Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kampf gegen Malaria geht in die nächste Runde

08.12.2008
Kanadische Forscher entdecken Biomarker zur besseren Diagnose

Der Kampf gegen die von Stechmücken übertragene Malaria geht in eine neue Runde. Ein Forscherteam um Conrad Liles vom McLaughlin-Rotman Centre for Global Health konnte zwei Biomarker identifizieren, die auf zwei besonders heimtückische Formen der Malaria hinweisen.

Eine davon, die sogenannte zerebrale Malaria, rafft jährlich hunderttausende Kinder dahin. Die andere greift die Plazenta bei Schwangeren an und wird daher als Plazenta-Malaria bezeichnet. "Die Studienergebnisse ebnen neue Wege in der Malaria-Bekämpfung", meint Liles im pressetext-Interview. Erstmals werde nicht die Erkrankung, sondern der Parasit selbst bekämpft, so der Forscher. Diese und andere neue Erkenntnisse werden beim jährlichen Treffen der American Society of Tropical Medicine and Hygiene diskutiert, das derzeit in New Orleans über die Bühne geht.

"Viele Frauen in Afrika südlich der Sahara entwickeln im Laufe ihres Lebens eine teilweise Immunität gegen Malaria bis zur ersten Schwangerschaft", erklärt Liles. Erythrozyten, die von Malariaerregern befallen sind, können sich bei Schwangeren nämlich in der Plazenta festsetzen. "Diese Plazenta-Malaria verursacht schwere Komplikationen und tötet jährlich zehntausende Mütter." Die parasitierten Erythrozyten können zudem auch zu einer schweren Anämie der Mutter führen. "Mindestens 200.000 Babys sterben aufgrund der Erkrankung, unzählige Neugeborene kommen mit zu geringem Geburtsgewicht auf die Welt." Das Forscherteam um Liles hat nun entdeckt, dass die Mütter, die unter dieser Form der Malaria leiden, einen speziellen Biomarker - das Protein C5a - in sich tragen. "Wenn C5a durch die Malaria-Infektion überaktiviert wird, reagiert es mit einer exzessiven Entzündungsantwort und unterbricht das normale Blutgefäßwachstum in der Plazenta." Das führe einerseits zu einem höheren Risiko einer Frühgeburt oder zu verringertem Geburtsgewicht. "In ersten Untersuchungen in Kenia hat sich der Bluttest als sehr wirksam gezeigt", berichtet Liles.

In der Zwischenzeit hat das Team um Liles und Kevin Kain auch in Uganda an einer anderen gefährlichen Malaria-Form geforscht, die ebenfalls vom Erreger Plasmodium falciparum verursacht wird. "Wenn die von Plasmodien befallenen Erythrozyten in Blutgefäßen des Gehirns haften bleiben und diese verstopfen, kann es zur zerebralen Malaria kommen", so Liles. "Der Großteil der Opfer sind Kinder unter fünf Jahren oder Menschen, die nicht immun sind, sowie Reisende." Diese Form der Krankheit äußert sich mit Halluzinationen und Bewußtseinsstörungen bis hin zum Koma, dazu kommen Lähmungen und Krämpfe.

Das Forscherteam hat entdeckt, dass die Erkrankten abnormale Werte der Proteine ANG-1 und ANG-2 - die das Wachstum sowie die Neubildung von Blutgefäßen beeinflussen - aufweisen. Die beiden Angiopoietine sind auch für die Erhaltung der Gefäßstabilität unverzichtbar. "Hohe Werte von ANG-2 und sehr niedrige Werte von ANG-1 konnten mit dem Schweregrad der Erkrankung in Verbindung gebracht werden", erklärt Liles. Einerseits sieht der Wissenschaftler hier die Möglichkeit, die Erkrankung bereits im Frühstadium zu erkennen, andererseits biete das Wissen um die ANG-1- und ANG-2-Werte einen neuen Ansatzpunkt einer Therapie. "Substanzen, die ANG-2 blockieren oder ANG-1 verstärken, könnten einen therapeutischen Ansatz liefern", zeigt Liles sich überzeugt. Der Weg zu einem neuen Präparat sei zwar noch weit, aber die neuen Erkenntnisse seien sehr vielversprechend, so der Forscher abschließend gegenüber pressetext.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.mrcglobal.org
http://www.astmh.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie