Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jünger aussehen ohne Facelifting

05.01.2011
Psychologen der Universität Jena zeigen systematische Veränderungen der Wahrnehmung von Gesichtern auf

Jünger aussehen ohne Facelifting? Psychologen der Universität Jena haben für diesen Wunsch einen einfachen Ratschlag parat: Wer jünger wirken möchte, der sollte sich mit Älteren umgeben. Schätzen wir doch einen 30-Jährigen deutlich jünger, wenn wir vorher konzentriert die Gesichter älterer Menschen betrachten.

„Menschen sind eigentlich sehr gut darin, das Alter ihres Gegenübers zu schätzen“, sagt Dr. Holger Wiese. Der Psychologe von der Universität Jena ist verantwortlich für eines der sechs Forschungsprojekte in der DFG-geförderten Forschergruppe „Wahrnehmung von Personen“, die von Prof. Dr. Stefan R. Schweinberger geleitet wird.

Im Experiment konnten die Jenaer Psychologen nachweisen, dass die Probanden nach vorangehender Adaptation – also dem intensiven Betrachten von Gesichtern einer bestimmten Altersgruppe – beim Schätzen des Alters anderer Personen regelmäßig danebenlagen. Wurden am Computer zunächst Gesichter alter Menschen gezeigt und war das Testgesicht danach ein „mittelalter“ Mensch, dann schätzten ihn die Probanden als deutlich jünger ein.

Im umgekehrten Fall lief es genauso: Nach dem Betrachten jüngerer Gesichter wurde das mittelalte Testgesicht deutlich älter geschätzt. „Diese Effekte treten unabhängig vom Alter und Geschlecht der Betrachter auf“, sagt Stefan Schweinberger. Auf der Seite der Gesichter allerdings – dies war ein zweiter Befund der Studie – sind die Nacheffekte auf die Alterswahrnehmung allerdings noch etwas ausgeprägter, wenn Adaptor- und Testgesichter Personen desselben Geschlechts zeigen. Mit anderen Worten: Die Wahrnehmung von Alter und Geschlecht in Gesichtern läuft nicht völlig unabhängig voneinander ab. Diese Ergebnisse mögen Laien vielleicht kaum verwundern, sie widerlegen aber verschiedene bisher im Feld vertretene Expertenmeinungen.

Die Jenaer Forscher nutzten für ihre Experimente modernste Verfahren der digitalen Bildbearbeitung und eine Datenbank mit Gesichtern, die völlig ungeschminkt und bei denen störende Elemente wegretuschiert worden waren. Als Probanden dienten zunächst Studenten, in einer zweiten noch unpublizierten Studie wurden Menschen im Seniorenalter um ihre Schätzungen gebeten.

Das Ergebnis ihrer Erkenntnisse fasst Prof. Schweinberger zusammen: „Wir können die subjektive Wahrnehmung eines Gesichts verändern.“ Allerdings wisse noch niemand, wie lange dieser Effekt anhält. Holger Wiese sagt, das Alter eines Gegenübers gehöre zu den wichtigen Merkmalen für unsere Personenwahrnehmung. In dieser Hinsicht ergeben sich spannende Überschneidungen zu den Forschungsfeldern anderer Wissenschaftler, die sich mit den Interaktionen sozialer Gruppen befassen.

Den „Playboy“-Gründer Hugh Hefner dürften die Erkenntnisse der Jenaer Forscher überraschen. Umgibt sich der Lebemann doch bevorzugt mit jungen Frauen, nicht ahnend, dass die ihn noch viel älter aussehen lassen. Anstatt deshalb selbst die Dienste der Schönheitschirurgie in Anspruch zu nehmen, sollte Hefner sich also vielleicht lieber mit älteren Herren umgeben.

Ihre Forschungsergebnisse haben die Jenaer Psychologen aktuell in der Fachzeitschrift „Vision Research“ publiziert: Stefan R. Schweinberger, Romi Zäske, Christian Walther, Jessika Golle, Gyula Kovács, Holger Wiese: „Young without plastic surgery: Perceptual adaptation to the age of female and male faces.“ Zu finden ist die Original-Publikation unter: www.elsevier.com/locate/visres.

Kontakt:
Prof. Dr. Stefan R. Schweinberger / Dr. Holger Wiese
Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3, Haus 1
07743 Jena
Tel.: 03641 / 945181 oder 945185
E-Mail: Stefan.Schweinberger[at]uni-jena.de / Holger.Wiese[at]uni-jena.de

Stephan Laudien | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de
http://www.elsevier.com/locate/visres

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein Quantenlineal für Biomoleküle

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Prostatakrebs: Bluttest sagt Tumorresistenz vorher

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

IVAM-Marketingpreis würdigt zum zehnten Mal überzeugendes Technologiemarketing

22.08.2017 | Förderungen Preise