Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Junge Nichtakademiker konsumieren öfters Hirnstimulanzien als Studenten

19.03.2014

Drei Prozent der jungen Männer in der Schweiz greifen mindestens einmal im Jahr auf hirnstimulierende Medikamente zurück. Studenten möchten damit vor allem ihre Leistungen bei Prüfungen verbessern, ihre nichtakademischen Altersgenossen vor allem länger wach bleiben. Zu diesen Ergebnissen gelangt eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie.

"Hirnstimulanzien", "Neuroenhancers" oder "smarte Pillen" – an Bezeichnungen fehlt es den chemischen Schlaumachern nicht. Sie sind eigentlich zur Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen, Alzheimer oder Parkinson vorgesehen, werden aber oft zu anderen Zwecken eingesetzt.

In den USA greift jeder zwanzigste Student mindestens einmal im Jahr auf Heilmittel wie etwa Ritalin oder Prozac zurück, obwohl er weder an einem Aufmerksamkeitsdefizit noch an einer Depression leidet. Wie sieht die Situation in der Schweiz aus?

Weniger als in den USA

Forschende um Gerhard Gmel vom Universitätsspital Lausanne (CHUV) haben für ihre Studie junge Männer, die zur Aushebung an die Armee-Rekrutierungszentren in Lausanne, Windisch und Mels aufgeboten worden waren, zur Häufigkeit und zu den Gründen ihres allfälligen Konsums von Hirnstimulanzien befragt.

In ihrer soeben veröffentlichten Auswertung (*) kommen die Wissenschaftler zum Schluss: In der Schweiz fällt der Konsum von chemischen Schlaumachern geringer aus als in den USA, nur 180 von 5967 Studienteilnehmern (drei Prozent) nahmen mindestens einmal im zurückliegenden Jahr hirnstimulierende Medikamente zu sich.

Prüfungen und Parties

Zwischen Studenten und Nichtakademikern gleichen Alters fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler grosse Unterschiede: Studenten konsumieren im Schnitt fünf Mal im Jahr verschiedene hirnstimulierende Substanzen.

Dabei geht es ihnen meist darum, ihre Leistungen etwa bei Prüfungen zu verbessern. Ihre nichtakademischen Altersgenossen nehmen im Schnitt fast wöchentlich oder ungefähr 40 Mal im Jahr vorwiegend Ritalin und andere Heilmittel zu sich, die gegen Aufmerksamkeitsstörungen verschrieben werden. Ihre Hauptmotivation ist, länger wach zu bleiben – etwa an Parties.

Neue Präventionsstrategien

Für Gmel und sein Team zeigen die neuen Zahlen, dass bei Untersuchungen zum Konsum von Hirnstimulanzien fortan der Fokus erweitert werden müsse. Bisher war die Aufmerksamkeit vor allem auf (US-amerikanische) Studenten gerichtet, doch zumindest in der Schweiz werden die chemischen Schlaumacher in intensiverem Masse von Nichtakademikern verwendet, für die es neue Präventionsstrategien zu entwerfen gelte.

(*) Stéphane Deline, Stéphanie Baggio, Joseph Studer, Alexandra N’Goran, Marc Dupuis, Yves Henchoz, Meichun Mohler-Kuo, Jean-Bernard Daeppen and Gerhard Gmel (2014). Use of Neuroenhancement Drugs: Prevalence, Frequency and Use Expectations in Switzerland. International Journal of Environmental Research and Public Health 11: 3032-3045
(Für Medienvertreter als PDF-Datei unter folgender E-Mail-Adresse beim SNF erhältlich: com@snf.ch)

Die Kohortenstudie C-Surf

Die in der Schweiz lebenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen konsumieren im europäischen Vergleich überdurchschnittlich häufig Suchtmittel. Die Kohortenstudie C-Surf (Cohort Study on Substance Use Risk Factors) forscht nach den Gründen und Präventionsmöglichkeiten. Finanziert vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF), untersucht C-Surf unter der Leitung des waadtländischen Universitätsspitals (CHUV) und des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich (ISPM) junge Männer während eines Zeitraums von mindestens zehn Jahren.
http://www.c-surf.ch

Kontakt
Dr. Gerhard Gmel
Alkoholbehandlungszentrum
Universitätsspital Lausanne (CHUV)
CH-1011 Lausanne
Tel.: +41 21 321 29 59
+41 21 314 73 52
E-Mail: Gerhard.Gmel@chuv.ch

Weitere Informationen:

http://www.snf.ch/de/fokusForschung/newsroom/Seiten/news-140319-mm-junge-nichtak...


Medien - Abteilung Kommunikation | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Künstlicher Intelligenz das Gehirn verstehen

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas über den Schaltplan des Gehirns bekannt.

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas...

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nebennierentumoren: Radioaktiv markierte Substanzen vermeiden unnötige Operationen

28.02.2017 | Veranstaltungen

350 Onlineforscher_innen treffen sich zur Fachkonferenz General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2017 | Veranstaltungen

23. VDMA-Arbeitsberatung „Engineering und Konstruktion“ am 2. März 2017 an der TH Wildau

28.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Atomfalle für die Wasserdatierung

28.02.2017 | Geowissenschaften

Zellen passen sich ultraschnell an die Schwerelosigkeit an

28.02.2017 | Medizin Gesundheit

Maus-Stammzellen auf Chip könnten Tierversuche ersetzen

28.02.2017 | Biowissenschaften Chemie