Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimawandel beeinflusst Wasserkreislauf

09.12.2013
Ob die Klimaerwärmung zu mehr Verdunstung und mehr Niederschlag führt, wurde in den letzten Jahren heiß diskutiert. Eine Studie mit TU Wien-Beteiligung untersuchte diesen Effekt nun mit Satellitendaten.

Man kennt den Effekt aus dem eigenen Garten: In der Nacht ist der Rasen nass, doch kaum kommt die Sonne heraus kann die erwärmte Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen und der Tau verdunstet.

Dementsprechend würde man auch erwarten, dass durch die Klimaerwärmung feuchte Böden und Ozeane mehr Wasser an die Luft abgeben. In einer Studie, erschienen im Journal „Nature Climate Change“, werden nun Klimadaten aus über drei Jahrzehnten präsentiert.

In nördlichen Regionen steigen Verdunstung und Niederschlag tatsächlich an, im Süden kann man diesen Effekt noch nicht nachweisen. Auf der Südhalbkugel, so zeigt die Studie, wird die Dynamik der kontinentalen Verdunstung von den Wetterphänomenen „El Niño“ und „La Niña“ dominiert.

Mehr Regen durch wärmeres Klima?

Dass es einen Klimawandel gibt und die globale Temperatur steigt, ist in Fachkreisen heute unbestritten. Die konkreten Auswirkungen dieses Prozesses sind aber nach wie vor schwer einzuschätzen. Zu den besonders intensiv diskutierten Punkten gehört die Frage, ob und an welchen Orten es durch den Klimawandel zu einem verstärkten Auftreten von Unwettern oder Dürren kommen kann.

„Wenn die Luft wärmer wird und mehr Wasser aufnimmt, dann kommt es theoretisch auch zu intensiveren Niederschlägen und schwereren Stürmen“, sagt Wouter Dorigo vom Department für Geodäsie und Geoinformation der TU Wien. Größere Mengen an Feuchtigkeit werden innerhalb kürzerer Zeit in die Luft abgegeben und kehren als Regen wieder zurück. Der Wasserkreislauf wird beschleunigt und er wird intensiver. Dieser Effekt bewirkt, dass feuchte Regionen noch feuchter werden, und trockene Gebiete noch mehr austrocknen.

Die nun zusammengestellten Daten zeigen, dass die Verdunstung über einem Großteil der Landmasse in der Zeit von 1980 bis 2011 tatsächlich signifikant angestiegen ist. Allerdings gibt es einzelne Zeitabschnitte, in denen die Verdunstung sogar zurückging – etwa in den Jahren nach 2000. „Daraus sollte man aber nicht schließen, dass die Verdunstung insgesamt rückläufig ist“, sagt Wouter Dorigo.

El Niño und La Niña

Weltweit betrachtet wird die Verdunstung auf den Landmassen entscheidend vom Wetterphänomen „El Niño“ geprägt: Meeresströmungen in den tropischen Regionen des Pazifik ändern sich, das hat einen Einfluss auf den Niederschlag und dadurch auch auf die Feuchtigkeit der Kontinente. Wenn die Böden trocken sind, können sie trotz höherer Temperaturen kein Wasser an die Atmosphäre abgeben. „Durch El Niño sinkt die Verdunstung über Australien, dem südlichen Afrika und dem Osten Südamerikas“, erklärt Wouter Dorigo. Das Gegenteil geschieht beim umgekehrten Wetterphänomen, das „La Niña“ genannt wird.

Rückgänge in der kontinentalen Verdunstung, die in den letzten Jahren beobachtet wurden, lassen sich durch Übergänge zwischen El Niño und La Niña erklären. In der aktuellen Studie wurden nun erstmals auch Daten der Jahre nach 2007 berücksichtigt. In den Regionen, die von El Niño und La Niña wenig betroffen sind – etwa in unseren nördlichen Breiten – ist die Zunahme der kontinentalen Verdunstung durch die Klimaerwärmung deutlich zu beobachten. Die Rate der Zunahme passt zu den Erwartungen, die sich aus der globalen Erwärmung ergeben.

Satellitendaten für die Klimaforschung

Für solche globalen Studien ist es notwendig, Daten auf der ganzen Welt zu erheben – unter anderem über die Feuchtigkeit der Böden. Mit Bodenmessungen vor Ort könnte man freilich niemals den ganzen Globus abdecken, daher greift man heute auf Satellitenmessungen zurück. Mit Mikrowellenstrahlung tasten die Satelliten die Erdoberfläche ab, durch mathematische Modelle und mit Hilfe großer Datenbanken mit den gesammelten Informationen der vergangenen Jahre lässt sich daraus dann die lokale Feuchtigkeit des Bodens berechnen.

Das Department für Geodäsie der TU Wien bereitete diese Daten auf, sie wurden dann mit anderen Bodenfeuchtedaten verglichen, um ein verlässliches Gesamtbild zu erhalten. An der Studie, die nun in Nature Climate Change veröffentlicht wurde, war auch eine Reihe anderer Forschungseinrichtungen beteiligt, koordiniert wurde das Forschungsprojekt von der University of Bristol (Großbritannien).

Rückfragehinweis:
Dr. Wouter Dorigo
Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung
Technische Universität Wien
Gusshausstraße 25-29, 1040 Wien
T: +43-1-58801-12243
Mobil: +43-650-7426622
wouter.dorigo@tuwien.ac.at
Aussender:
Dr. Florian Aigner
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Wien
Operngasse 11, 1040 Wien
T: +43-1-58801-41027
florian.aigner@tuwien.ac.at

Dr. Florian Aigner | Technische Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/nclimate/journal/vaop/ncurrent/full/nclimate2068.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie