Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jährlich 65 Milliarden Franken für das Bauwerk Schweiz

01.02.2011
Kosten für die Erhaltung von Infrastruktur und Wohnbauten

Auf knapp 2400 Milliarden Franken beläuft sich der heutige Wiederbeschaffungswert der Infrastrukturen und der Wohnbauten der Schweiz. Unter Berücksichtigung der geplanten und absehbaren Erweiterungen erfordert das Bauwerk Schweiz in den kommenden zwei Jahrzehnten jährliche Investitionen von 65 Milliarden Franken oder 12 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

Sofern am heutigen Ausbau und den geplanten Erweiterungen festgehalten wird, bestehen vor allem bei der Strassen- und Schieneninfrastruktur klare Lücken bei der Erneuerungsfinanzierung, zeigt eine Fokusstudie des Nationalen Forschungsprogramms «Nachhaltige Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung» (NFP 54) erstmals in einer Gesamtschau.

Im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung sind bei Bauinvestitionen nicht nur Planungs- und Erstellungskosten, sondern auch die jährlich anfallenden Betriebs- und Instandhaltungskosten sowie die unregelmässig auftretenden Instandsetzungskosten in Rechnung zu ziehen. Mit der Fokusstudie «Was kostet das Bauwerk Schweiz in Zukunft – und wer bezahlt dafür?» legt das NFP 54 erstmals eine Gesamtübersicht über den Erneuerungsbedarf von Infrastrukturen und Wohnbauten in der Schweiz vor und unterzieht die aktuellen Finanzierungsmechanismen für die Erhaltung und die Erweiterung der Infrastrukturanlagen und des Wohnungsbaus einer kritischen Bewertung.

19 Milliarden Franken pro Jahr für die technische Infrastruktur
Der Wiederbeschaffungswert (Preisstand 2008) der technischen Infrastruktur der Schweiz (Ver- und Entsorgung, Verkehr, Kommunikation und Schutzbauten) beträgt rund 830 Milliarden Franken. Dies entspricht dem eineinhalbfachen des jährlichen Bruttoinlandprodukts (BIP) oder 108‘000 Franken je Einwohner. Für die Erhaltung der technischen Infrastruktur sind jährlich rund 19 Milliarden Franken (3,5% des BIP; 2500 CHF/Einwohner) aufzuwenden.

Der Wert der reinen Wohnbauten beläuft sich auf 1550 Milliarden Franken (290% des BIP; 200‘000 CHF/Einwohner). Für die Erhaltung der Wohnbauten beträgt der jährliche Aufwand aktuell rund 10,5 Milliarden Franken (1,9% des BIP; 1350 CHF/Einwohner). Er wird bis 2030 auf knapp 15 Milliarden Franken ansteigen. Hinzu kommen im Wohnungsbau wertvermehrende Investitionen von knapp 8 Milliarden Franken pro Jahr (1,4% des BIP; 1000 CHF/Einwohner), wovon 5,4 Milliarden auf energetische Sanierungen der Gebäudehüllen und Heizanlagen entfallen.

Zu den bestehenden Infrastruktur- und Wohnbauten werden in den kommenden zwei Jahrzehnten neue hinzukommen. So sind in diesem Zeitraum Erweiterungen der technischen Infrastruktur von jährlich rund 12,5 Milliarden Franken (2,3% des BIP; 1600 CHF/Einwohner) bereits geplant oder absehbar. Aufgrund der demografischen Entwicklung besteht ein jährlicher Bedarf an 26‘000 Neuwohnungen mit einer Bausumme von rund 13 Milliarden Franken pro Jahr (2,4% des BIP; 1700 CHF/Einwohner).

