Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Je mehr Fortpflanzungspartner, desto mehr Nachkommen

29.11.2013
Studie der Universität Bielefeld und TU Brauschweig zum Einfluss von Polyandrie auf die Fitness bei Feuersalamandern
Forschern der Universität Bielefeld und der Technischen Universität Braunschweig ist es gelungen, den Vorteil von Mehrfachvaterschaften erstmalig für ein Wirbeltier unter komplett natürlichen Bedingungen nachzuweisen. Dr. Barbara Caspers (Universität Bielefeld) und Dr. Sebastian Steinfartz (Technische Universität Braunschweig) konnten mit ihrem Team zeigen, dass sich Feuersalamander-Weibchen in der Natur mit mehreren Männchen paaren (so genannte Polyandrie) und aus diesem Verhalten Fitness-relevante Vorteile ziehen können indem sie die Anzahl ihrer Nachkommen erhöhen. Die Ergebnisse der Studie erscheinen am heutigen Freitag (29. November) in der Early View Ausgabe von Molecular Ecology im Internet (http://onlinelibrary.wiley.com

Ein Forscherteam der Universität Bielefeld und TU Braunschweig haben Weibchen des einheimischen schwarz-gelben Feuersalamanders untersucht.
Foto: Universität Bielefeld


Weibchen des Feuersalamanders paaren sich gezielt mit verschiedenen Männchen (Foto: Männchen unten, Weibchen oben) und können so die Anzahl ihrer Nachkommen steigern.
Foto: Axel Drechsler

/doi/10.1111/mec.12577/full).

Lange Zeit ging man davon aus, dass Weibchen im Tierreich monogam sind, sich also nur mit einem Männchen paaren. Männchen, dagegen können ihren Fortpflanzungserfolg steigern, indem sie sich mit mehreren Weibchen paaren. Heutzutage wird Polyandrie im Tierreich als Regel angenommen und Monogamie eher als die Ausnahme.

Die Frage, warum sich Weibchen mit mehreren Männchen paaren und welche Vorteile die Weibchen oder die Nachkommen davon haben, beschäftigt heutzutage Forscher ganz verschiedener Disziplinen. Besonders interessant sind dabei Studien, die Einblicke und Schlussfolgerungen dieser Vorgänge unter gänzlich natürlichen Bedingungen erlauben. Solche Studien sind in der Regel schwer durchführbar, ohne die Individuen zu stören beziehungsweise diese ganz oder teilweise im Labor hin auf ihr Paarungsverhalten zu untersuchen.

Forscher am Lehrstuhl für Verhaltensforschung der Universität Bielefeld um Dr. Barbara Caspers, Dr. Sebastian Steinfartz (Arbeitsgruppe Molekulare Ökologie der TU Braunschweig) und Professor Michael Kopp von der Aix-Marseille Universität haben Weibchen des einheimischen schwarz-gelben Feuersalamanders (Salamandra salamandra) auf den Einfluss des Paarungsverhalten auf die Anzahl der Nachkommen untersucht. Während des Frühjahrs kann ein Feuersalamanderweibchen bis zu 50 lebende Larven in kleine Bäche und Tümpel absetzen. Für ihre Studie passten die Wissenschaftler Feuersalamanderweibchen auf ihrem Weg zum Absetzen der Larven im Wald ab und brachten die trächtigen Weibchen umgehend ins Labor, wo diese dann die Larven absetzten. Jeden Tag sammelten die Wissenschaftler die neu geborenen Larven ein, entnahmen eine kleine Gewebeprobe und setzten dann die Mutter und deren Larven wieder in die Freiheit aus. Mithilfe der gesammelten Gewebeproben konnten die Forscherinnen und Forscher mittels genetischer Vaterschaftsanalysen genau rekonstruieren mit wie vielen Männchen sich ein jeweiliges Weibchen verpaart hatte und ob sich die Spermien der verschiedenen Männchen während der Spermienspeicherung - Weibchen des Feuersalamanders können nämlich Spermien von verschiedenen Männchen über mehrere Monate in Samentaschen aufbewahren - gemischt hatten oder nicht. Erst wenn die Bedingungen gut sind, werden die Eier des Weibchen befruchtet und später die voll entwickelten Larven abgesetzt.

Wichtig ist hierbei, dass die Spermien von den Männchen als Paket während des Paarungsspiels auf dem Boden abgesetzt werden und das Weibchen dann aktiv dieses Spermienpaket aufnimmt. Die Weibchen können demnach entscheiden, von welchem Männchen sie Spermien aufnehmen oder es nicht tun. Aufgrund der Vaterschaftsanalysen konnten die Forscher zeigen, dass sich ein Weibchen in manchen Fällen mit bis zu vier verschiedenen Männchen gepaart hatte. Das Durchmischen der Spermien verschiedener Männchen in der Samentasche des Weibchens scheint positive Effekte zu haben, und führt dazu, dass mehr Eier befruchtet werden und folglich auch mehr Larven abgesetzt werden. Weibchen, die sich mit mehr Männchen gepaart hatten, zeigten einen höheren reproduktiven Erfolg, was sich in einer höheren Anzahl von abgesetzten Larven widerspiegelte.

Kontakt:
Dr. Barbara Caspers, Universität Bielefeld
Fakultät für Biologie
Telefon: 0521-106-2825
E-Mail: barbara.caspers@uni-bielefeld.de
Dr. Sebastian Steinfartz, Technische Universität Braunschweig
Zoologisches Institut
Department Evolutionsbiologie
Telefon: 0531 391 2393
E-Mail: s.steinfartz@tu-bs.de

Ingo Lohuis | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bielefeld.de/biologie/vhf/SF/b_caspers.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise