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Kinderarmut hat Langzeitwirkung: Zu Umfang und Ursachen in Entwicklungsländern

27.08.2010
GIGA Focus Global (8/2010)
von Joachim Betz und Daniel Neff

Der Umfang und die Ursachen von Kinderarmut sind in der bisherigen entwicklungsstrategischen Literatur allenfalls als Seitenaspekt der allgemeinen Armutsanalyse behandelt worden.

Erst in den letzten Jahren wurden die gegenüber der Armut von Erwachsenen unterschiedlichen Ursachen von Kinderarmut stärker beachtet. Zu dieser stärkeren Wahrnehmung haben auch der Einsatz von Kindersoldaten in Bürgerkriegen, die anhaltende Diskussion über Kinderarbeit in Entwicklungsländern und die zunehmende Zahl von AIDS-Waisen beigetragen.

Analyse

ILO, UNICEF und Nichtregierungsorganisationen haben verspätet begonnen, Kinderarmut zu definieren und zu quantifizieren, ihre Ursachen zu bestimmen sowie Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die Beschäftigung mit Kinderarmut ist ein Nachzügler der allgemeinen Armutsdebatte und wird von den einschlägigen internationalen Organisationen sicher auch im Eigeninteresse betrieben. Die neue Diskussion macht aber deutlich, dass ihr eigenständige Aufmerksamkeit gebührt.

— Kinderarmut definiert sich insbesondere durch das Fehlen einer Umgebung, in der Kinder gesund – das heißt körperlich und seelisch geschützt – ihr Potenzial entfalten können.

— Einige Indikatoren von Kinderarmut haben sich seit Anfang der 1990er Jahre nur langsam verbessert; die Entwicklung in etlichen Staaten war also nur begrenzt „kinderfreundlich“.

— Die Ursachen von Kinderarmut sind nur zum Teil die finanzielle Armut von Familien. Auch die Verteilung von Gütern innerhalb der Familie und deren notwendige Ergänzung durch staatliche Bildungs- und Gesundheitsleistungen müssen berücksichtigt werden.

— Als zusätzliche und bedeutsame Ursachen und Effekte von Kinderarmut können gesellschaftlicher Ausschluss, die Vernachlässigung von Mädchen, die Verbreitung von AIDS, Kinderarbeit/ Kinderhandel und Bürgerkriege identifiziert werden.

— Entscheidend ist, dass die Folgen von Kinderarmut – etwa körperliche und geistige Unterentwicklung als Folge von Unter- bzw. Mangelernährung – oftmals unumkehrbar sind. Deshalb muss die Bekämpfung von Kinderarmut im kritischen Zeitfenster der (frühen) Kindheit ansetzen.

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Peter Peetz | idw
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