Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Kuscheltier in den Kernspin: RUB-Forscher untersuchen Kinder ohne Narkose im MRT

14.11.2012
Bochumer Kliniker konnten erstmalig an einem großen Kollektiv zeigen, dass es möglich ist, Köpfe von Kindern im Kernspintomographen ohne Vollnarkose oder sonstige medikamentöse Sedierung zu untersuchen.
Es reichte in vielen Fällen, die kleinen Patienten altersgerecht auf die Untersuchung vorzubereiten, um ihnen die Angst vor der Röhre zu nehmen. Und die Ergebnisse lassen sich sehen: Von den insgesamt 2461 aufgenommenen Bildsequenzen bei 326 Patienten haben die beteiligten Radiologen 97 Prozent als „diagnostisch relevant“ eingestuft.

Mit seiner Studie hat Priv.-Doz. Dr. Christoph M. Heyer (Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil, Bochum) zugleich erstmals den Wert der so genannten BLADE-Sequenzen für die flächendeckende Untersuchung von Kindern im Kernspin belegen können. Die Studie ist soeben in der aktuellen Ausgabe 11/2012 der Zeitschrift „RöFo – Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren“ erschienen.

Institute und Praxen scheuen den Aufwand

Die Kernspintomographie (MRT) spielt heute als strahlenfreies Verfahren eine wesentliche Rolle innerhalb der bildgebenden kinderradiologischen Diagnostik. Sie ist unentbehrlich, wenn es darum geht, das zentrale Nervensystem von Kindern darzustellen. Obwohl die Vorteile der MRT gegenüber anderen Untersuchungsverfahren genügend bekannt sind, scheuen viele Institute und Praxen sie bei kleinen Kindern anzuwenden.

Einerseits vermuten Sie, dass sich die Kinder nicht ruhig genug verhalten werden, um eine ausreichende Bildqualität für die Diagnose zu erzielen. Andererseits scheuen sie den organisatorischen und wirtschaftlichen Aufwand, wenn sie die Kinder für einen unbehinderten Arbeitsablauf sedieren oder narkotisieren müssen. Dafür müssen die kleinen Patienten mit einem Elternteil auf der Station aufgenommen werden, außerdem muss ihnen eine peripher-venöse Verweilkanüle angelegt werden und Beruhigungs- bzw. Narkosemittel verabreicht werden.

Es geht auch anders

Dass es anders geht, haben PD Heyer und Kollegen gezeigt: Sie haben 326 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 7,2 Jahren in der kinderradiologischen Ambulanz am Institut für Diagnostische Radiologie, Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin des Bergmannsheil ohne Sedierung oder Vollnarkose untersucht. Alle kleinen Patienten haben sie zuvor altersgerecht auf die MRT vorbereitet, ihnen ausreichend Zeit gegeben, den Scannerraum zu besichtigen, sie durften ihr Kuscheltier ins MRT mitnehmen und die Eltern waren dabei. Außerdem haben die Bochumer Klinker MRT-Sequenzen mit der so genannten „BLADE“-Technik aufgenommen, um die „Verwackler“ soweit wie möglich auszuschließen.
Diagnostisch verwertbar

Mit diesem Konzept ist es den Medizinern gelungen, 41% der Dreijährigen, 91% der Vierjährigen und 98% der Patienten jenseits des 5. Lebensjahres ohne Sedierung zu untersuchen. Die insgesamt 2461 akquirierten Bildsequenzen wurden dabei von zwei Radiologen begutachtet und in insgesamt 97% der Fälle als diagnostisch verwertbar eingestuft. Die kinderradiologische Ambulanz am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil ist spezialisiert auf MRT- und CT-Untersuchungen von Kindern und Jugendlichen aller Altersgruppen. Sie wird geleitet von PD Heyer, Doppelfacharzt für Kinderheilkunde und Diagnostische Radiologie/Kinderradiologie. Sie ist die einzige Einrichtung dieser Art in Bochum und Umgebung.

Titelaufnahme

Verzicht auf Sedierungen bei pädiatrischen MRT-Untersuchungen des Kopfes: Was ist machbar? [Dispensing with Sedation in Pediatric MR Imaging of the Brain: What is Feasible?] Heyer CM, Lemburg SP, Sterl S, Holland-Letz T, Nicolas V, Fortschr Röntgenstr 2012, 184:1034-1042; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22872604).

Weitere Informationen

Priv.-Doz. Dr. med. Christoph M. Heyer, Institut für Diagnostische Radiologie, Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, Tel. 0234/302-3485, E-Mail: christoph.heyer@rub.de

Redaktion: Dr. Josef König

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit

Antibiotikaresistenz zeigt sich durch Leuchten

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie