Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Im Kampf gegen Bakterienresistenzen und zunehmende medizinische Kosten

15.09.2009
ProHOSP-Studie zeigt Nutzen von der Procalcitonin-Bestimmung bei tiefen Atemwegsinfekten.

Verkürzung der Antibiotikagabe um ein Drittel, geringere Antibiotikaverschreibungen und weniger Nebenwirkungen ohne negative Auswirkungen für die Patienten: Dies sind die Ergebnisse der multizentrischen, randomisierten ProHOSP-Studie zum Nutzen einer Procalcitonin (PCT)-Bestimmung bei Infektionen der tiefen Atemwege (LRTI, low respiratory tract infections).

Ziel der groß angelegten, einseitigen Äquivalenzuntersuchung war es, in diesem Patientenkollektiv einen systematischen Einsatz des Biomarkers aus dem Hause Brahms mit den bisherigen Standardleitlinien in der Notaufnahme zu vergleichen. Die Ergebnisse der Studie wurden gerade im JAMA (Journal of the American Medical Association) veröffentlicht und gelten als wegweisend für die zukünftige Antibiotikasteuerung.

Bei Infektionen der tiefen Atemwege können klinische Symptome und gängige Laborwerte oft nicht zuverlässig anzeigen, ob eine virale oder eine bakterielle Ursache vorliegt und die Behandlung mit Antibiotika ansprechen wird oder nicht. Dies hat zur Folge, dass 75 Prozent aller Patienten mit Infektionen der tiefen Atemwege trotz viralem Ursprung ihrer Erkrankung mit Antibiotika behandelt werden. Der unnötige Einsatz von Antibiotika gilt jedoch als ein wichtiger Faktor für die zunehmenden Bakterienresistenzen, die zu ansteigenden medizinischen Kosten und unerwünschten Nebenwirkungen beitragen.

Ein viel versprechender Ansatz zur Vermeidung unnötiger Antibiotikagaben ist die Bestimmung von PCT: Im normalen Stoffwechsel ist Procalcitonin ein Vorläufer des hormonell aktiven Calcitonins, das zusammen mit dem sogenannten Parathormon den Calcium- und Phosphathaushalt des Körpers reguliert. Bei gesunden Personen ist PCT nur in sehr geringen Konzentrationen nachweisbar, da es nur in der Schilddrüse gebildet und dort sofort in das reife Hormon umgewandelt wird. Bei bakteriellen Infektionen wird es jedoch von nahezu allen Zellsystemen gebildet und in die Blutzirkulation abgegeben, wo es sich in hohen Konzentrationen nachweisen lässt. Bei Virus- und Autoimmunerkrankungen oder allergischen Reaktionen steigt PCT hingegen wenig bis gar nicht an.

ProHOSP: PCT-Algorithmus erzielt bessere Ergebnisse als leitliniengerechte Behandlungsstrategie

Erste kleinere Untersuchungen konnten bereits zeigen, dass ein PCT-basierter Algorithmus den Antibiotikaeinsatz bei LRTIs reduzieren helfen kann. Dies bestätigen nun auch die aktuell vorstellten Ergebnisse einer großen, multizentrischen, randomisierten Studie aus der Schweiz, die untersuchte, inwiefern eine PCT-Überwachung von gleichem Nutzen ist wie eine auf internationalen, etablierten Leitlinien basierte Behandlung: An der in 6 Kliniken durchgeführten Untersuchung nahmen 1359 auswertbare Patienten mit überwiegend schweren Infektionen der tiefen Atemwege teil. Primärer Studienendpunkt war ein statistisches Konstrukt der gesamten negativen Auswirkungen für den Patienten innerhalb von 30 Tagen nach Betreten der Notaufnahme inkl. Tod, Einweisung auf die Intensivstation, dem Auftreten krankheitsspezifischer Komplikationen und einer wiederkehrenden Infektion: Dieses wurde mit 15,4 Prozent der Patienten des PCT-Arms zu einem geringeren Anteil erreicht als in der Kontrollgruppe (18,9 Prozent).

Zudem waren die Antibiotikaverschreibungsraten sowohl in der gesamten PCT-Gruppe um 12,2 Prozent als auch in allen LRTI-Subguppen des PCT-Arms signifikant niedriger. Ebenso fiel die Gesamtdauer der Antibiotikagabe mit dem PCT-Algorithmus um 34,8 Prozent geringer aus (5,7 vs. 8,7 Tage). Dies galt auch für die Subgruppen von Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie (CAP, 7,2 vs. 10,7 Tage, -32,4 Prozent), verschlimmerter chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD, 2,5 vs. 5,1 Tage, -50,4 Prozent) und akuter Bronchitis (1,0 vs. 2,8 Tage, -65,0 Prozent). Darüber hinaus ließ sich im PCT-Arm ein Rückgang der Antibiotika-assoziierten Nebenwirkungen um 8,2 Prozent beobachten (19,8 Prozent vs. 28,1 Prozent im Kontrollarm). Die Länge des Krankenhausaufenthalts war in beiden Studiengruppen ähnlich (9,4 Tage für PCT vs. 9,2 Tage im Kontrollarm).

Der PCT-Algorithmus

Die Bestimmung von PCT erfolgte im Rahmen der Studie innerhalb von 20 Minuten mit den Kryptor PCT von Brahms. Resultate waren jederzeit innerhalb von einer Stunde verfügbar. Anleitungen zum Algorithmus standen webbasiert zur Verfügung: Vom Start oder einer Fortführung der Antibiotika-Behandlung wurde dabei stark abgeraten bei PCT-Werten unter 0,25 µg/l bzw. stark empfohlen bei >0,5 µg/l.

Eine erneute Beurteilung bei nicht für eine Antibiotikabehandlung vorgesehenen Patienten erfolgte nach 6 bis 24 Stunden. Bei Erkrankten der PCT-Gruppe mit erhöhten Werten und antibiotischer Behandlung wurde nach 3, 5 und 7 Tagen unter Anwendung des Algorithmus PCT erneut bestimmt. Wenn die Patienten zu Beginn sehr stark erhöhte PCT-Werte von > 10 µg/l gehabt hatten, wurde die Beendigung der Antibiotikabehandlung bei einem nachweisbaren Rückgang von 80 Prozent empfohlen, bzw. stark empfohlen bei einem Rückgang von 90 Prozent gegenüber dem Ausgangswert. Bei ambulanten Patienten erfolgte die erneute Beurteilung lediglich bei einer Verschlechterung der Erkrankung.

Über Brahms

Die Brahms Aktiengesellschaft beschäftigt sich mit der Erforschung, Entwicklung, Herstellung und Vermarktung innovativer diagnostischer Biomarker. Sie ist eines der drei größten Biotech-Unternehmen in Deutschland. Das Unternehmen vertreibt seine Produkte in mehr als 65 Ländern über seine Tochterunternehmen und Vertriebsgesellschaften sowie über eigene Laborsysteme und weltweit operierende Lizenzpartner. Der Hauptsitz der Brahms Aktiengesellschaft befindet sich in Hennigsdorf bei Berlin, wo rund 220 der weltweit über 400 Mitarbeiter des Unternehmens beschäftigt sind.

Für Rückfragen und weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Brahms Aktiengesellschaft
Ingo Buchholzer
Public Relations Manager
Telefon +49 3302 883-637
Telefax +49 3302 883-635
E-Mail: i.buchholzer@brahms.de

Ingo Buchholzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.brahms.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie