (doi:1093/neuonc/nos085) setzen die Mediziner des ECZM und des Klinikums der LMU das medizinische Profil von Patienten mit einem Akustikusneurinom1 in Relation zum Behandlungserfolg mittels Radiochirurgie.

Bei der Studie wurden insgesamt 386 Patienten mit Akustikusneurinomen über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren untersucht – das ist das bisher größte Patientenkollektiv bei einer derartigen Studie. 257 (66.6 %) wurden mit GammaKnife behandelt, 129 (33,4%) mit Cyberknife. Hinsichtlich des Alters und der Größe des Tumors unterschieden sich die beiden Kollektive, weil die Zeitspanne insgesamt 14 Jahre umfasst und sich in dieser Zeit die Indikationsstellung für eine radiochirurgische Behandlung des Akustikusneurinoms änderte.

Erfasst wurden auch Parameter wie Geschlecht, Alter, Lage und Größe des Tumors, chirurgische Eingriffe, Gefäßerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen und Malignität. Detailliert verfolgt wurde auch die Hörfähigkeit der Patienten, um herauszufinden, welchen Einfluss eine radiochirurgische Behandlung darauf hat. Die Strahlendosis ist weitgehend zu vernachlässigen – entscheidend ist vielmehr das Auftreten eines Rezidivs, wenn die Behandlung nicht anschlägt.

Mit den Ergebnissen der Studie liegen nun fundierte Kriterien vor, die für die Planung einer strahlenchirurgischen Behandlung des Akustikusneurinoms wichtig sind.

1) Die Behandlungsqualität mit dem Cyberknife ist effektiv und nebenwirkungsarm

2) Eine frühzeitige Behandlung mittels Radiochirurgie trägt zur Gehörerhaltung bei

3) Gesichtslähmungen (Fazialisparesen) treten nicht auf

Für die Vorhersage, ob sich nach der Behandlung der Tumor erneut bildet, ist vor allem die allgemeine onkologische Vorgeschichte entscheidend, unabhängig vom Akustikusneurinom selbst. Das bedeutet: Patienten, die bereits eine Tumorerkrankung, wie Brust-, Darm-, Eierstock-, Prostata- oder Gebärmutterhalskrebs hatten, haben eine bis zu vier Mal höhere Wahrscheinlichkeit für ein wiederkehrendes Akustikusneurinom nach einer radiochirurgischen Behandlung. Der Grund liegt vermutlich in einer Genveränderung, die bei Krebserkrankungen häufig auftritt: die Mutation des NF2-Gens. Dessen Genprodukt, das sogenannte „Merlin“-Protein, spielt nicht nur in der Onkogenese eine Rolle, sondern steigert zugleich die Strahlungsresistenz von Tumorzellen des Akustikusneurinoms.

Zusammenfassung
Die Studie belegt, dass eine strahlenchirurgische Behandlung eine effektive und weitgehend nebenwirkungsarme Behandlungsmethode bei Akustikusneurinom darstellt. In schwierigen Fällen empfiehlt sich eine Kombination aus invasiver (Operation) und nicht-invasiver Behandlung (Radiochirurgie). Der Erhalt der Hörfähigkeit ist umso besser, je früher die Therapie erfolgt und je kleiner der Tumor ist. Haben Patienten bereits eine maligne Tumorerkrankung, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Akustikusneurinom nach der Behandlung erneut auftritt, bis zu vier Mal höher als bei Patienten ohne onkologische Vorerkrankung.

1Akustikusneurinom: Das Akustikusneurinom ist eine von den Zellen der Nervenscheide (Schwann-Scheide) ausgehende gutartige Nervenfasergeschwulst. Betroffen sind vor allem die Nervenfasern des Hör- und Gleichgewichtsnerven (Nervus vestibulocochlearis; VIII. Hirnnerv), die die Verbindung zwischen Innenohr und Gehirn herstellen. Die medizinisch korrekte Bezeichnung dieser Erkrankung lautet Vestibularisschwannom, da besonders der vestibuläre Anteil der Hör- und Gleichgewichtsnerven befallen ist. Die Krankheit hat ihren Ursprung in den sogenannten Schwann-Zellen, die die Hülle (Myelinscheide) der peripheren Nervenfasern bilden. Akustikusneurinome sind gutartige Tumore, die keine Metastasen (Tochtergeschwülste) bilden und somit keine anderen Organe und Systeme befallen.

Kontakt:
PD Dr. Alexander Muacevic, Prof. Dr. Berndt Wowra
Europäisches Cyberknife Zentrum München-Großhadern, Max-Lebsche-Platz 31, 81377 München
Tel: +49 (0)89 4523360, Fax: +49 (0)89 45233616, E-Mail: info@cyber-knife.net
Internet: www.cyber-knife.net
Über das Europäische Cyberknife Zentrum München-Großhadern
Dieses erste Cyberknife Zentrum in Deutschland wurde am 1. Juli 2005 in Kooperation mit dem Klinikum der Universität München (LMU) eröffnet. Mit Hilfe einer bildgeführten Robotersteuerung kann hochpräzise eine Tumor zerstörende Strahlendosis auf ein genau definiertes Zielvolumen gerichtet werden, wobei die umliegenden, gesunden Strukturen geschont werden. Bei der Behandlung überschneiden sich schwache Strahlenbündel aus vielen verschiedenen Richtungen im Tumor, wo sie sich zur Gesamtdosis aufsummieren. Durch die Entwicklung der Cyberknife Technologie mit einer Kombination aus integrierter Bildführung und Robotersteuerung ist eine völlig neue, nicht-invasive Behandlungsmöglichkeit entstanden. Mittlerweile sind in München über 3.000 Patienten mit dieser schmerzfreien, ambulanten und in der Regel einmal anzuwendenden Methode behandelt worden. Im Bereich der Behandlungen von Patienten mit Erkrankungen des Gehirns liegen die Münchner Radiochirurgen weltweit an erster Stelle. Über alle Erkrankungsbereiche hinweg nehmen sie Rang 3 ein, bei insgesamt weltweit über 200 Cyberknife-Zentren.

Philipp Kressirer | Uni München
Weitere Informationen:
http://www.cyber-knife.net

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise