Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Langzeitauswertung bestätigt Ergebnisse der 2012 präsentierten Studie zum kardiogenen Schock

03.09.2013
Im angesehenen Fachjournal „The Lancet“ veröffentlicht Prof. Dr. Holger Thiele aus der Klinik für Innere Medizin / Kardiologie des Herzzentrums Leipzig die Ergebnisse der Zwölf-Monate-Beobachtung zu seiner 2012 veröffentlichten Studie zum kardiogenen Schock.

Fazit: Auch langfristig bringt der in der Kardiologie als „Goldstandard“ gesehene Einbau einer intraaorten Ballonpumpe (IABP) bei kardiogenem Schock nach einem akuten Herzinfarkt keine signifikanten Vorteile für die Patienten. Mit dieser Langzeitauswertung beseitigt das Team um Professor Thiele Zweifel an der Allgemeingültigkeit der IABP-SHOCK II-Studie von 2012.

In dieser großen deutschen Multizenter-Studie unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und der Deutschen Herzstiftung mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgesellschaft im Programm Klinische Studien belegten die Wissenschaftler, dass durch den in den Leitlinien beschriebenen Einsatz einer speziellen Pumpe in der Hauptschlagader, der intraaorten Ballonpumpe (IABP), bei kardiogenem Schock nach akutem Herzinfarkt keine Reduktion der 30-Tage Sterblichkeit erzielt werden kann. Die Ergebnisse wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht und lösten in der Fachwelt große Diskussionen aus. Immerhin ist die IABP eines der ältesten kardiologischen Medizinprodukte, welches nun seit fast 50 Jahren millionenfach eingesetzt wurde.

„Wie immer, wenn man etwas lange Bewährtes in Frage stellt, sind die Zweifel zunächst groß“, erklärt Prof. Thiele. „Das ist völlig normal und auch wir waren ja überrascht, dass die IABP-SHOCK II-Studie so klar gezeigt hat, dass die Pumpe keine Überlebensvorteile in der 30-Tage-Sicht bringt.“ Es sei daher unerlässlich gewesen, der kurzfristigen Betrachtung eine Langzeitauswertung folgen zu lassen. Diese, nun auf zwölf Monate ausgedehnte, Beobachtung der Patienten bestätigt die ursprünglichen Erkenntnisse. Die Mortalitätsrate über zwölf Monate bei den in die Studie eingeschlossenen Patienten mit IABP und der Gruppe ohne IABP weist keine signifikanten Unterschiede auf.

„Diese Ergebnisse werden die Diskussionen innerhalb der Fachgesellschaften zur Änderung der Leitlinien bei kardiogenem Schock nach einem akuten Herzinfarkt weiter vorantreiben“, ist sich Holger Thiele sicher. Er präsentierte die neuen Ergebnisse auf der Jahrestagung der European Society of Cardiology am 3. September 2013 im Rahmen einer Hotline-Sitzung. Solch eine Hotline-Sitzung hat eine besondere Außenwirkung, da dort ca. 5000 - 6000 Fachleute live im Saal dabei sind.

Hintergrund:
Ungefähr 5-10% der Patienten mit einem akuten Myokardinfarkt entwickeln einen Schock, was als kardiogener Schock bezeichnet wird. Der infarktbedingte kardiogene Schock ist immer noch der Hauptgrund für die Sterblichkeit von Patienten mit Herzinfarkt. Die Sterblichkeitsrate liegt hier zwischen 40-50%, obgleich in den letzten Jahrzehnten mittels der modernen Medizin eine stetige Sterblichkeitsreduktion erreicht werden konnte. Derzeitige internationale Leitlinien empfehlen den Einsatz einer IABP zur Verbesserung der Herzdurchblutung durch Unterstützung des Blutdruckes und zur Entlastung der Herzarbeit.

Basierend auf einer kleinen früheren Pilot-Studie wurde federführend durch Prof. Dr. Thiele vom Herzzentrum Leipzig die „IABP-SHOCK II Studie“ an 37 Zentren in Deutschland initiiert. Diese große deutsche Multizenter-Studie erfolgte unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und der Deutschen Herzstiftung mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgesellschaft im Programm Klinische Studien, der Arbeitsgemeinschaft Leitende Kardiologische Krankenhausärzte, der Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, der Deutschen Stiftung für Herzforschung sowie Vertretern der Medizinproduktehersteller.

Im Zeitraum von Juni 2009 bis März 2012 wurden 600 Patienten mit kardiogenem Schock als Folge eines Myokardinfarktes, die eine frühe Wiedereröffnung eines Gefäßes erhalten haben, an den über den gesamten deutschen Raum verteilten teilnehmenden Zentren für eine IABP oder alleinige optimale intensivmedizinische Therapie randomisiert, d.h. per Losverfahren einem Behandlungsarm zugeordnet. Der primäre Studienendpunkt, die 30-Tage Sterblichkeit war in beiden Studienarmen mit 39,7% im IABP-Arm und 41,3% im Kontrollarm vergleichbar. Genauso zeigte sich in keinem anderen untersuchten Endpunkt (Kreislaufparameter, Nierenfunktion, intensivmedizinische Behandlungstage, Beatmungstage, etc.) ein Vorteil für die IABP. Auf der anderen Seite wurden durch die IABP nicht mehr Komplikationen im Vergleich zur Kontrollgruppe induziert.

Die gleichen 600 Patienten in beiden Kontrollarmen wurden nun nach den Kriterien 6-Monats-Sterblichkeit und 12-Monats-Sterblichkeit ausgewertet. Letztere lag in der IABP-Gruppe bei 51.8 % und in der Kontrollgruppe bei 51.4 %.

Die neuen Ergebnisse sind veröffentlicht in www.thelancet.com ,
online am 3. September 2013
http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(13)61783-3

Peggy Thiele | idw
Weitere Informationen:
http://www.herzzentrum-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt
21.11.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt

21.11.2017 | Studien Analysen

Wafer zu Chip: Röntgenblick für weniger Ausschuss

21.11.2017 | Informationstechnologie

Nanopartikel helfen bei Malariadiagnose – neuer Schnelltest in der Entwicklung

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie