Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

iPod-Generation von Gehörverlust bedroht

13.10.2008
EU-Bericht: Rund 2,5 bis zehn Mio. Europäer betroffen

Nutzer, die mehr als eine Stunde pro Tag bei hoher Lautstärke Musik über ihren portablen MP3-Player hören, riskieren nach fünf Jahren einen permanenten Gehörverlust.

Dies trifft auf rund 2,5 bis zehn Mio. Menschen zu, das sind fünf bis zehn Prozent der insgesamt 50 bis 100 Mio. Europäer, die ein derartiges Gerät verwenden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks, die im Auftrag der EU durchgeführt worden ist.

Vor allem bei den jüngeren Nutzern, der sogenannten "MP3-Generation" sei mit schweren Beeinträchtigungen der Hörfähigkeit im späteren Leben zu rechen, warnen die Wissenschaftler in einem Bericht, der heute, Montag, der Öffentlichkeit präsentiert werden soll.

"Wer nur fünf Stunden pro Woche bei hoher Lautstärke auf seinem MP3-Player Musik hört, setzt sich selbst einer größeren Lärmbelastung aus als sie je in einer Fabrik am Arbeitsplatz entstehen könnte", stellen die EU-Forscher laut International Herald Tribune in ihrem Bericht fest.

Die maximale Lautstärke, die an vielen Geräten einstellbar sei, generiere in etwa sogar gleich viel Lärm wie ein Flugzeug, das in unmittelbarer Nähe startet. Insbesondere die jüngere Generation sei sich der potenziellen Gesundheitsrisiken einer solchen Belastung nur sehr selten bewusst. "Im Normalfall hat das Hören von Musik auf portablen Playern bei hoher Lautstärke in jungem Alter keine direkt bemerkbaren Auswirkungen auf das Hörvermögen der Betroffenen. Im späteren Leben ist ein Verlust des Gehörs in diesen Fällen aber sehr wahrscheinlich", heißt es in dem Bericht.

"Die Jugend hört übermäßig laut und viel Musik, auch auf portablen Playern. Das Auftauchen von Hörschäden ist in diesem Zusammenhang keine Seltenheit", erklärt Bernhard Kurz, Professor für Arbeitswissenschaften an der Hochschule München, gegenüber pressetext. Um die Jugend möglichst frühzeitig zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem eigenen Hörvermögen zu motivieren, habe man deshalb im April 2008 gemeinsam mit dem bayerischen Gesundheitsministerium das Projekt "earaction" gestartet.

"Ausgegangen ist dabei alles von Studenten. In einer meiner Vorlesungen haben wir festgestellt, dass jeder Dritte bereits an Hörschäden leidet", schildert Kurz. In Anbetracht der bereits verbreiteten Schädigungen müsse die Jugend dringend über diese Problematik aufgeklärt werden. "Unserer Auffassung nach ist es sinnvoller, die Betroffenen schon im Vorhinein zu warnen und nicht erst, wenn die Konsequenzen schön spürbar sind", betont Kurz.

Die EU habe die maximale Player-Lautstärke zwar auf 100 Dezibel beschränkt. "Irreparable Hörschäden können aber schon ab einem Lautstärkepegel von 85 Dezibel auftreten", warnt Kurz. In der Praxis sei dieser Wert etwa dann erreicht, wenn man sich während des Musikhörens über einen Meter Entfernung nur mehr mittels Schreien untereinander verständigen könnte. "Wenn man diesen Wert als Richtmaß annimmt, dürften die Jugendlichen lediglich rund 15 Minuten pro Tag Musik hören, ohne später mit Beeinträchtigungen rechnen zu müssen", rechnet Kurz vor. Jedes Erhöhen der Lautstärke um drei Dezibel erhöhe das Schädigungsrisiko um das Zehnfache.

"Bei portablen Playern ist das aufgrund der verwendeten Ohrstöpsel-Kopfhörer noch gefährlicher", merkt Kurz an. Einige Hersteller hätten zwar eine optionale Pegelbegrenzung in ihren Geräten eingebaut. "Die Firmen nehmen sich hier aber leicht aus der Verpflichtung, indem sie das Lautstärkelimit nur auf die mitgelieferten Kopfhörer beziehen. Stöpselt man aber andere Kopfhörer in seinen MP3-Player, können durchaus viel höhere Lautstärkepegel erreicht werden", so Kurz abschließend.

Markus Steiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://ec.europa.eu/health/ph_risk/committees
http://www.earaction.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie