Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Karrierewege im Einzelhandel - Frauen steigen seltener auf

05.04.2011
Frauen können gute Qualifikationen für die Karriere schlechter verwerten als Männer. Auch bei gleicher Ausbildung schaffen sie seltener den Aufstieg.

Schuld sind nicht nur die Personalpolitik von Unternehmen und institutionelle Rahmenbedingungen wie Minijobs, sondern auch die Zurückhaltung mancher Frauen. Das zeigen aktuelle Forschungsergebnisse zum Einzelhandel aus dem Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Über höherwertige berufliche Abschlüsse verfügen immer mehr Frauen im Einzelhandel, wie die IAQ-Arbeitsmarktforscherin Dr. Dorothea Voss-Dahm heute (5. April) beim Branchenworkshop „Aufstiegs- und Karrierewege im Einzelhandel“ in Kassel berichtete.

Die Frauenquote bei der Aufstiegsfortbildung „Fachwirt/in Handel“ lag 2006 immerhin bei 45% und damit neun Prozentpunkte höher als 1991.Die Qualifizierung „Handelsassistent/in (Einzelhandel)“ schlossen 2006 bereits mehr weibliche als männliche Teilnehmer ab. Doch Karriere machten Frauen, zumindest in der Vergangenheit, damit kaum: Nur 14 Prozent aller weiblichen Beschäftigten waren 2002 als Abteilungsleitungen eingruppiert, aber 37 Prozent aller Männer.

Woran liegt das? „Zum einen haben Personalverantwortliche oft noch ein verzerrtes Bild, was das „natürliche Potenzial“ von Männern und Frauen in Führungspositionen angeht“, sagt Voss-Dahm. Zum anderen sehen Frauen selbst den Aufstieg nicht nur positiv, denn: Wer Führungspositionen im betrieblichen Management im Einzelhandel übernimmt, muss auch unbezahlte Überstunden leisten, ambitionierte Kosten- und Ergebnisziele durchsetzen oder unangenehme Personalentscheidungen treffen, etwa das Stundenvolumen einzelner Mitarbeiter kürzen.“

Minijobs als Falle im Berufsleben von Frauen

Über 80 Prozent aller Beschäftigten im Einzelhandel haben eine Ausbildung abgeschlossen, der Frauenanteil der Branche liegt bei 73 Prozent. Mit dieser Konstellation und den gesetzlichen Regelungen zu Minijobs werden besondere Personalstrategien möglich: „Personalkosten können bei gleichzeitig längeren Ladenöffnungszeiten gesenkt werden, wenn die Arbeit in viele kleine Portionen aufgeteilt wird und Beschäftigte mit kurzer Arbeitszeit nur genau dann eingesetzt werden, wenn ein hoher Arbeitsanfall zu erwarten ist“, so die IAQ-Wissenschaftlerin. „Viele gut qualifizierte Frauen arbeiten zunächst für wenig Geld in Teilzeit oder in Minijobs. Das erweist sich jedoch oft als unerwünschter Dauerzustand und als Falle für das weitere Berufsleben, wenn die Kinder groß sind und die Frauen ihre Arbeitszeiten ausdehnen wollen oder müssen.“

Auch dazu liefert das IAQ Zahlen: Fast zwei Drittel aller Frauen im Einzelhandel arbeiteten 2008 unterhalb des Vollzeitstandards, darunter etwa die Hälfte in geringfügiger Beschäftigung. Dagegen besetzten nahezu drei Viertel aller Männer im gleichen Jahr Vollzeitjobs. Oft ist Unternehmen nicht bekannt, dass sie Minijobs wegen der Abgaben teurer zu stehen kommen als sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Und auch viele 400-Euro-Kräfte wissen nicht, dass ihnen gesetzliche Leistungen wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, bezahlter Urlaub, Zuschläge oder tarifliche Sonderzahlungen zustehen.

Der Branchen-Workshop zum Einzelhandel wurde vom IAQ im Rahmen des Forschungsprojektes „Beruflichkeit, Organisations- und Personalentwicklung im Spannungsfeld von Restrukturierung und Kompetenzsicherung“ organisiert. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Weitere Informationen:
Dr. Dorothea Voss-Dahm, Tel.0203/379-1826, dorothea.voss-dahm@uni-due.de;
Christine Franz, Tel.: 0203/379-2626, christine.franz@uni-due.de
Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0170-8761608, presse-iaq@uni-due.de

Claudia Braczko | Universitaet Duisburg-Essen
Weitere Informationen:
http://www.uni-due.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie