Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie ein Krebsmedikament durch körpereigene Enzyme unterstützt wird

28.04.2009
Das Krebsmedikament 5-Fluorouracil wird seit Jahrzehnten erfolgreich in der Klinik eingesetzt, aber sein Wirkmechanismus wurde nie vollständig aufgeklärt.

Forscher der Universität Basel zeigen nun in einer Studie, dass ein Enzym, das normalerweise für die Reparatur von DNA-Schäden verantwortlich ist, zum Tod der Krebszellen durch 5-Fluorouracil-Behandlung beiträgt.

Dies könnte helfen, besser vorherzusagen, welchen Patienten das Medikament hilft. Die Studie wurde heute vom amerikanischen Fachmagazin "PLoS Biology" publiziert.

Die Chemotherapie mit 5-Fluorouracil (5FU) gehört seit Jahrzehnten zur Standardbehandlung von Darmkrebs, aber auch andere Tumore des Verdauungstrakts und Brustkrebs können damit bekämpft werden. Da der Wirkmechanismus des Medikaments aber nicht vollständig aufgeklärt ist, sind Vorhersagen über den Therapieerfolg beim einzelnen Patienten schwierig.

Prof. Primo Schär und Dr. Christophe Kunz vom Departement Biomedizin der Universität Basel zeigen nun, dass dabei das Protein Thymin DNA Glykosylase (TDG), das normalerweise DNA-Schäden beseitigt und damit die Zelle schützt, eine unerwartete Rolle spielt: Es trägt zum Tod der Krebszellen bei. Das zeigte sich, als die Forscher das Protein in verschiedenen Zelltypen inaktivierten. Diese wurden resistent und reagierten nicht mehr auf Behandlung mit 5FU - was bei anderen Reparaturproteinen, die 5FU erkennen, nicht der Fall ist.

Wie das funktionieren kann, zeigten die Wissenschaftler in weiteren Experimenten. 5FU wird - neben anderen Effekten - direkt in die DNA eingebaut, und zwar an Stelle der normalen Base Thymidin. Dort wird es als Fehler erkannt und von TDG entfernt. Das TDG-System wird allerdings durch zu viele 5FU-Schäden überlastet, wodurch es zu unvollständiger Reparatur kommt.

Dadurch entstehen DNA-Strangbrüche, die zellulären Schadenswächter werden aktiviert und die Zelle stirbt. Anstatt also zu reparieren, bewirkt das Protein in diesem Fall den Zelltod - unterstützt aber dadurch das Chemotherapeutikum in seiner Wirkung.

Diese Erkenntnis könnte in Zukunft helfen, bessere Vorhersagen darüber zu machen, bei welchen Patienten 5FU wirksam ist und bei welchen nicht - denn die Expressionsstärke des DNA-Reparaturproteins im Tumor sollte dabei eine wichtige Rolle spielen.

Originalbeitrag
Christophe Kunz, Frauke Focke, Yusuke Saito, David Schuermann, Teresa Lettieri, Jim Selfridge, Primo Schär
Base Excision by Thymine DNA Glycosylase Mediates DNA-Directed Cytotoxicity of 5-Fluorouracil

PLoS Biology Vol. 7, No. 4, e91 doi:10.1371/journal.pbio.1000091

Weitere Auskünfte
o Prof. Dr. Primo Schär, Departement Biomedizin der Universität Basel, Mattenstrasse 28, 4058 Basel, Tel. 061 267 07 67,

E-Mail: primo.schaer@unibas.ch

o Dr. Christophe Kunz, Departement Biomedizin der Universität Basel, Mattenstrasse 28, 4058 Basel, Tel. 061 695 30 59,

E-Mail: christophe.kunz@unibas.ch

Reto Caluori | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie