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Krank arbeiten führt zu langem Krankenstand

01.05.2009
Arbeitsmediziner: "Anwesenheit problematischer als Fehlstunden"

Wer wiederholt trotz Krankheit in die Arbeit geht, riskiert dabei einen späteren langen Krankenstand. Zu diesem Schluss kommen dänische Forscher im Journal of Epidemiology and Community Health.

Sie befragten 12.000 arbeitende Personen nach ihrer Bereitschaft, bei Krankheit zuhause zu bleiben und wie oft sie in einem Jahr krank in der Arbeit erschienen waren, obwohl ein Daheimbleiben vernünftiger gewesen wäre. Ein Vergleich mit den Krankenstandsdaten bewies, dass Arbeiten bei Krankheit die Gefahr längerer Abwesenheitszeiten deutlich erhöht.

Menschen, die krank in der Arbeit erschienen, waren um 53 Prozent häufiger von einem Krankenstand von über zwei Wochen betroffen. Das Risiko für Krankenstände von über zwei Monaten stieg bei dieser Gruppe sogar um 74 Prozent. Beide Zahlen sind bereits um andere Risikofaktoren wie schlechter Gesundheitszustand oder vorhergehende lange Krankenstände bereinigt. Die Tendenz, trotz Krankheit zur Arbeit zu gehen, beobachteten die Forscher zum einen bei denjenigen, deren allgemeiner Gesundheitszustand eher schlecht war oder die an Übergewicht litten, andererseits auch bei Menschen, die sich in der Arbeit überlastet fühlten oder die unter Konflikten zwischen Arbeit und Familie litten. Schließlich stellte man auch bei Personen mit guter sozialer Unterstützung sowie bei Menschen in leitenden Positionen häufige Arbeitstätigkeit trotz Krankheit fest.

Aktuelle Zahlen des deutschen Fehlzeitenreports zeigen die Dringlichkeit des Problems. Sieben von zehn Arbeitnehmern gehen arbeiten, obwohl sie sich krank fühlen, sechs gehen bei Krankheit zur Arbeit und schieben ihre Genesung auf das Wochenende. Fast jeder Dritte geht gegen den ärztlichen Rat zur Arbeit, jeder Fünfte verwendet Urlaubstage zur Genesung. "Waren früher die Fehlzeiten das Problem, ist es heute die Anwesenheit trotz Krankheit. In eine 37,5-Stunden-Woche fallen heute 41 Fehlminuten, jedoch 2,29 Krankheitsstunden", bestätigt Stefan Beyer, Präsident der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin, im pressetext-Interview. Krank zu arbeiten könne einerseits die Arbeitskollegen in Gefahr der Ansteckung bringen, andererseits vermindere es die Arbeitsleistung deutlich. "Dabei verschlechtern sich jedoch auch die Krankheiten. Besonders Muskel- und Skelettbeschwerden können, wenn sie ignoriert werden, schlimmere Formen wie etwa Bandscheibenvorfälle annehmen", so der Arbeitsmediziner.

Als Hauptursache für die Anwesenheit trotz Krankheit nennt Beyer die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. "Besonders in Krisenzeiten ist es wichtig, dass Unternehmen früh klarstellen, wer von Kurzarbeit oder Entlassungen betroffen ist. Andernfalls schürt das die Angst und Rivalität unter den Angestellten." Ein zweiter Grund sei das mangelnde Wissen über Krankheiten und nötige Vorsorge, wobei die unverständliche Medizinsprache Mitschuld trage. "Doch auch die Ärzte tragen zu diesem Verhalten bei, etwa wenn sie nicht ausreichend über die arbeitsspezifischen Belastungen des Patienten informiert sind. Rückenschmerzen haben für Büroangestellte andere Folgen als für Schwerarbeiter", so Beyer.

Das Alter spielt für das Verhalten bei Krankheit eine wichtige Rolle. "Junge Mitarbeiter sind öfter kurz krank, während ältere selten und länger erkranken." Dass Menschen in höheren Positionen häufiger bei Krankheit am Arbeitsplatz erscheinen, überrascht den Arbeitsmediziner nicht. "Sie verfügen in der Regel nicht nur über ein höheres Einkommen, sondern auch um besseres Gesundheitswissen und sorgen besser vor. Daher erkranken sie seltener schwer als Menschen mit niedrigerem Bildungsstand."

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.aam.at

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