Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krisenbetriebe sparen bei der Weiterbildung

09.06.2010
Betriebsrätebefragung in den aktuellen WSI Mitteilungen

Qualifizieren statt entlassen – unter diesem Motto stand die Ausweitung der Kurzarbeit. Die Teilnahme an öffentlich geförderten Qualifizierungsprogrammen hat laut Bundesagentur für Arbeit im vergangenen Jahr tatsächlich etwas zugenommen. Die Unternehmen selber haben die auftragsarme Zeit in der Wirtschaftskrise aber nur selten für verstärkte Weiterbildung genutzt.

Von der Krise direkt betroffene Unternehmen haben ihre Weiterbildungsaktivitäten sogar eher zurückgefahren. Das zeigen Ergebnisse der aktuellen Betriebsrätebefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung, die in der Juni-Ausgabe der WSI Mitteilungen veröffentlicht sind.*

Die Idee ist so einfach wie plausibel: Wenn es wegen der konjunkturellen Flaute weniger zu tun gibt, könnten Beschäftigte die Zeit zur Fortbildung nutzen. Da die Unternehmen großes Interesse an qualifiziertem Personal haben, wäre zu erwarten, dass sie Weiterbildungsmaßnahmen nach Kräften fördern, um am Ende gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Doch tatsächlich hat weniger als ein Drittel der Betriebe seine - nicht staatlich geförderten - Weiterbildungsaktivitäten von Mitte 2008 bis Mitte 2009 ausgeweitet, so die Betriebsrätebefragung des WSI. Das Institut befragte gut 2.300 Betriebsräte in Betrieben ab 20 Beschäftigten. Die wichtigsten Ergebnisse:

Die Mehrheit hat ihr Weiterbildungsangebot unverändert gelassen. 69 Prozent der Betriebe, die nicht besonders unter der Krise zu leiden hatten, haben seit Juli 2008 nicht mehr, aber auch nicht weniger für Weiterbildung getan. In Betrieben, die nach Einschätzung der Betriebsräte von der Krise betroffen sind, lag die Quote derer, die ihre Fortbildungsanstrengungen unverändert ließen, bei 57 Prozent (siehe auch die Infografik im Böckler Impuls 9/2010; Link unten).

Krisenbetroffene Betriebe haben ihre Fortbildungsaktivitäten häufiger zurückgefahren. Das gilt für 24 Prozent der von der Krise gebeutelten Betriebe. Hingegen haben lediglich 18 Prozent in dieser Gruppe die Fort- und Weiterbildungsbeteiligung gesteigert. Unter den nicht betroffenen Betrieben reduzierten nur 9 Prozent den Umfang der betrieblichen Fortbildung, 21 Prozent bauten ihn aus.

Damit „lässt sich sagen, dass die Krise sich eher einschränkend als fördernd auf die betriebliche Weiterbildung auswirkt“, so WSI-Forscherin Claudia Bogedan. Hintergrund: In Krisenzeiten konzentrierten Unternehmen sich auf ihr Kerngeschäft und scheuten die Kosten der Fortbildung: 46 Prozent der Betriebe, die Weiterbildung reduziert oder zumindest nicht ausgeweitet haben, waren Qualifizierungsmaßnahmen zu teuer. Neben dem Kostenargument spielt auch eine Rolle, dass es aus Arbeitgebersicht in vielen Betrieben keinen Bedarf gibt: Fast ein Drittel der Betriebsräte gab an, dass dem Arbeitgeber „unklar“ sei, welche Bildungsaktivitäten nötig wären.

Oft fehle es an einer mittel- bis langfristigen Personalplanung, schreibt Bogedan. So existiere in 53 Prozent der Betriebe nicht einmal ein Personalentwicklungsplan. Immerhin hätten die Betriebe in der Krise aber auf vielfältige Weise versucht, Beschäftigung zu halten. Dies sei ein erster Schritt zu einer längerfristigen Planung, die künftig stärker um Fort- und Weiterbildung ergänzt werden könne. Denn der Nutzen von Weiterbildung ist wissenschaftlich unumstritten, betont die WSI-Forscherin: „Um zukünftig die betriebliche Produktivität ebenso wie die individuelle Beschäftigungsfähigkeit zu sichern, ist eine betriebliche und damit arbeitsplatznahe Weiterbildung unerlässlich.“

*Claudia Bogedan: Qualifizieren statt Entlassen - Betriebliche Weiterbildung in der Krise, in: WSI-Mitteilungen 6/2010. Download: http://www.boeckler.de/pdf/wsimit_2010_06_bogedan.pdf

Infografiken zum Download im Böckler Impuls 9/2010: http://www.boeckler.de/32014_106944.html

Kontakt in der Hans-Böckler-Stiftung

Claudia Bogedan
WSI-Expertin für Arbeitsmarktpolitik
Tel.: 0211-7778-383
E-Mail: Claudia-Bogedan@boeckler.de
Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/pdf/wsimit_2010_06_bogedan.pdf
http://www.boeckler.de/32014_106944.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Brände die Tundra langfristig verändern

12.12.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen

12.12.2017 | Medizin Gesundheit