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Kinder halten Gewalt-Beziehungen aufrecht

10.07.2009
Eigendynamik von brutalen Partnerschaften erforscht

Gewaltgeladene Beziehungen dauern viel länger an, wenn das betreffende Paar gemeinsame Kinder hat. Die Gewalt überlebt auch das Ende der Beziehung, kommt eine norwegische Doktorarbeit der Universität Oslo http://www.uio.no/english zum Schluss. Solveig Vatnar hat für die Untersuchung 157 Frauen, die aus solchen Gewalt-Beziehungen kamen und bei Sozialeinrichtungen um Hilfe gebeten hatten, befragt.

"Unsere Analysen haben gezeigt, dass Beziehung mit Gewalt durch einen Partner bei Frauen mit Kindern länger dauern", so Vatnar. In anderen Worten heißt das, dass das Muttersein allein nicht vor Gewalt schütze und keine Auswirkungen auf die Schwere der Gewalt, die Arten der Verletzungen und die Frequenz der Gewaltandrohungen habe. Das Forscherteam, dem auch Stal Björkly angehört, konnte feststellen, dass Gewalt sogar nach Beendigung der Beziehungen weiterging. Berührungspunkte der beiden Partner waren etwa die Schule oder der Kindergarten der Kinder. "Auch wenn die Kinder selbst nicht direkte Opfer von Gewalt werden, sind sie als Beobachter und damit als Zeugen von der häuslichen Gewalt betroffen", so die Forscher. Das führe häufig dazu, dass auch sie Beziehungen führen, die unter ähnlichen Umständen ablaufen.

Dass Kinder Verhaltensmuster aus der Beziehungsgeschichte der Eltern lernen und nachahmen, konnten die norwegischen Forscher nachweisen: "Wer als Kind in einer Familie aufgewachsen ist, in der Väter gewalttätig gegen die Mütter waren, neigt dazu, dieses Verhalten nachzuahmen", so Vatnar. Frauen, die als Kinder von ihren Eltern sexuell missbraucht wurden, haben ein 25fach höheres Risiko dieses Verhalten bei ihren Kindern zu wiederholen. Diese Zahl sei hoch, betont die Forscherin und bei der psychischen Betreuung unbedingt zu berücksichtigen.

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Das Untersuchungsergebnis sei keinesfalls überraschend, meint die Wiener Psychiaterin Bettina Reiter im pressetext-Gespräch. "Dass Kinder den Weg der Eltern weiter beschreiten ist kein Wunder, da sie keine anderen Konfliktlösungsstrategien außer der Gewaltanwendung gelernt haben." Viel komplexer sei jedoch die Gewalt-Beziehung zwischen den zwei Ehepartnern. Es sei sehr oft so, dass Frauen nach der Flucht in Frauenhäuser oder Krisenzentren wieder zu ihrem Partner zurückkehren, weil dieser versprochen habe sich zu ändern. "Solche Beziehungen entwickeln eine eigene Dynamik und sind sehr oft sehr lang bestehend", erklärt die Psychiaterin. Kinder spielen hier oft die Rollen von Statisten und werden von den Elternteilen als Pluspunkte zum Zusammenbleiben gewertet.

In vorhergehenden Studien sind Forscher zum Schluss gekommen, dass Rauschmittel ein wichtiger Grund für Gewalt sind. Vatnar bestätigt, dass Gewalt häufiger in Beziehungen auftritt, in denen einer der beiden Partner Alkohol oder andere Drogen zu sich nimmt. Das müsse allerdings nicht immer zutreffen. "In mindestens 75 Prozent der Fälle von Gewaltausbrüchen ist weder der Gewalttäter noch das Opfer alkoholisiert."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uio.no/english

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