Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krankenhaus und Demenz – Krise der Akutmedizin?

21.03.2013
Immer häufiger behandeln Krankenhäuser Patientinnen und Patienten, die neben ihrer Hauptdiagnose an Demenz erkrankt sind.

Dennoch kann sich das „System Krankenhaus“ mit seinen strikten Abläufen und Routinen kaum auf diese Patientengruppe und ihre besonderen Bedürfnisse einstellen – mit häufig fatalen Folgen für die Betroffenen und ihre Angehörigen.

Warum eine demenzsensiblere Ausrichtung von Krankenhäusern der Akutversorgung so schwierig ist und wie sie dennoch gelingen kann, waren die Fragen einer Studie des Saarbrücker Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso), die nun veröffentlicht wurde.

Im Auftrag der Deutschen Alzheimer Gesellschaft hat Sabine Kirchen-Peters, Sozialwissenschaftlerin am iso-Institut, die Studie „Analyse von hemmenden und förderlichen Faktoren für die Verbreitung demenzsensibler Konzepte in Akutkrankenhäusern“ durchgeführt.

Ausgangspunkt dieser Untersuchung war die Frage, warum positive Erfahrungen von Modellprojekten in den Krankenhäusern nicht aufgegriffen werden, selbst wenn diese den Nachweis erbringen, dass sie auch betriebswirtschaftlich interessant sind. Im Mittelpunkt der Studie standen schriftliche und mündliche Befragungen von Leitungskräften der Akutkliniken, die über einen Zeitraum von drei Jahren durchgeführt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass ein Geflecht verschiedenster Barrieren den Ausbau demenzfreundlicher Kliniken erschwert.

Die Gründe, warum sich selbst „gute Praxis“ für eine verbesserte Versorgung von Demenzkranken im Klinikalltag nicht durchsetzt, liegen dabei sowohl in den politischen und sozialrechtlichen Rahmenbedingungen, den Organisationsstrategien der Kliniken wie auch in der subjektiven Haltung der Ärzte und Pflegekräfte.

Um das Bewusstsein über Demenzerkrankungen zu schärfen, Vorurteile abzubauen und eine positive Grundhaltung gegenüber den Kranken herbeizuführen, wird unter anderem eine breite Aufklärungsarbeit und ein konsequenter Wissensaufbau bei Ärzten und Pflegekräften angeraten.

„Die Aufklärung sollte den geriatrischen Patienten in den Mittelpunkt rücken, der für die Kliniken zum Normalfall geworden ist, während die gesunden und complianten Patienten schon längst die Minderzahl ausmachen“ erläutert Kirchen-Peters und verweist auf die Tatsache, dass bereits heute mindestens zwölf Prozent der Patienten demenzkrank sind und sich dieser Anteil zukünftig verstärken wird.

Die Informationsarbeit müsse zudem die Relevanz des Delirs verdeutlichen, eine gefährliche Komplikation, von der Demenzkranke während eines Krankenhausaufenthalts häufig betroffen sind. Diese Problematik werde im Krankenhaus noch völlig unterschätzt. Fortbildungen sollten die Häufigkeit von Delirien, Kriterien zur Erkennung von Delirien, medikamentöse und psychosoziale Interventionsmöglichkeiten sowie die Möglichkeiten der Delirprävention umfassen.

Die Handlungsempfehlungen der Studie zeigen in vielen Bereichen Wege auf, wie es gelingen kann, die Strukturen und Prozesse in den Kliniken „demenzsensibel“ auszurichten. Zudem werden die finanziellen Rahmenbedingungen für entsprechende Maßnahmen problematisiert und erste Vorschläge zu Handlungsansätzen für politisch Verantwortliche formuliert.

Die Studie ist als Broschüre unter dem Titel „Akutmedizin in der Demenzkrise. Chancen und Barrieren für das demenzsensible Krankenhaus“ erhältlich und kann über das iso-Institut Saarbrücken bezogen werden.

http://iso-institut.de/aktuelles/Bestellformular_Alzheimerbericht.pdf

Dr. Volker Hielscher | idw
Weitere Informationen:
http://iso-institut.de/aktuelles/Bestellformular_Alzheimerbericht.pdf

Weitere Berichte zu: Akutmedizin Barriere Delirien Demenz Demenzkranke

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Demenz: Forscher testen Wirkstoffe im Hochdurchsatz

28.03.2017 | Medizin Gesundheit

Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

28.03.2017 | Medizintechnik

Elektrische Spannung: Kaiserslauterer Ingenieure erforschen Versagen bei Kugellagern

28.03.2017 | Maschinenbau