Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Langzeitstudie im Auftrag der BAuA: Organische Stäube können chronisch krank machen

07.11.2012
Eine lang anhaltende Exposition gegenüber organischen Stäuben in Kompostieranlagen erhöht das Risiko von chronischem Husten und Schleimhautreizungen.
Zu diesem Ergebnis kommt der Forschungsbericht „Gesundheitsrisiken durch biologische Arbeitsstoffe in Kompostierungsanlagen“, den die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) jetzt veröffentlicht hat.

Das Forschungsprojekt führte zwei vorangegangene Studien fort, die von der BAuA in Auftrag gegeben wurden. Der abschließende Forschungsbericht wertet nun die Ergebnisse dieser weltweit ersten Langzeitstudie im Bereich Kompostierung aus. Ziel der Beobachtung über einen Zeitraum von 12 bis 13 Jahren war es, den Einfluss organischer Stäube (Bioaerosole) auf den Gesundheitszustand von aktuellen und ehemaligen Beschäftigten in Kompostierungsanlagen zu untersuchen. Zusätzlich wurden die Arbeitsschutzmaßnahmen in einzelnen Kompostierungsanlagen erfasst.
Zwar haben sich die Lungenfunktionswerte der untersuchten Kompostierarbeiter verschlechtert, jedoch ist dies auch der Fall bei den ausgeschiedenen Beschäftigten (Drop-Outs) und in den Kontrollgruppen. Der BAuA-Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass es keinen gesicherten Zusammenhang zwischen einer Lungenfunktionseinschränkung und dem ständigen Kontakt zu Bioaerosolen gibt, wie dies noch im Ergebnis des 5-Jahres-Follow-up vermutet wurde.

Auch Allergien gegen Schimmelpilze und andere Mikroorganismen sind bei den untersuchten Kompostierarbeitern eher unterdurchschnittlich ausgeprägt. Hingegen weisen die ausgeschiedenen Beschäftigten die höchste Sensibilisierungsrate auf. Dieser Befund lässt sich mit dem „Healthy-Worker-Survivor-Effect“ erklären. Das bedeutet, dass Beschäftigte langfristig einen Beruf ausüben, wenn sie die beruflich bedingten Belastungen gesundheitlich gut vertragen.

Im Vergleich zur Kontrollgruppe leiden Kompostierarbeiter vermehrt unter Husten und Schleimhautreizungen insbesondere der Nase und Augen. Dies weist auf eine Erkrankung mit dem Mucous Membrane Irritation Syndrom (MMIS) hin, das zu Schleimhautreizungen führt. Insbesondere waren diese MMIS-Symptome bei allen ehemaligen Beschäftigten vorhanden und hatten nach Ausscheiden aus dem Beruf deutlich abgenommen. Dies ist ein eindeutiger Beleg für den Zusammenhang zwischen MMIS und beruflicher Bioaerosolexposition.

Die ehemaligen Mitarbeiter klagten ebenfalls über Husten, der nicht nach Aufgabe der Tätigkeit verschwand. Hier gehen die Forscher von einer Chronifizierung im Sinne einer chronischen Bronchitis aus, die sich durch den langjährigen Kontakt mit Bioaerosolen entwickelt hat.

Obwohl die umfangreichen Arbeitsschutzmaßnahmen in Kompostierungsanlagen seit Beginn der ersten Studie stetig verbessert wurden, empfiehlt die BAuA, weitere organisatorische und technische Maßnahmen sowie deren strikte Einhaltung und Wartung anzustreben, um die Belastungen durch Bioaerosole zu verringern.

Gesundheitsrisiken durch biologische Arbeitsstoffe in Kompostierungsanlagen – ein 12-Jahres-Follow-Up; Dr. Vera van Kampen, Dipl.-Dok. Anja Deckert, Prof. Dr. Jürgen Bünger, Dipl.-Ing. (FH) Eckart Willer, Dr. Christian Felten, Dr. Heinz-Dieter Neumann, Martin Buxtrup; 1. Auflage, Dortmund/Berlin/Dresden: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2012; 120 Seiten. Eine Version im PDF-Format gibt es zum Herunterladen unter der Adresse http://www.baua.de/publikationen auf der BAuA-Homepage.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben – im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Über 600 Beschäftigte arbeiten an den Standorten in Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.
Direkter Link zum Bericht Gesundheitsrisiken durch biologische Arbeitsstoffe in Kompostierungsanlagen – ein 12-Jahres-Follow-Up

http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/F2063.html

Jörg Feldmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.baua.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie