Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Körpereigener Ansatz zur Verhinderung von Allergien

02.09.2011
Wie das Immunsystem Toleranz gegenüber Allergenen entwickeln kann
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie der Johannes Gutenberg Universität in Mainz haben einen körpereigenen Mechanismus aufgeklärt, der die Entstehung von Allergien verhindern kann.

Sie konnten zeigen, dass bestimmte Zellen des Immunsystems, sogenannte killerdendritische Zellen, befähigt sind, Allergiezellen auszuschalten. Die Ergebnisse der Studie, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Clinical Investigation* erschienen sind, eröffnen neue Perspektiven für Strategien zum Schutz vor Allergien.

Als Allergen wird eine Substanz bezeichnet, die beim Kontakt mit dem Organismus als fremd erkannt wird und zu einer überschießenden Abwehr des Immunsystems, einer allergischen Reaktion, führt. Seit langem ist bekannt, dass der Körper bei wiederholtem Kontakt mit einer sehr niedrigen Dosis eines Allergens eine Art Immunität dagegen entwickeln kann.

Dieser Vorgang nennt sich „Niedrigzonen-Toleranz“. Welche genauen Mechanismen dieser Immunität zugrunde liegen, ist noch weitgehend unbekannt. Die vorliegende Studie konnte mithilfe eines Mausmodells zum ersten Mal wichtige zelluläre Mechanismen entschlüsseln. Die Ergebnisse entstanden in enger Zusammenarbeit zwischen der Mainzer Arbeitsgruppe um Prof. Kerstin Steinbrink und dem Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Marcus Maurer aus dem Allergie-Centrum der Charité. Killerdendritische Zellen, die auch als Gesundheitspolizei beschrieben werden, schütten beim Kontakt mit einem Allergen einen bestimmten Signalstoff aus. Dieser sogenannte Tumornekrosefaktor löst in den Zellen, die die allergische Reaktion vermitteln, den programmierten Zelltod, die Apoptose, aus. Als Folge kann sich keine allergische Reaktion entwickeln. In der individuell unterschiedlich stark ausgeprägten Fähigkeit zu dieser „Niedrigzonen-Toleranz“ liegt wahrscheinlich auch begründet, weshalb einige Menschen auf bestimmte Allergene reagieren, und andere nicht.

„Die Ergebnisse der Studie sind im Prinzip für jeden relevant“, sagt Prof. Maurer. „Ganz besonders Menschen, die vermehrt Kontakt mit allergenen Substanzen haben, laufen Gefahr, eines Tages eine Allergie auszubilden.“ Dazu zählen beispielsweise Beschäftigte im Friseursalon, in der Schmuck- und Modeindustrie, aber auch das Krankenhauspersonal. „Wir haben in unserer Arbeit den Mechanismus identifiziert, der der Verhinderung einer Allergie zugrunde liegt“, erklärt Prof. Maurer. Der Dermatologe und Allergologe geht davon aus, dass diese Ergebnisse in Zukunft therapeutisch genutzt und damit Allergien vermieden werden können.

*Luckey et al.: T cell killing by tolerogenic dendritic cells protects from allergy in mice. Journal of Clinical Investigation, October 2011. [epub ahead of print]

Kontakt:
Prof. Marcus Maurer
Allergie-Centrum-Charité/ECARF
Campus Charité Mitte
t: +49 30 450 518 043
marcus.maurer@charite.de

Dr. Julia Biederlack | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik