Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lachs-Studie: Nachhaltig ist nicht immer nachhaltig

01.12.2009
Nahrungsmitteltransport per Flugzeug belastet Ökobilanz

Drei Jahre lang hat ein internationales Forscherteam um Nathan Pelletier von der kanadischen Dalhousie Universität den gesamten Kreislauf von nachhaltigen Nahrungsmitteln - insbesondere Lachs - untersucht.

Im Wissenschaftsmagazin Environmental Science and Technology sind sie zum Schluss gekommen, dass bei vielen Produkten nicht der gesamte Lebenszyklus mit eingerechnet wird. Dadurch ist die Ökobilanz des nachhaltig gezogenen Lachses aufgrund der Versendung per Flugzeug nicht mehr nachhaltig.

Fisch soll schwimmen, nicht fliegen. Wenn Lachse und andere Nahrungsmittel per Flugzeug um die Welt transportiert werden, produzieren sie gewaltig große Mengen an Treibhausgasen. Wenn mehr Nahrungsmittel tiefgefroren werden, braucht man mehr Containerschiffe, um die Produkte an ihren Zielort zu fahren. Dabei sind die Containerschiffe immer noch jene Transportmittel, die am effizientesten und auch am umweltfreundlichsten unterwegs sind. Global betrachtet, wird aber immer noch weit mehr Lachs frisch und nicht tief gefroren verzehrt.

Auch Lebensmittel haben einen Lebenszyklus

Miteingerechnet in die Ökobilanz werden etwa auch die Fragen wie man Zuchtlachs füttert, wie Wildlachs gefangen wird, wie Lachs konsumiert wird und welche Auswirkungen Zuchtanlagen auf die Wildpopulation haben. Auch Nahrungsmittel haben laut den Autoren einen Lebenszyklus und die Welt müsse lernen, alle wirklich anfallenden Kosten in die Berechnungen miteinfließen zu lassen. Das sei zur Ermittlung wirklich nachhaltiger Produkte essenziell, schreiben die Autoren. Es gehe schließlich darum, dass die Erde in weniger als 40 Jahren neun Mrd. Menschen satt machen muss.

"Das große Problem der Nachhaltigkeit ist, dass der Begriff nicht geschützt ist", so der Globalisierungskritiker und Buchautor Klaus Werner-Lobo http://klauswerner.com im pressetext-Interview. Nachhaltig dürfe man zu allem sagen. Geschützt sind in der EU nur die Begriffe "Öko" und "Bio". "Aber auch dabei wird nur auf die Produktion, nicht aber auf den Transport geachtet", erklärt Werner-Lobo . "Konventionell gezogene Äpfel aus der Steiermark sind daher ökologischer als Bio-Kiwis aus Neuseeland."

Regionale Produkte schneiden immer besser ab

"Regional hergestellte Produkte schneiden auch aus einem anderen Grund am besten ab", meint Werner-Lobo. "Auch wenn in Übersee Fische nach ökologischen Kriterien gezüchtet werden, wird dabei die soziale Komponente der dort tätigen Arbeiter nicht beachtet." In der regionalen Produktion sei dies überschaubar und nachvollziehbar. "Wenn wir heute Lebensmittel aus Asien oder Afrika importieren, essen wir den Menschen dort die Nahrung weg", kritisiert der Autor.

Jedes Land der Welt ist in der Lage, seinen Bedarf an Nahrungsmittel selbst zu produzieren. Hunger entstehe dadurch, dass Nahrungsmittel exportiert oder lokale Märkte mit Waren aus Europa zerstört werden.

Link zum Original-Artikel: http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/es9010114

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.dal.ca

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie