Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

IPP-Studie: Pflegepersonal altert – gesundheitsfördernde Schulungen werden wichtiger

18.09.2013
Wissenschaftler der Universität Bremen haben 600 Fachkräfte der Stiftung katholische Altenhilfe des Bistums Hildesheim und des Caritasverbandes untersucht und Bedarfsanalyse erstellt

Deutschland hat nicht nur in der Pflege einen Fachkräftemangel. Problematisch ist auch die alternde Belegschaft in den Einrichtungen. Im Jahr 2009 war ein Viertel des Pflegepersonals bereits älter als 50 Jahre.

Aufgrund des Geburtenrückgangs und rückläufiger Bewerberzahlen geht der Anteil der unter 35-Jährigen immer weiter zurück. Dabei führen immer höhere Ansprüche an den Pflegeberuf, belastende Arbeitsbedingungen und Fachkräftemangel zu enormen Anforderungen an die Mitarbeiter in der Pflege. Besonders den älteren Fachkräften macht dieser Druck gesundheitlich zu schaffen.

Sie sind es, die im Vergleich zu den jüngeren Beschäftigten deutlich mehr von Schulungsangebotenen zur Förderung der Gesundheit profitieren. Das belegt eine aktuelle Studie des Instituts für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen. Sie wurde im Rahmen des Programms „rückenwind – Für die Beschäftigten in der Sozialwirtschaft“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds mit rund 280.000 Euro gefördert.

Im Rahmen der Studie haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Arbeitsbedingungen von rund 600 Fachkräften der Stiftung katholische Altenhilfe des Bistums Hildesheim und des Caritasverbandes untersucht. Von Oktober 2010 bis September 2013 erstellten sie eine mitarbeiterbezogene Bedarfsanalyse. Auf dieser Basis erfolgte die Entwicklung und Umsetzung von Schulungskonzepten zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Im Mittelpunkt standen Schulungen zum Umgang mit berufsbedingtem Stress, Konflikten und zur Rückengesundheit.

Zentrale Ergebnisse der Studie:

Die Studie ergibt, dass insbesondere ältere Mitarbeiter von der Teilnahme an den Schulungsangeboten profitieren: Fast ein Drittel der über 51-Jährigen (28 Prozent) berichtet von einer Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes. In der Altersgruppe der 18- bis 44-Jährigen sind es dagegen nur 13 Prozent.

Auch in Bezug auf den Umgang mit psychischen und körperlichen Belastungen benennen vor allem ältere Beschäftigte ab 51 Jahre positive Effekte durch die Teilnahme an den Schulungen: So haben 38 Prozent der über 51-Jährigen weniger psychische und 19 Prozent geringere körperliche Belastungen. Anders dagegen bei den 45- bis 51-Jährigen: Hier empfinden nur 15 Prozent eine psychische Belastungsreduzierung. Eine Verringerung von körperlichen Belastungen wird nicht wahrgenommen. Auch bei der jüngsten Altersgruppe, den 18- bis 44-Jährigen, fallen die positiven Effekte durch die Schulungsmaßnahmen geringer im Vergleich zu den über 51-Jährigen aus: Hier sehen 23 Prozent eine Reduzierung der psychischen und 5 Prozent eine Verringerung der körperlichen Belastungen durch die Teilnahme an den angebotenen Schulungen.

Schulungen zur Verbesserung von Kreuz- und Rückenschmerzen sind besonders effektiv

„Insgesamt scheinen Schulungen zur Verbesserung von Kreuz- und Rückenschmerzen den höchsten positiven Effekt zu erzielen, da hier in allen Altersgruppen von einer Verbesserung berichtet wird“, sagt der Leiter der Studie, Professor Stefan Görres. Nach Berufsgruppen differenziert wird deutlich, dass die Mitarbeiter der Leitungsebene den größten langfristigen Nutzen aus den Schulungsmaßnahmen ziehen: So hat sich das Wissen über Arbeitsbelastungen sowie über den Umgang mit Konflikten im Team bei 60 Prozent der Leitungskräfte verbessert. Bei etwa 50 Prozent hat sich die Fähigkeit, Belastungsgrenzen zu erkennen und Stress besser managen zu können, verbessert.

Versorgungseinrichtungen, Krankenkassen und öffentliche Entscheidungsträger sind jetzt gefordert

„Klar ist, dass die Gesunderhaltung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege angesichts des eklatanten Fachkräftemangelns sowie alternder Belegschaften einen hohen Stellenwert besitzt und eine lohnende Investition in die Personalentwicklung sein kann“, sagt die Projektkoordinatorin Dr. Martina Stöver vom IPP der Uni Bremen. Nun seien die Versorgungseinrichtungen, Krankenkassen und öffentlichen Entscheidungsträger gefordert, die belastenden Arbeitssituationen von Pflegenden zu identifizieren und mit entsprechenden präventiven und gesundheitsfördernden Maßnahmen zu reagieren. „Damit lässt sich auch die Attraktivität von Ausbildung und Beruf steigern“, so Stöver. Und dem Fachkräftemangel könne adäquat begegnet werden.

Der ausführliche Projektabschlussbericht steht als Download unter http://www.public-health.uni-bremen.de/pages/info/ippschriften.php zur Verfügung.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Fachbereich 11 Human- und Gesundheitswissenschaften
Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP)
Prof. Dr. Stefan Görres (Geschäftsführender Direktor)
Telefon: 0421 218-68900
E-Mail: sgoerres@uni-bremen.de
Dr. Martina Stöver
Telefon: 0421 218-68908
E-Mail: stoever@uni-bremen.de
www.public-health.uni-bremen.de

Meike Mossig | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bremen.de
http://www.public-health.uni-bremen.de/pages/info/ippschriften.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Massenverlust des Antarktischen Eisschilds hat sich beschleunigt
14.06.2018 | Technische Universität Dresden

nachricht Teure Flops: Nur 5% der Innovationsideen werden erfolgreich
12.06.2018 | Institut für angewandte Innovationsforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

Meteoriteneinschläge und Spektralfarben: HITS bei Explore Science 2018

11.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

EMAG auf der AMB: Hochproduktive Lösungen für die vernetzte Automotive-Produktion

15.06.2018 | Messenachrichten

AchemAsia 2019 in Shanghai

15.06.2018 | Messenachrichten

Dem Fettfinger zu Leibe rücken: Neuer Nanolack soll Antifingerprint-Oberflächen schaffen

15.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics