Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kontaminierte Böden verlangen maßgeschneiderte Sanierung

12.04.2010
Studie der Universität Jena belegt weiteren Sanierungsbedarf im einstigen Uranrevier Ronneburg

In den Boomzeiten der atomaren Ära entwarfen Politiker und Wissenschaftler weltweit Visionen für eine strahlende Zukunft. Geblieben sind davon mannigfach ungelöste Probleme, zerstörte Landschaften und strahlende Abfälle, deren Entsorgung Kopfzerbrechen bereitet.

In Ronneburg in Ostthüringen war es die Wismut, die für die sowjetische Besatzungsmacht Uran zu fördern hatte. Die Wismut-Kumpel schütteten riesige Abraumhalden auf, die kontinuierlich mit Schwefelsäure berieselt wurden, um das Uran auszuwaschen. Diese Halden wurden inzwischen abgetragen und das Erdreich mit hohem technischen und finanziellen Aufwand saniert. Doch noch längst nicht alle Folgeschäden konnten beseitigt werden, wie eine aktuelle Studie von Ökologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena zeigt.

Als problematisch erweist sich bis heute die Tatsache, dass die Deckschicht unter den Abraumhalden stellenweise undicht war, wodurch Uran und weitere Schwermetalle tief in den Boden und ins Grundwasser gelangten. Die Doktorandin Eva-Maria Burkhardt vom Graduiertenkolleg "Alteration und Elementmobilisierung an Mikroben-Mineral-Grenzflächen", welches der Exzellenz-Graduiertenschule "Jena School for Microbial Communication" angehört, hat gemeinsam mit Fachkolleginnen vom Institut für Ökologie der Uni Jena die Schwermetallbelastung am Gessenbach bei Ronneburg untersucht. Bodenproben wurden von jener Seite genommen, die den einstigen Abraumhalden zugewandt ist und Kontakt zum Grundwasser haben. Dabei zeigte sich, dass in einer Tiefe von etwa 60 bis 80 Zentimetern und zwischen 100 und 120 Zentimetern besonders hohe Konzentrationen von Uran sowie anderen Schwermetallen wie Zink und Nickel zu finden sind.

"Problematisch sind die mobilen Schwermetall-Frachten", sagt Prof. Dr. Kirsten Küsel, die Burkhardts Arbeit betreut hat. Es bestehe die Gefahr, dass die Schwermetalle mit dem Grundwasser weitertransportiert werden und Flächen kontaminieren, die weit von den ursprünglichen Bergbaugebieten entfernt sind. Um das zu verhindern, setzen die Wissenschaftler auf die Hilfe von Bakterien, die im Boden vorkommen. Einige Arten von Mikroorganismen, wie Eisen-atmende Bakterien, können mobiles Uran 6 in die immobile Variante Uran 4 umwandeln. Diese immobile Variante verbleibt im Boden, was die schädlichen Auswirkungen im Gegensatz zur mobilen Variante verringert. In Rifle, Colorado, einer alten Abbaustätte in den USA, werden die Böden deshalb mit Acetat geimpft, einer Kohlenstoff-Verbindung. Damit werden die Eisen-atmenden Bakterien gefüttert, um ihre Vermehrung und den Stoffwechsel anzuregen. Vergleichende Untersuchungen mit Uran-kontaminierten Böden aus den USA steuerte Denise M. Akob zur aktuellen Jenaer Studie bei.

Im Ronneburger Revier greift diese Lösung jedoch nicht, wie Eva-Maria Burkhardt nachgewiesen hat. Die Bakterien verhielten sich anders, als die Wissenschaftler erwartet hatten: Anstatt sie in die immobile Variante zu verwandeln, mobilisierten die Mikroorganismen Nickel, Zink, Kobalt und Uran. Folglich wäre es kontraproduktiv, die Böden mit Kohlenstoff zu impfen.

Die Wissenschaftlergruppe um Kirsten Küsel hat die Ergebnisse ihrer Arbeit jetzt im Fachmagazin "Environmental, Sciences & Technology" veröffentlicht, das von der American Chemical Society herausgegeben wird.

Das Fazit von Kirsten Küsel fällt deutlich aus: Es gibt keine Standardlösung für die Sanierung von Uran-kontaminierten Standorten. "Für jeden Standort benötigen wir eine individuelle Sanierungs-Strategie." Solche maßgeschneiderten Sanierungspläne könnten die Ökologen der Universität Jena erarbeiten.

Kontakt:
Prof. Dr. Kirsten Küsel
Institut für Ökologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Straße 159, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949461
E-Mail: Kirsten.Kuesel[at]uni-jena.de

Stephan Laudien | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie