Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krise x Familienunternehmen = Familienkrise + Firmenkrise

02.12.2008
Krisen in Familienunternehmen sind Krisen in Familie UND Unternehmen, daher brauchen zwei Krisenherde eine Lösung - sagt das aktuelle Buch des Wittener Instituts für Familienunternehmen (WIFU)

Wenn Familienunternehmen in eine wirtschaftliche Krise geraten, sind gleich zwei in Not: Die Firma und die Familie. Denn die Familienmitglieder sind häufig nicht nur fachlich, sondern auch psychisch völlig überfordert.

"In solchen Fällen werden die beteiligten Familienmitglieder zusätzlich von der Familienkrise, die hier regelmäßig parallel zur Unternehmenskrise ausbricht, überrollt und müssen im schlimmsten Fall sogar einen "Zweifronten-Krieg" führen", so Dr. Tom A. Rüsen, Autor des Buches "Krisen und Krisenmanagement in Familienunternehmen". Er ist geschäftsführender Direktor des Wittener Instituts für Familienunternehmen (WIFU).

Denn die zu diesem Zeitpunkt typischerweise auftretenden und eskalierenden Familienkonflikte überlagern den Krisenverlauf des Unternehmens oft erheblich. So wird das Verhalten der beteiligten Familienmitglieder nicht nur von der Angst vor dem existenziellen Aus oder durch Verlust von Vermögen und Arbeitsplatz, sondern auch von der Furcht beeinträchtigt, persönlich für den "Untergang des Familienvermächtnisses" verantwortlich zu sein.

Studie mit 100 Krisenexperten

Das Buch, das die Ergebnisse einer Studie mit über 100 Krisenexperten zusammenfasst, zeigt neben typischen strukturellen Unterschieden in Familienunternehmen auch typische Handlungsmuster aktiver und nicht-aktiver Mitglieder der zugehörigen Unternehmerfamilie auf. "Inwieweit eine Krisenentwicklung im Unternehmen lange ignoriert oder gar vor anderen Familienmitgliedern verheimlicht wird, ob die Hilfe externer Spezialisten eigenständig und proaktiv in Anspruch genommen wird oder erst auf den massiven Druck der finanzierenden Banken erfolgt, ist auch maßgeblich von der vorherrschenden Kultur und den gelebten Werten in der Familie abhängig", so Dr. Tom A. Rüsen. Beide Faktoren beeinflussen nach Ansicht des Autors die Wahrnehmung, Kommunikation und das Verhalten von aktiven wie nicht-aktiv tätigen Familiengesellschaftern erheblich.

Neben der umfangreichen Analyse von Krisendynamiken in Unternehmen und Familie, die anhand von zahlreichen Fallbeispielen veranschaulicht werden, liefert das Fachbuch ein Modell für ein spezifisches Krisenmanagement für diesen Unternehmenstyp. So werden zahlreiche Ansätze und Konzepte beschrieben, die zusätzlich zu den klassischen Maßnahmen - wie beispielsweise Liquiditätssicherung und Kostensenkung - ergriffen werden können. Ein Beispiel: Herbeigerufene oder auf Druck "eingesetzte" Sanierungsberater bzw. interimistische Krisenmanager geraten in Gefahr, zwischen den parallelen Krisenprozessen von Familie und Unternehmen aufgerieben zu werden.

Das Buch zeigt verschiedene paradoxe Entscheidungssituationen: Ein externer Krisenmanager muss zur Rettung der Firma harte Entscheidungen fällen. Er weiß aber auch, dass er damit Konflikte in der Familie auslöst, die großen Schaden für seine weiteren Sanierungsbemühungen anrichten können. Fühlt sich die Unternehmensfamilie "in die Enge getrieben" oder nicht mehr angemessen in den Sanierungsansätzen repräsentiert, kann sich das Blatt für den Krisenmanager in kürzester Zeit vom Hoffnungsträger zum Buhmann wenden: Trotz seiner besten Absichten zur Sicherung des Vermögens der Gesellschafter durch Notbehandlung und Sanierung des Unternehmens wird er zum Sündenbock und zum "ursächlich Verantwortlichen" für die harten sozialen Folgen der Krise und den gestörten Familienfrieden gemacht.

Chancen und Risiken für Krisenmanager in Familienunternehmen

Für hier tätige Krisenmanager ergeben sich somit besondere Anforderungen an Vorgehen und Kommunikation gegenüber der Familie des Familienunter-nehmens. Allerdings können sie im Unterschied zum Einsatz in Publikumsgesellschaften sich auch gezielt die positiven Elemente des "Familien-Faktors" zu Nutze machen: So lassen sich aus den Reihen der angeschlossenen Familie meist erhebliche finanzielle Sanierungsbeiträge generieren, so wie sich ebenfalls die traditionell guten Beziehungen zu Kunden, Lieferanten und der Arbeitnehmerschaft nutzen lassen. Die "Ressource Unternehmensfamilie" ist nach Meinung des Autors eine der zentralen Stärken von Familienunternehmen, die durch ein besonderes Vorgehen systematisch und zielgerichtet für die Krisenbewältigung eingesetzt werden sollte.

Das mit Skizzen und Bildern umfangreich ausgestattete Buch verdeutlicht die komplexen Zusammenhänge, die aus den besonderen Systembedingungen von Familienunternehmen hervorgehen. Es eignet sich dadurch für Interessenten am Themenkomplex Krisenmanagement sowie zur Auseinandersetzung mit dem Unternehmenstyp Familienunternehmen in existenziellen Krisensituationen.

Tom A. Rüsen: Krisen und Krisenmanagement in Familienunternehmen Gabler Verlag, Oktober 2008, 292 Seiten, ISBN 978-3834911285

Weitere Informationen bei Dr. Tom A. Rüsen, Geschäftsführender Direktor des WIFU, 02302 926 - 515, tom.ruesen@uni-wh.de

Kay Gropp | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de/wifu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften