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Kopfschmerzen im Alter: Neue Studie zu Kopfschmerzen bei Senioren

24.06.2011
Gezielte Diagnose wegen Mehrfacherkrankungen häufig schwierig

Die sozio-demographische Entwicklung bedingt, dass immer häufiger alte Menschen wegen Kopfschmerzen zum Arzt gehen. Die diagnostische Einordnung von Kopfschmerzen im höheren Alter und die Anforderungen an die Therapie stellen eine besondere Herausforderung für die Ärzte dar.

„Grundsätzlich muss stets differenziert werden, ob ein primäres Kopfschmerzsyndrom wie eine Migräne oder ein Spannungskopfschmerz vorliegt, oder ob sich hinter dem Schmerz ein sekundäres Kopfschmerzsyndrom, das heißt eine andere Erkrankung mit dem Symptom Kopfschmerz, verbirgt“, sagte Privatdozentin Dr. Stefanie Förderreuther, Generalsekretärin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) anlässlich des Internationalen Kopfschmerzkongresses vom 23. bis 26. Juni 2011 in Berlin. Dies ist bei älteren Menschen besonders wichtig, da der Anteil symptomatischer Kopfschmerzerkrankungen im Alter zunimmt.

Leider ist der Wissensstand über Kopfschmerzen bei älteren Menschen sehr lückenhaft. Die DMKG initiiert nun eine durch Fragebogen gestützte, standardisierte Erfassung von Kopf- und Gesichtsschmerzen bei Patienten, die älter als 65 Jahre sind. Sie wird im Herbst 2011 starten. Mit ersten Ergebnissen wird im Frühjahr 2012 gerechnet. Die Erhebung soll Daten zu folgenden Themen liefern:

· Epidemiologie von Kopfschmerzen bei Senioren (Verbreitung der Kopfschmerzen)
· Klassifikation der Kopfschmerzen (Ursachen/diagnostische Einordnung der Kopfschmerzen)
· Analyse der Kopfschmerz-Charakteristik: Symptomwandel im Alter?
· Inanspruchnahme des Gesundheitssystems
· Verhalten bezüglich Selbstmedikation
· Erfassung von Begleiterkrankungen
In dem Pilotprojekt werden zunächst ca. 200 Patienten, die in Münchner Wohnstiften leben, befragt. Es ist dann geplant, die Erhebung zu erweitern, um auch andere Regionen innerhalb Deutschlands zu erfassen. Damit soll schließlich eine verbesserte Versorgung der älteren Patienten mit Kopfschmerzen erreicht werden.

Für ältere Menschen mit Kopfschmerzen ist spezielle Diagnostik besonders wichtig. Der Anteil der sekundären Kopfschmerzerkrankungen nimmt mit dem Alter zu und liegt bei den über 65 Jahre alten Patienten bei etwa 15 Prozent. Hierbei stehen vaskuläre (gefäßbedingte) und tumor-bedingte Ursachen im Vordergrund, daneben muss aber auch an Medikamentennebenwirkungen und eine Vielzahl anderer Erkrankungen gedacht werden. Bestimmte Störungen wie die Trigeminus-Neuralgie, der Schlaf-gebundene Kopfschmerz und die Arteriitis temporalis treten sogar fast ausschließlich bei älteren Personen auf. Insgesamt ist der wissenschaftliche Kenntnisstand zur Epidemiologie der primären und sekundären Kopfschmerzerkrankungen im Alter sind jedoch äußerst spärlich.

Um eine differenzierte Diagnose bei Kopfschmerz stellen und entsprechend behandeln zu können, braucht man bei älteren Patienten ganz besondere Sorgfalt und klinische Erfahrung: Denn es nehmen nicht nur die symptomatischen Formen zu, sondern es wandeln sich nach allgemeinen Erkenntnissen auch die charakteristischen Symptome primärer Kopfschmerzsyndrome mit dem Alter. Insbesondere die klassischen Leitsymptome einer Migräne wie Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit können sich abschwächen. Der Wandel der Kopfschmerzsymptomatik mit dem Alter ist allerdings bislang wissenschaftlich schlecht untersucht. Dazu kommt, dass der Anteil von Patienten mit beginnenden oder manifesten Demenzerkrankungen zunimmt. Dies erschwert eine verlässliche Erhebung der Anamnese (Krankengeschichte) und damit die klinische Diagnose. Die verfügbare Literatur ist spärlich, da gerade die Altersgruppe der über 65-Jährigen in den meisten klinischen Studien nicht oder kaum berücksichtigt wird.

Für die Behandlung von Kopfschmerzerkrankungen im Alter gibt es praktisch keine auf die Besonderheiten dieser Altersgruppe ausgerichteten spezifischen Therapieempfehlungen. Therapiestudien schließen Patienten über 65 Jahre sogar meist aus. Hier müssen oft Begleiterkrankungen (Gefäßerkrankungen, depressive Syndrome, dementielle Störungen) und deren Therapie, Einschränkungen der Nierenfunktion und ein verändertes Verteilungsvolumen der Medikamente - um nur einige Einflussgrößen zu nennen - berücksichtigt werden.

Kenntnisse zur Epidemiologie und Charakteristik von Kopfschmerzen sowie zu den speziellen Bedürfnissen der älteren Generation stellen die Grundvoraussetzung für eine gute Versorgung dieser Patientengruppe dar. Die DMKG Studie will die aktuellen Wissenslücken schließen und so die medizinische Versorgung der Senioren verbessern.

Ansprechpartnerin:
Generalsekretärin und Pressesprecherin
PD Dr. med. Stefanie Förderreuther
Neurologische Klinik der LMU München
Ziemssenstrasse 1
80336 München
Tel. 089 5150 2307
E-Mail: Steffi.Foerderreuther@med.uni-muenchen.de

Rita Wilp | idw
Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de

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