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Kicken ist besser als Joggen

07.04.2010
Wirkung des Fußballs auf Körper, Psyche und Sozialleben erforscht

Wer in seiner Freizeit Fußball spielt, bleibt dadurch fit, verbessert sein Sozialleben und stärkt auch seine Psyche. Zu diesem Schluss kommt die vielleicht umfassendendste Erhebung zu Freizeitfußball bisher, die nun in einer Sonderausgabe des "Scandinavian Journal of Medicine and Science in Sports" veröffentlicht wurde.

Die 14 wissenschaftlichen Artikel zum Thema, die das Ergebnis dreijähriger Arbeit von 50 Wissenschaftlern aus sieben Ländern darstellen, zeichnen ein überaus positives Bild der Sportart, die derzeit über 400 Mio. Menschen regelmäßig betreiben.

Körper profitiert wie bei Ausdauersport

"Bisher empfehlen Mediziner eher Sportarten mit reinem Ausdauertraining wie Laufen oder Schwimmen. Nun wurde gezeigt, dass Fußball noch umfassender wirkt", berichtet Studien-Mitautor Oliver Fraude vom Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes gegenüber pressetext. In den diversen Studien nahmen Menschen zwischen neun und 77 Jahren teil. Eine Gruppe davon trainierte regelmäßig zwei bis drei Stunden Fußball, eine zweite ging dieselbe Zeit Joggen, eine dritte diente als Kontrollgruppe.

Was den Körper betrifft, bewirkten wenige Stunden Fußball pro Woche deutliche Besserungen bei Herz und Gefäßen, im Stoffwechsel sowie im Muskel- und Knochenapparat. Dieser Effekt stellte sich unabhängig von Alter, Geschlecht und Vorerfahrung mit der Sportart ein. In dänischen Vorstudien sanken LDL-Cholesterin und Herzschlag, während das Ansprechen auf Insulin verbessert wurde. "Physiologisch gesehen, verbessert Fußball auch Haltung, Gleichgewicht, Wendigkeit, Stärke, Kraft und Ausdauer", betont Fraude.

Fußballer sind unbesorgter

Vorteile des Fußballs gegenüber dem Laufen fanden jedoch vor allem die Psychologen. Bei kickenden Frauen war das Wir-Gefühl mehr ausgeprägt. "Obwohl sich auch die Läuferinnen in Gruppen trafen, nahmen sie sich eher als Individuen wahr", erklärt der Koordinator der Studien, Peter Krustup von der Universität Kopenhagen http://www.ku.dk/english , im pressetext-Interview. Männer gelang es im Spiel weit besser, Sorgen loszuwerden. "Fußball scheint viel eher Zerstreuung und Spaßerlebnisse zu ermöglichen. Dazu dürfte beitragen, dass man sich auf den Ball und die eigenen Strategien konzentrieren muss."

Bei Kindern zeigte sich, dass sie durch Fußball besser sozial integriert sind, mehr Freunde und weniger Probleme mit den Eltern haben und auch besser vor chronische Krankheiten wie Diabetes und Übergewicht geschützt sind. Speziell den übergewichtigen Kindern war auch die Forschung Fraudes gewidmet. "Wir konnten bei dieser Gruppe einen deutlichen Zuwachs im Selbstwertgefühl durch Fußball feststellen", berichtet der Forscher. Als Ursache dafür sieht er den sozialen Charakter des Spiels. "Gemeinsam zu gewinnen oder auch zu verlieren steigert das Selbstbewusstsein", so der Experte.

Verletzungsrisiko im Freizeitbereich überschaubar

Schließlich dürfte der Freizeitfußball auch auf lange Sicht eine gute Entscheidung sein, da er zu einer Bewegungsroutine verhilft. Als man die Probanden ein Jahr nach Studienende neuerdings fragte, wie sie es mit der Bewegung hielten, so pflegten die Fußballer ihr neues Hobby zu einem überwiegenden Teil noch weiter, manche sogar in offiziellen Ligen. Bei den Läufern war das nicht der Fall. Krustup erklärt das damit, dass sich Läufer mehr auf Gesundheit und Körper konzentrieren, während es Fußballern mehr um die Aktivität selbst geht sowie um den Spaß - man wolle auch die Teamkollegen nicht enttäuschen. "Fußball erleichtert es, einen körperlich aktiven Lebensstil zu übernehmen", so der dänische Forscher.

Dass Ärzte selten zu Hochintensitäts-Sportarten raten, hängt mit der Angst vor Knochen- und Gelenksverletzungen zurück. Krustup macht hier auf den Unterschied zwischen Profifußball und der Hobbyversion aufmerksam. "Im Profibereich rechnet man mit zwei bis fünf Verletzungen in den jährlich rund 1.000 Trainingsstunden. Freizeitfußballer trainieren 100 Stunden pro Jahr, zudem ist die Brutalität im Training weit geringer als im Match", so der Studienleiter. Empfehlenswert sei daher, gemeinsam mit Freunden aus Spaß, Fitness- oder Gesundheitsgedanken zu trainieren. "Die gesundheitlichen Aspekte überragen bei weitem das Verletzungsrisiko", fasst auch Fraude zusammen.

Weitere Informationen zu den Forschungen unter http://www.ifi.ku.dk/english/research/section/integrated_physiology/

pk_football_health/

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-saarland.de/de

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