Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kinder in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften

29.07.2009
Familien mit zwei Vätern oder zwei Müttern werden gerne als Regenbogenfamilien bezeichnet. Dieser Begriff ist sehr zutreffend, wenn man sich die Vielfalt dieser eher seltenen Familienform vor Augen führt.

Dies zeigt die Studie "Kinder in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften", die vom Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg (ifb) durchgeführt wurde. Umfassende Ergebnisse liegen nun vor.

In Deutschland wachsen rund 7.300 Kinder bei 7.000 gleichgeschlechtlich orientierten Paaren auf. Ein Teil der Elternpaare hat eine Eingetragene Lebenspartnerschaft begründet. Von diesen haben 866 Partnerinnen und Partner aus 625 Paaren an einer Untersuchung des ifb teilgenommen. Zusätzlich wurden 193 Partnerinnen und Partner aus 142 gleichgeschlechtlichen Elternpaaren ohne Eintragung zu ihrer Familiensituation befragt.

Regenbogenfamilien sind ganz überwiegend Mutterfamilien (93 Prozent), zwei Drittel haben nur ein Kind, und mehr als zwei Kinder sind die Ausnahme. Allerdings soll es in vier von zehn Familien nicht beim Einzelkind bleiben. So wird von einigen überlegt, welcher Weg der beste ist, um die Familie zu vergrößern. Dass Frauen hier mehr Spielräume haben, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen, begründet die Seltenheit von Vaterfamilien.

Die Eltern in Regenbogenfamilien weisen ein überdurchschnittliches Bildungsniveau aus und sie sind in höherem Maße als heterosexuelle Elternpaare erwerbstätig, allerdings häufiger in Teilzeit, was u.a. auch mit dem hohen Frauenanteil zusammenhängt. Die finanzielle Situation ist in den meisten Familien gut, aufgrund der Teilzeitjobs werden jedoch selten sehr hohe Einkommen erzielt. Die Beziehungen der gleichgeschlechtlichen Eltern haben sich oftmals schon lange bewährt und der gemeinsame Haushalt besteht im Durchschnitt schon seit knapp siebeneinhalb Jahren.

Kinder in Regenbogenfamilien sind oft und in zunehmendem Maße Kinder, die in diese Beziehung hineingeboren wurden. Dies trifft auf rund 42 Prozent aller 852 Kinder zu, über die im Rahmen der Studie Informationen eingeholt werden konnten. Dabei handelt es sich ganz überwiegend um Familien zweier Frauen und sehr oft um Wunschkinder, die durch eine Samenspende gezeugt wurden. Die Rolle der Samenspender bzw. Väter ist sehr unterschiedlich: teils sind sie nicht bekannt, teils aber auch aktive Elternteile, die an der Erziehung und Entwicklung der Kinder Anteil nehmen möchten. Dabei wird eine grundlegende Problematik dieser Familienkonstellation deutlich: Wie kann es - auch angesichts der rechtlichen Möglichkeiten - gelingen, die Rolle des sozialen Elternteils in der Familie zu festigen und gleichzeitig dem Kind Zugang zu seiner biologischen Herkunft zu ermöglichen oder sogar eine Vater-Kind-Beziehung aufzubauen. Ein Teil der Familie vollzieht hier einen Balanceakt, in dem versucht wird, allen Interessen gerecht zu werden.

Ein wenig mehr Kinder (46 Prozent) wurden im Rahmen einer früheren heterosexuellen Beziehung oder Ehe geboren. Diese Kinder leben meist in einer Stieffamiliensituation mit einem externen Elternteil (in der Regel der Papa), zu dem mehr oder weniger guter Kontakt besteht. Auch diese Kinder haben das Scheitern der Beziehung ihrer leiblichen Eltern zumeist nicht begrüßt, sondern sich erst damit arrangieren müssen. Lediglich ein kleiner Teil (8 Prozent) der Kinder lebt als Adoptiv- oder Pflegekind in der Regenbogenfamilie.

Kinder in Regenbogenfamilien haben in der Regel sehr engagierte Eltern und nicht selten Kontakt zu einem externen Elternteil. Die Beziehungen zwischen dem sozialen Elternteil in der Regenbogenfamilie werden sehr positiv geschildert. Die Partnerinnen und Partner teilen sich die Verantwortung und auch die häuslichen Aufgaben weitgehend gleichmäßig auf.

Das Aufwachsen in Regenbogenfamilien ist für die Kinder nicht - wie oft angenommen - grundsätzlich problematisch. Vielmehr können sie zumeist gut mit ihrer Familiensituation umgehen. Belastend wird es dann, wenn das Umfeld intolerant ist. Aber auch die Trennung vom anderen leiblichen Elternteil kann Belastungen mit sich bringen, welche die Kinder erst im Laufe der Zeit völlig verarbeiten. In beiden Fällen erhalten sie jedoch aufmerksame Unterstützung durch die Eltern in der Regenbogenfamilie.

Ansprechpartner: Dr. Marina Rupp, Telefon: 09 51 / 9 65 25-0, Email: marina.rupp@ifb.uni-bamberg.de

Dr. Monica Fröhlich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmj.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Echtzeit-Feedback hilft Energie und Wasser sparen
08.02.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Nutzung digitaler Technologien in der industriellen Produktion führt zu Produktivitätsvorteilen
01.02.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Wie ehrlich sind unsere Lebensmittel?

21.02.2017 | Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wärmebildkameras, Infrarotthermometer und deren richtige Anwendung

21.02.2017 | Seminare Workshops

Deep Learning sagt Entwicklung von Blutstammzellen voraus

21.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

36 Forschungsprojekte zu Big Data

21.02.2017 | Interdisziplinäre Forschung