Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimapolitik und Emissionstransfers

31.01.2014
Oldenburger Wirtschaftswissenschaftler veröffentlicht Studie in internationalem Fachmagazin

Die CO2-Emissionen steigen und treiben den Treibhauseffekt weiter voran. Schuld sind unter anderem Emissionen in Entwicklungs- und Schwellenländern, die in die Luft geblasen werden für Produkte, die in den Industrieländern auf den Markt kommen und konsumiert werden.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten stiegen die indirekten Emissionstransfers, die durch den Handel zwischen Industrie- und Schwellenländern hervorgerufen werden, um das Vierfache an: von 0,4 Gigatonnen CO2 im Jahr 1990 auf 1,6 Gigatonnen im Jahr 2008. Wie sieht vor diesem Hintergrund verantwortliche Klimapolitik aus? Was können die Industrienationen tun?

Diesen Fragen ging Marco Springmann, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Oldenburg, in seinem Beitrag „Integrating Emissions Transfers into Policy-making“ nach. Er ist jetzt online im Wissenschaftsmagazin „Nature Climate Change“ erschienen – eine Publikation aus der Verlagsgruppe des renommierten Fachmagazins „Nature“.

Springmann schlägt vor, dass Industrienationen die Emissionen, die auf ihren Konsum zurückzuführen sind, durch Investitionen in umweltverträgliche Entwicklungen in Entwicklungsländern ausgleichen. „Dies hätte zur Folge, dass die Industrienationen die globale Klimapolitik stärken und zu einer gerechten Lastenverteilung der CO2-Emission beitragen“, so der Wirtschaftswissenschaftler.

Globale CO2-Emissionen haben im Jahr 2013 einen neuen Höhepunkt erreicht: Zwar konnten die Industrieländer ihren eigenen Treibhausgasausstoß stabilisieren, aber die Emissionen, die auf ihren Konsum zurückzuführen sind, steigen beängstigend an. Eine zentrale Rolle spielt dabei der internationale Handel. Er ermöglicht den Import energie- und emissionsintensiver Güter aus Entwicklungs- und Schwellenländern in die Industrieländer.

Dabei übernehmen die Industrienationen keine Verantwortung für die CO2-Emissionen vor Ort. Dieses Problem der sogenannten Emissionstransfers ist seit Jahren bekannt. Allerdings mangelte es bisher an konkreten Vorschlägen, wie man internationale Emissionstransfers in die aktuelle Klimapolitik einbetten kann.

Springmann untersucht in seinem Aufsatz nun die Wirtschafts- und Umwelteffekte dreier Szenarien, die Emissionstransfers auf unterschiedliche Weise in die aktuelle Klimapolitik einbinden: Da ist zuerst der Ausgleich von Emissionstransfers durch strengere Emissionsreduktionsziele in Industrieländern.

In einem zweiten Szenario erfolgt die Preisanpassung von Handelsgütern in Industrieländern durch CO2-Zölle auf Importgüter und die Befreiung von CO2-Preisen für Exportgüter. Das dritte basiert auf dem Ausgleich von Emissionstransfers durch die Finanzierung von umweltverträglichen Entwicklungen in Entwicklungsländern.

Der Autor analysiert die Szenarien, indem er ein globales Handelsmodell zugrunde legt, das die internationalen Wirtschaftsbeziehungen und die sich daraus ergebenden CO2-Emissionen abbildet. Dabei zeigt sich: Der Ausgleich von Emissionstransfers durch die Finanzierung umweltverträglicher Entwicklungen in den Entwicklungsländern ist die sowohl ökonomisch als auch ökologisch vielversprechendste Option. Sie vermindert den globalen CO2-Ausstoss vergleichsweise am stärksten und ist bis zu einem Drittel kosteneffizienter als die anderen Varianten. Um zunächst die energieintensiven Emissionstransfers – sie machen etwa ca. 20 Prozent aller Emissionstransfers aus – auszugleichen, wären Investition von ungefähr drei Milliarden US-Dollar nötig – das sind weniger als 0,01 Prozent der Wirtschaftsleistung aller Industrienationen. Um alle Emissionstransfers in die Industrienationen auszugleichen, würden ungefähr 50 Milliarden US-Dollar oder 0,1 Prozent der Wirtschaftsleistung sämtlicher Industrienationen benötigt.

Springmann zufolge sind die anderen Optionen entweder erheblich teurer oder haben kaum Einfluss auf die globalen CO2-Emissionen. So könnten strengere Emissionsziele ohne Finanzierungsausgleich sowohl der Wirtschaft der Industrieländer als auch der Entwicklungsländer immens schaden. Grund dafür sei, dass strengere Emissionsziele eine Preiserhöhung in den Industrienationen nach sich ziehen würde. Dies würde zu einem Anstieg der Exportpreise führen und den Konsum und die Nachfrage von Gütern aus Entwicklungsländern verringern. „Ein starrer Ausgleich von Emissionstransfers ohne flexible Ausgleichsmechanismen wäre wahrscheinlich eher schädlich als nützlich – und das sowohl national als auch global“, so Springmann. Eine Preisanpassung von Handelsgütern mittels CO2-Tarifen könne für die Industrienationen zwar von Interesse sein. Aber der wirtschaftliche Schaden für die Entwicklungsländer stünde in keinem Verhältnis zu der Emissions-Verringerung und zu den politischen Verwerfungen, die eine solche Politik nach sich ziehen könnte.

Springmann gibt zu bedenken: „Ein ambitioniertes und globales Klimaabkommen wäre sicherlich die beste Lösung, um die derzeitigen Emissions-Schlupflöcher zu schließen. Aber bis man sich in den globalen Klimaverhandlungen dazu durchringt, kann es noch dauern. Die Verknüpfung von Klimafinanzierung in Entwicklungsländern mit Emissionstransfers und einer breiteren Emissionsverantwortung von Industrieländern bietet die Gelegenheit, die aktuellen Klimapolitiken zu stärken und zu echten und bezahlbaren Emissionsreduktionen beizutragen.“

Springmann, Marco: „Integrating Emissions Transfers into Policy-making“ in „Nature Climate Change” (http://dx.doi.org/10.1038/nclimate2102)

Kontakt:
Marco Springmann, Department für Wirtschafts- und Rechtwissenschaften,
Tel.: +44-7460202512, E-Mail: marco.springmann@uni-oldenburg.de

Dr. Corinna Dahm-Brey | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-oldenburg.de
http://dx.doi.org/10.1038/nclimate2102

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

nachricht Medizinische Innovationen für Afrika
02.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte