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Längs oder Quer: Welcher Schnitt ist besser bei Bauchoperationen?

29.06.2009
Kein Unterschied bei Heilungsverlauf und Schmerz nach der Operation / Komplikationsrate gleich außer Wundinfektion / Heidelberger Wissenschaftler veröffentlichen in "Annals of Surgery"

Eine ungewöhnliche Studie an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg hat erstmals untersucht, ob die Schnittführung bei einer großen Bauchoperation Auswirkung auf die Ergebnisse hat. Weder Arzt noch Patient wussten, wie der Schnitt gesetzt worden war.

Die Studie an 200 Patienten hat gezeigt, dass Schmerzempfinden und Heilungsverlauf unabhängig davon sind, wie die Bauchhöhle eröffnet wurde. Auch Komplikationen traten gleich häufig auf, abgesehen von Wundinfektionen, die möglicherweise wegen Durchblutungsproblemen bei der Quer-Inzision häufiger waren. Die Empfehlung der Heidelberger Chirurgen lautet deshalb, dass der Chirurg individuell je nach Krankheitsbild über die Schnittführung entscheiden sollte.

Schnittführung bislang noch nicht wissenschaftlich untersucht

Chirurgische Eingriffe in der Bauchhöhle werden heute oft minimal-invasiv, das heißt mit Hilfe der "Schlüsselloch-Chirurgie", durchgeführt. Bei größeren Operationen muss der Bauch jedoch nach wie vor mit einem langen Schnitt eröffnet werden. "Ob dieser Schnitt quer oder längs durchgeführt wird, hängt in erster Linie von der Vorliebe des Chirurgen ab und ist bislang noch nie wissenschaftlich untersucht worden", erklärt Professor Markus W. Büchler, Geschäftsführender Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg.

Die klinische Studie wurde nach internationalen Qualitätskriterien durchgeführt, um nachhaltig zu klären, ob die beiden Methoden gleichwertig sind, und der Chirurg somit die freie Wahl hat, berichtet Privatdozent Dr. Christoph Seiler, Oberarzt an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie und Geschäftsführer des Studienzentrums der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie in Heidelberg. Die Arbeit wurde im Juni 2009 in den "Annals of Surgery", einer der wichtigsten, internationalen Zeitschriften für die gesamte Chirurgie, veröffentlicht.

Wie kann eine chirurgische Studie "verblindet" werden?

Die qualitativ hochwertige, klinische Studie zur Beurteilung verschiedener Therapieverfahren erfolgte "doppelblind". Das heißt: Weder Patient noch behandelnder Arzt oder Pflegepersonal wissen, welche Therapie der Patient erhält. Der Chirurg, der die Operation durchführt, nimmt nicht an der Erhebung der Studiendaten teil. Noch im Operationssaal erhält der Patient einen großen Bauchverband, der erstmals zwei Tage nach der Operation abgenommen wird. "Die Patienten können nicht einschätzen, wie sie operiert wurden," berichtet Dr. Seiler. Vor Entfernung des Verbandes wird die verbrauchte Schmerzmittelmenge ermittelt, und der Patient beurteilt anhand einer Skala den empfundenen Schmerz.

Schmerzmittelverbrauch und Schmerzgrad unmittelbar nach der Operation waren bei beiden Verfahren gleich. Auch bei den langfristigen Komplikationen gab es kaum Unterschiede: Die Patienten wurden zweimal, einen Monat und ein Jahr nach dem Eingriff, untersucht. Die Studienärzte überprüften dann mögliche Operationsfolgen wie Sterblichkeit, Atemprobleme, Verdauungsprobleme, Länge des Krankenhausaufenthaltes, Narbenbrüche und Wundinfektionen. Es zeigten sich keine statistischen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen, nur die Wundinfektionen sind beim queren Bauchschnitt signifikant höher.

Dr. Seiler sagt hierzu: "Dies ist schwer zu erklären. Vielleicht hängt es mit einer ungenaueren Blutungskontrolle oder dem höheren Risiko eines Blutergusses zusammen." Frühere Studien würden jedoch nicht auf ein erhöhtes Risiko hinweisen. Deswegen ziehen die Heidelberger Chirurgen den Schluss, dass der Chirurg wissenschaftlich begründet die freie Wahl hat, wie er den Bauschnitt anlegt.

Literatur:
Seiler CM, Deckert A, Diener MK, Knaebel HP, Weigand MA, Victor N, Büchler MW: Midline versus transverse incision in major abdominal surgery: a randomized, double-blind equivalence trial (POVATI: ISRCTN60734227). Annals of Surgery, 249, 913-20, 2009.
Weitere Informationen im Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Chirurgische-Klinik.106552.0.html
Ansprechpartner:
PD Dr.med. Christoph M. Seiler MSc
Klinik für Allgemein-, Viszeral-, und Transplantationschirurgie
Universitätsklinikum Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 110
69120 Heidelberg
Tel: 06221 / 56 69 80
Fax: 06221 / 56 69 82
E-Mail: christoph.seiler(at)med.uni-heidelberg.de
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Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)

www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
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Tel.: 06221 / 56 45 36
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