Finanzierungslücken im Verkehrsbereich
Je nach Bereich ist die Finanzierung der Erhaltung bzw. der Erweiterung in unterschiedlichem Masse gesichert. Bei der Stromversorgung oder bei der Siedlungsentwässerung bestehen zweckmässige Finanzierungsmechanismen, die mittels verursachergerechten Gebühren eine nachhaltige Finanzierung ermöglichen. Dies ist vor allem im Verkehrsbereich nicht der Fall; hier stammen die Mittel mehrheitlich aus zweckgebundenen Fonds und allgemeinen Steuermitteln. Sofern am heutigen Ausbau und den geplanten Erweiterungen festgehalten wird, bestehen bei der Strassen- und der Schieneninfrastruktur Lücken bei der Erneuerungsfinanzierung. Hier sind kurz- bis mittelfristig zusätzliche Finanzierungsquellen zu suchen.
Kein Sanierungsstau bei Wohnbauten
Beim Mietwohnungsbau werden die Erneuerungsinvestitionen in erster Linie vom Markt bestimmt. Wenn der Markt werterhaltende oder wertvermehrende Investitionen verlangt, werden solche auch getätigt. In diesem Fall ist die Finanzierung in der Regel gesichert. Anders liegen die Dinge beim Wohneigentum, wo primär die Bewohnerinnen und Bewohner über den Umfang und den Zeitpunkt von Erneuerungsmassnahmen entscheiden. Massgebend sind dabei weniger die technische Notwendigkeit oder die Wirtschaftlichkeit als die Liquidität, der persönliche Lebensstil oder individuelle Komfortansprüche. Insgesamt besteht beim Wohnbau kein Sanierungsstau.
Gesamtheitliche Sicht gefordert
Anreize für die Wohnbauerneuerung setzen unter anderem auch gesetzliche Vorschriften im Energiebereich und staatliche Förderprogramme. Um die Wirkung dieser Massnahmen zu steigern, wäre jedoch vermehrt auch ein ganzheitlicher Ansatz zu verfolgen, der anstelle der bisherigen Ausrichtung auf einzelne Bau- und Anlageteile, die Gesamtsanierung ganzer Gebäude anvisiert. Im Sinne einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung drängt sich eine Betrachtung auf, die ganze Siedlungen oder gar Quartiere einbezieht.
Grenzen der volkswirtschaftlichen Tragbarkeit
Obwohl die bestehenden Finanzierungsmechanismen mehrheitlich als zweckmässig und nachhaltig zu beurteilen sind, bleibt die Frage nach der Tragbarkeit der enormen finanziellen Aufwendungen für das Bauwerk Schweiz. Die öffentliche Hand ist mit anderen, mindestens ebenso wichtigen Finanzierungsproblemen konfrontiert, während bei den privaten Haushalten die Kosten bezüglich Infrastruktur (Verkehr, Kommunikation, Strom usw.) und Wohnen in zunehmender Konkurrenz zu Herausforderungen wie Altersvorsorge, Krankenversicherung, Freizeit, Arbeitslosigkeit usw. stehen. In diesem Spannungsfeld entscheiden die volkswirtschaftliche Tragbarkeit und die individuelle Zahlungsbereitschaft letztlich über die Finanzierbarkeit.

(*) Hans-Rudolf Schalcher, Hans-Jakob Boesch, Kathrin Bertschy, Heini Sommer, Dominik Matter, Johanna Gerum und Martin Jakob: «Was kostet das Bauwerk Schweiz in Zukunft – und wer bezahlt dafür?», Fokusstudie des NFP 54, ISBN 978-3-7281-3397-7 (open access ISBN 978-3-7281-3398-4), vdf Zürich, 2011

Kontakt:
Prof. em. Dr. Hans-Rudolf Schalcher
Mitglied der Leitungsgruppe des NFP 54
Departement Bau, Umwelt und Geomatik
ETH Zürich
8093 Zürich
Tel.: +41 (0)79 354 85 57
E-Mail: schalcher@ibi.baug.ethz.ch
Urs Steiger
Umsetzungsbeauftragter des NFP 54
Pilatusstrasse 30
6003 Luzern
Tel: +41 (0)79 667 62 53
E-Mail: u.steiger@bluewin.ch

Presse- und Informationsdienst SNF | SNF
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE