Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kapital für Know-how - Deutsche Industrie investiert mehr in Forschung und Fachkräfte

28.06.2011
Studie von PwC, IW und BDI: Investitionsvolumen erreicht 2010 Vorkrisen-Niveau / Ausgaben für Personalentwicklung stehen im Fokus / Anteil der Auslandsinvestitionen soll bis 2015 deutlich steigen

Die deutschen Industrieunternehmen investieren wieder genau so stark wie vor Beginn der Wirtschaftskrise. Dabei gewinnen Investitionen in Personal und Know-how in den kommenden fünf Jahren gegenüber den klassischen Sachinvestitionen weiter an Bedeutung, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und des BDI zeigt. Zudem soll der Anteil der Auslandsinvestitionen deutlich steigen, was zumindest in Teilen auf die ungewissen Konsequenzen des Atomausstiegs für den Industriestandort Deutschland zurückgeführt werden kann.

"Die deutschen Unternehmen wissen, dass sie ihre führende Position im globalen Wettbewerb nur mit qualitativem Wachstum auf Grundlage von Innovationen und Know-how behalten können. Daher investieren sie mehr in die Forschung und die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften.

Die Politik sollte diese Bemühungen stärker unterstützen. Sinnvolle Elemente zur Stärkung des Industriestandorts wären eine steuerliche Förderung von Forschungsinvestitionen sowie Erleichterungen für den Zuzug ausländischer Spezialisten nach Deutschland", kommentiert Prof. Dr. Norbert Winkeljohann, Sprecher des Vorstands von PwC.

Das aus den Studienergebnissen hochgerechnete Investitionsvolumen der Unternehmen in Deutschland stieg im Jahr 2010 um gut 15 Prozent auf 223 Milliarden Euro und übertraf damit erstmals den Wert des Vorkrisenjahres 2008. Zu den 223 Milliarden Euro sind etwa 52 Milliarden Euro hinzuzurechnen, die Unternehmen in Forschung und Entwicklung, Innovationen und Personalentwicklung investierten.

Die Investitionsquote der Industrie- und industrienahen Dienstleistungsunternehmen legte 2010 deutlich um 0,3 Prozentpunkte auf 7,7 Prozent der Umsatzerlöse zu. Gut zwei Drittel der Unternehmen haben 2010 (auch) in den Aufbau neuer Geschäftsfelder investiert, demgegenüber haben sich nur sieben Prozent mit Investitionen zum Erhalt der bestehenden Aktivitäten zufrieden gegeben.

Wissensinvestitionen gewinnen an Gewicht

Zwar werden klassische Investitionen in Bauten, Maschinen und andere Ausrüstungsgegenstände auch künftig dominieren, die Gewichte dürften sich jedoch zu Gunsten der wissensintensiven Investitionen verschieben. So rechnen 41 Prozent der befragten Unternehmen mit steigenden Sachinvestitionen, jedoch 70 Prozent mit höheren Ausgaben für die Personalentwicklung.

Eine wachsende Bedeutung von Investitionen in Forschung und Entwicklung prognostizieren rund 43 Prozent der Befragten. Die verstärkte Ausrichtung auf Wissensinvestitionen geht einher mit der zunehmenden Bedeutung qualitativ orientierter Wachstumsstrategien. So setzen gut 25 Prozent der Unternehmen auf Wachstum durch Innovationen und die Erschließung neuer Geschäftsfelder, während nur 15 Prozent in erster Linie über steigende Produktions- und Absatzmengen wachsen wollen.

Mehr Investitionen im Ausland

Die Betonung qualitativer Wachstumsstrategien schlägt sich auch in steigenden Auslandsinvestitionen nieder. So halten die befragten Unternehmen Investitionen im Ausland für "sehr wichtig" zur Marktentwicklung und Erschließung neuer Geschäftsfelder, während diese Aspekte bei Inlandsinvestitionen nur neutral gewichtet werden.

In den kommenden fünf Jahren wird der Anteil der Auslandsinvestitionen der Befragung zufolge deutlich von rund 11 Prozent auf gut 18 Prozent zulegen. Besonders ausgeprägt ist dieser Trend bei den Industrieunternehmen, die den Anteil der Auslandsinvestitionen von derzeit 10 Prozent auf 22 Prozent steigern wollen.

Wichtigste Zielregion für Auslandsinvestitionen ist Westeuropa mit einem Anteil von knapp sechs Prozent an allen Investitionen. Die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) folgen mit 4,3 Prozent auf dem zweiten Rang, vor Osteuropa (3,7 Prozent) und Nordamerika (2,2 Prozent).

Energiewende verunsichert

Starken Einfluss auf die Investitionstätigkeit der kommenden Jahre dürften der Atomunfall in Japan sowie die resultierende Energiewende in Deutschland haben. Über die Hälfte der befragten Industrie- und Dienstleistungsunternehmen befürchtet, dass der Atomausstieg in Deutschland zu steigenden Energiepreisen und Engpässen bei der Stromversorgung führen wird. Demgegenüber bewertet jedes fünfte Unternehmen die Energiewende positiv, ein weiteres Fünftel sieht keine Auswirkungen.

Mit direkten negativen Folgen durch die Katastrophe in Japan und die zu erwartende Rezession in der ostasiatischen Volkswirtschaft rechnet nur knapp ein Viertel der Unternehmen. Gravierender könnten die indirekten Konsequenzen wirken. So ist knapp jedes dritte befragte Unternehmen der Ansicht, dass die Ereignisse von Fukushima in der Bevölkerung eine generell skeptischere Haltung gegenüber modernen Technologien befördern könnten.

Forderung nach Bürokratieabbau

Ungeachtet der künftig steigenden Auslandsinvestitionen bleibt Deutschland für die meisten Industriebetriebe der wichtigste Standort, für viele sogar der einzige. Im Jahr 2010 investierten immerhin zwei Drittel der befragten Betriebe ausschließlich im Inland. Entsprechend wichtig sind weitere Verbesserungen der Rahmenbedingungen durch die Politik. Auf die offene Frage nach notwendigen Veränderungen nannten vier von zehn Unternehmen den Bürokratieabbau. Mehr Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt wünschten sich gut 25 Prozent der Befragten, während die Verbesserung der Energieversorgung mit 25 Prozent der Nennungen auf dem dritten Rang folgt. Von den Industrieunternehmen sehen hier sogar gut 33 Prozent Handlungsbedarf - ein weiterer Hinweis auf die Verunsicherung der Branche durch den beschlossenen Atomausstieg.

An der Studie "Investieren in Deutschland" beteiligten sich 1.434 Unternehmen aus den Branchen Industrie, Baugewerbe und industrienahen Dienstleistungen. Die Umfrageergebnisse wurden auf Basis des Unternehmensregisters umsatzgewichtet hochgerechnet.

Über PwC:

PwC bietet branchenspezifische Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Unternehmensberatung. Dort schaffen wir für unsere Mandanten den Mehrwert, den sie erwarten. Mehr als 161.000 Mitarbeiter in 154 Ländern entwickeln in unserem internationalen Netzwerk mit ihren Ideen, ihrer Erfahrung und ihrer Expertise neue Perspektiven und praxisnahe Lösungen. In Deutschland erzielt PwC an 28 Standorten mit 8.700 Mitarbeitern eine Gesamtleistung von rund 1,33 Milliarden Euro.

Pressekontakt:
Oliver Heieck
PwC
069 95851074
0160 98950922

Oliver Heieck | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.pwc.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie