Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimawandel: Bodenbakterien rülpsen mehr CO2

14.06.2012
Zersetzung alter Kohlenstoff-Bestände in Waldböden beschleunigt

Der Klimawandel löst in Wäldern Prozesse aus, die die Erderwärmung zusätzlich vorantreiben: Mikroorganismen beginnen, jene Kohlenstoff-Bestandteile im Boden zu zersetzen, die bisher aufgrund ihres Alters als stabil galten. Das berichten US-Forscher in der Online-Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences".

"Wälder sind wichtige Kohlenstoff-Senken. Unter bestimmten Bedingungen könnten sie jedoch auch zu Emittenten für Treibhausgasen werden", warnt Studienleiterin Francesca Hopkins.

Angst vor Verstärkern

Mit Sorgenblicken verfolgt die Klimaforschung jene Veränderungen der Erdoberfläche, die durch die Erderwärmung ausgelöst werden und diese selbst beschleunigen - sogenannte "Feedback-Schleifen". Prominentes Beispiel dafür ist das arktische Meereis, das einfallendes Sonnenlicht reflektiert. Schmilzt es, nehmen die zurückbleibenden dunklen Wasserflächen mehr Hitze auf - wobei das wärmere Meer wiederum die Eisschmelze beschleunigt.

Temperatur knackt Altbestände

Doch auch Wäldern sind derartige Mechanismen zu finden, befürchten die Forscher der University of California in Irvine http://uci.edu und vom Lawrence Berkeley National Laboratory http://lbl.gov . Mikroorganismen, die den Bodenhumus zersetzen, sind bei steigenden Temperaturen nicht nur aktiver, sondern machen sich auch an jene Kohlenstoff-Speicher, die schon seit Jahrzehnten im Boden stecken. Das Problem dabei: Beim Veratmen der sich zersetzenden Blätter und Wurzeln stoßen die Bakterien den zuvor gefestigten Kohlenstoff als Kohlendioxid (CO2) aus.

Die Forscher sammelten dazu Bodenproben aus US-Wäldern in Einweckgläsern und erwärmten diese auf verschiedene Temperaturen. Die Zersetzer-Mikrobien drangen in manche Kohlenstoffschichten ein, die laut Isotopen-Tests schon über zehn Jahre alt waren. Bei heutigen Temperaturannahmen für das Jahr 2100 muss man mit einer Verdoppelung der CO2-Ausatmung rechnen, sagen die Forscher. Bei einer "unrealistischen" Erwärmung um 20 Grad steigt dieser Wert sogar um das Achtfache.

Photosynthese als Schutz

"In den Böden steckt genauso viel Kohlenstoff wie in der Atmosphäre und der gesamten Vegetation zusammen. In Waldböden und nie kultivierten Wiesen ist der Anteil besonders hoch", erklärt Jürgen Böttcher, Bodenökologe am Institut für Bodenkunde der Uni Hannover http://www.soil.uni-hannover.de , im pressetext-Interview. "Ob Kohlenstoff im Boden stabil ist oder nicht, dürfte auch von Faktoren wie der Aggregation des Bodens abhängen", so der Experte.

Dass ein Temperaturanstieg die mikrobielle Aktivitäten im Boden erhöht, ist gut erforscht. Manche Argumente sprechen allerdings dagegen, dass der Wald zum Netto-Emittenten werden könnte. "Steigt die Temperatur und der CO2-Anteil der Atmosphäre, begünstigt das die Photosynthese und somit das Baumwachstum. Nicht nur die Pflanzenmasse wird dadurch schneller neugebildet, sondern es fließt auch mehr Streu - und somit Kohlenstoff - wieder dem Boden zu", gibt Böttcher zu bedenken.

Abstract der Studie unter http://www.pnas.org/content/early/2012/06/07/1120603109.abstract

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.uci.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Goldmedaille für die praktischen Ergebnisse der Forschungsarbeit bei Nutricard

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Nachwuchs knackt Nüsse - Azubis der Friedhelm Loh Group für Projekte prämiert

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen

11.12.2017 | Medizin Gesundheit