Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krankenhausbetten schaffen sich doch keine Kranken

09.12.2011
Detailstudie der Universität Witten/Herdecke widerlegt gängige These

In Deutschland gibt es keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen der Zahl der Krankenhausbetten und ihrer Belegung für zwei der häufigsten gynäkologischen Operationen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Prof. Dr. Max Geraedts, Gesundheitssystemforscher an der Universität Witten/Herdecke, die er im Krankenhaus-Report 2012 (Schattauer Verlag) publiziert (Erscheinungstermin: 09.12.2011).

Er hat anhand von Leistungsdaten der AOK aus dem Jahr 2008 überprüft, ob sich die Zahl der Gebärmutter- bzw. Eierstockentfernungen regional unterscheidet und ob sie in einem Zusammenhang mit den regionalen Versorgungsangeboten (sprich:

Krankenhausbetten) steht. Dabei wurden alle Eingriffe, die mit einer Krebserkrankung in Zusammenhang stehen, ausgeklammert; nur Eingriffe, die auf Grund von gutartigen Erkrankungen vorgenommen wurden, sind in der Studie berücksichtigt worden.

"Die Ergebnisse", räumt Geraedts schulterzuckend ein, "bestätigen nur zum Teil internationale Erfahrungen: Ja, es gibt große regionale Unterschiede, die bis zum 2,6-Fachen streuen. Im Emsland, um Greifswald, in der Rhön und bei Passau gibt es deutlich mehr Gebärmutterentfernungen als z. B. in Berlin oder Hamburg. Und ja: Es gibt auch große Unterschiede im Versorgungsangebot. Die Zahl der Krankenhausbetten pro weiblichem Einwohner liegt bis zum Vierfachen auseinander. Nur: Die in der Forschung übliche These 'Vorhandene Krankenhausbetten sorgen schon dafür, dass sie nicht leer stehen' passt nicht: "Die meisten Eingriffe erfolgen nicht dort, wo die meisten Betten stehen. Diese Erklärung für die regionalen Unterschiede passt also nicht", differenziert Geraedts.

"Für Deutschland spielen wohl doch Unterschiede in der Indikationsstellung eine größere Rolle als die Angebotsdichte. Für Frauen ist wichtig zu wissen, dass sich die Versorgung zwischen Bundesländern und Regionen unterscheidet. Und dass es eine regional unterschiedlich ausgeprägte Ansicht der Frauenärztinnen und -ärzte gibt, wann eine Entfernung von Eierstöcken oder Gebärmutter angeraten ist und wann nicht. Das Einholen einer zweiten Meinung vor einem solchen Eingriff kann sich also lohnen."

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Max Geraedts, 02302/926-770, max.geraedts@uni-wh.de Ein Bild von Prof. Geraedts stellen wir zum Download bereit unter:

http://www.uni-wh.de/universitaet/presse/presse-details/artikel/krankenhausbetten-schaffen-sich-doch-keine-kranken/

Die Studie ist nachzulesen in: Geraedts M, Malik M. Regionale Unterschiede bei Hysterektomien und Ovariektomien. In: Klauber J, Geraedts M, Friedrich F, Wasem J (Hrsg.). Krankenhaus-Report 2012 ? Schwerpunkt: Regionalität.

Stuttgart: Schattauer 2011.

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.300 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsbildung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Kay Gropp | Universität Witten/Herdecke
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

25.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung