Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kinderstationen in Ostvorpommern müssen erhalten bleiben

14.02.2012
Studie untersuchte Auswirkungen des demografischen Wandels auf die kinder- und jugendmedizinische Versorgung in Ostvorpommern

Greifswalder Wissenschaftler haben heute in Schwerin die Ergebnisse einer Studie zu den Auswirkungen des demografischen Wandels auf die kinder- und jugendmedizinische Versorgung in Ostvorpommern vorgestellt.

Im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung hat das Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald zwischen November 2010 und Juli 2011 die Patientenversorgung für Kinder und Jugendliche in der Region untersucht.

Am Freitag, dem 17. Februar 2012, findet dazu eine Fachtagung in Greifswald mit Sozialministerin Manuela Schwesig statt (s. Programm). Die Studie kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass die drei in der Region vorhandenen Kinderklinikabteilungen dringend erhalten und die Strukturen zwischen den stationären und ambulanten Bereichen stärker vernetzt werden müssen.
Hintergrund der aktuellen Studie ist ein prognostizierter Rückgang der Anzahl der Kinder in der Region Ostvorpommern (von 18 536 in 2006 auf 13 816 in 2020), der einen bedeutenden Einfluss auf die zukünftige medizinische Versorgung haben wird. Ein aktueller Anlass waren zudem Diskussionen über den Weiterbetrieb der Kinderabteilung im Krankenhaus Anklam. Schon 2005 hatte der damalige Klinikbetreiber die pädiatrische Abteilung schließen lassen wollen. Seitdem betreibt die Universitätsmedizin Greifswald die Anklamer Fachabteilung.

Die Studie zeigt, dass bereits heute die ambulante Versorgung in einigen ländlichen Regionen problematisch ist. Die Entfernung zur nächstgelegenen Kinderarztpraxis ist für viele Patienten groß. Durch Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr wird die Erreichbarkeit zusätzlich erschwert. „Bis 2020 wird die Mehrzahl der derzeit tätigen niedergelassenen Kinderärzte in der Region Ostvorpommern in den Ruhestand treten. Wenn für diese Praxen keine Nachfolger gefunden werden, wird es im Landkreis Vorpommern-Greifswald nur noch in einigen wenigen Orten Kinderarztpraxen geben. Bereits heute besteht in der Region Uecker-Randow kinderärztliche Unterversorgung“, erklärte Prof. Wolfgang Hoffmann, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Community Medicine. „Die Krankenhäuser mit einer Fachabteilung für Kinder- und Jugendmedizin und die niedergelassenen Hausärzte werden in Zukunft eine noch wichtigere Rolle bei der Sicherstellung der medizinischen Versorgung der Kinder- und Jugendlichen übernehmen müssen.“

Detaillierte Daten zur regionalen pädiatrischen Versorgung wurden mit Fahrtzeitberechnungen sowohl für Pkw als auch für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel in eine umfassende Analyse der aktuellen und zukünftigen Versorgungssituation im Bereich Pädiatrie zusammengeführt. „Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist, dass ein Erhalt aller pädiatrischen Krankenstationen in der Region Vorpommern (Greifswald, Wolgast und Anklam) aus versorgungsepidemiologischer Sicht notwendig ist“, erläuterte Studienleiterin Dr. Neeltje van den Berg. „Das Schließen einzelner Klinikabteilungen würde zur Folge haben, dass die Entfernungen zur nächstgelegenen Klinik zu groß werden.“

Ein weiteres Ergebnis ist, dass in den ländlichen Regionen pädiatrische Abteilungen der Kliniken schon jetzt auch einen Teil der Sicherstellung der ambulanten Versorgung übernehmen. „Hier müssen wirtschaftlich tragfähige Organisationsformen für eine kooperative Arbeitsteilung gefunden werden, in der sich die stationäre und ambulante Versorgung in der Region gegenseitig unterstützen“, betonte die Greifswalder Wissenschaftlerin.

„Die Untersuchung zeigt eindrücklich, dass zur Sicherstellung einer ausreichenden kinderärztlichen Versorgung bei einer weiter abnehmenden Anzahl an Kindern abgestimmte regionale Versorgungslösungen notwendig sind. Die Daten der aktuellen Studie liefern wichtige Planungsgrundlagen für eine zeitgemäße und nachhaltige Sicherstellung der regionalen pädiatrischen Versorgung“, so Hoffmann abschließend.

Veranstaltungshinweis

Am Freitag, dem 17. Februar 2012 veranstaltet die Friedrich-Ebert-Stiftung eine Fachtagung zu diesem Thema in Greifswald. Dazu sind die Vertreter der Medien recht herzlich eingeladen.

F a c h t a g u n g - P r o g r a m m

Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Grundbedürfnissicherung der Bevölkerung in Vorpommern unter besonderer Berücksichtigung der kinder- und jugendmedizinischen Versorgung im Landkreis Vorpommern-Greifswald
Alfried Krupp Kolleg Greifswald Martin-Luther-Str. 14 17489 Greifswald
Freitag, 17. Februar 2012, 13.00 bis 17.00 Uhr
13:00 Uhr – Begrüßung, Jürgen Peters, Friedrich-Ebert-Stiftung
13:10 Uhr - Eröffnungsstatements
Manuela Schwesig, Ministerin für Arbeit, Gleichstellung und Soziales
Dr. Marlies Kühn, Leiterin des Gesundheitsamtes Greifswald
13:30 Uhr - Vorstellung der Studie, Prof. Wolfgang Hoffmann, Institute für Community Medicine (ICM)
14:00 Uhr - Mögliche Lösungsansätze und Handlungsalternativen, Dr. Neeltje van den Berg, ICM
14:20 Uhr - Kaffeepause
14:40 Uhr – Weitere Statements
Friedrich-Wilhelm Bluschke, AOK-Nordost
Oliver Kahl, Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern
Wolfgang Gagzow, Krankenhausgesellschaft M-V e.V.
Dr. Andreas Gibb, Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern
15:20 Uhr - Plenumsdiskussion (Moderation Jürgen Seidel, Freier Journalist, Stralendorf)
15:50 Uhr - Schlussstatement, Dr. Sibylle Scriba, Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales M-V, anschließend Gelegenheit zu individuellen Gesprächen

Universitätsmedizin Greifswald
Institut für Community Medicine
Abt. Versorgungsepidemiologie & Community Health
Geschäftsführender Direktor: Prof. Wolfgang Hoffmann
Studienleiterin: Dr. Neeltje van den Berg
Ellernholzstraße 1-2, 17487 Greifswald
T +49 3834 86-77 71
E neeltje.vandenberg@uni-greifswald.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-greifswald.de
http://www.community-medicine.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie