Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationale Ausbildung im Vergleich

15.10.2009
„Berufsausbildung ist in Deutschland ein Innovationsmotor, in anderen Ländern aber nur Abstellgleis für lernschwache Schüler. In vielen Ländern ist das Ansehen der Berufsausbildung so gesunken, dass auch mittlere Qualifikationen über akademische Ausbildung bereitgestellt werden. Der Preis: Eine Überproduktion von Akademikern!“

Das zeigt ein internationaler Vergleich der Berufsbildungssysteme von zehn Ländern, dessen Ergebnisse jetzt vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen veröffentlicht wurden.

In dem von der Humboldt-Stiftung geförderten Projekt unter Leitung von IAQ-Direktor Prof. Dr. Gerhard Bosch und Prof. Jean Charest (University of Montreal) wurden die Berufsbildungssysteme in Australien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Korea, Marokko, Mexiko und den USA untersucht.

In den meisten dieser Länder – mit den Ausnahmen Deutschland und Dänemark – hat die klassische berufliche Bildung in den letzten Jahrzehnten erheblich an Bedeutung verloren. Sie wurde zum Teil an Schulen, Colleges und Universitäten verlagert: So kann man in den USA, Kanada und Australien den Bachelor als Koch, Winzer oder im Tourismus erwerben.

Bosch sieht dagegen „das Geheimnis der deutschen Wettbewerbsstärke in der praxisnahen Ausbildung der mittleren Qualifikationen und den Aufstiegsmöglichkeiten auf mittlere Führungspositionen. Facharbeiter und Meister kommunizieren mit Ingenieuren auf Augenhöhe!“ In einigen marktliberalen Ländern wird inzwischen versucht, die berufliche Bildung in neuer Form wieder aufzubauen (z.B. new apprenticeship in Großbritannien oder Australien).

Gleichzeitig gibt es aber eine nahezu unkontrollierte Expansion der akademischen Ausbildung: So hat Korea mit dem Ausbau der Hochschulbildung in nur einer Generation einen beispiellosen Aufstieg in die Rangliste der entwickelten Industrieländer geschafft – und zugleich einen Mangel an Facharbeitern und ein Übermaß an Akademikern zu beklagen.

Beste Chancen gesucht

Die Überbewertung der akademischen Ausbildung in vielen Ländern ist nicht nur durch den Wunsch von Jugendlichen und Eltern nach bestmöglichen Ein- und Aufstiegschancen auf dem Arbeitsmarkt zu erklären, zeigt die Studie. Die Hochschulausbildung ist längst auch internationales Geschäft und nur profitabel, wenn ausreichend Studierende ihre Zeit an den Universitäten verbringen. Bei der Ausgestaltung des neuen Europäischen Qualifikationsrahmens müsse deshalb die Einstufung nach Kompetenzen vorgenommen werden, so dass die Absolventen einer hochwertigen Aufstiegsfortbildung aus der Facharbeiterschaft ähnlich wie die Bachelors eingestuft werden. Bosch: „Es darf nicht sein, dass die Hochschulen die oberen Stufen des Qualifikationsrahmens für Akademiker reservieren!“

Als Schlussfolgerung für Deutschland rät Bosch, nicht nur auf Akademikerquoten zu schauen. Notwendig seien die weitere Modernisierung des Berufsbildungssystems und die Durchlässigkeit zur Hochschule. „Die hohe Reputation der Berufsausbildung im deutschen System muss erhalten bleiben!“

Weitere Informationen:
www.iaq.uni-due.de/aktuell/veroeff/2010/bosch03.shtml
Prof. Dr. Gerhard Bosch, Tel. 0203/379-1827, gerhard.bosch@uni-due.de
Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0170/8761608, presse-iaq@uni-due.de

Katrin Braun | Universitaet Duisburg-Essen
Weitere Informationen:
http://www.uni-due.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Massenverlust des Antarktischen Eisschilds hat sich beschleunigt
14.06.2018 | Technische Universität Dresden

nachricht Teure Flops: Nur 5% der Innovationsideen werden erfolgreich
12.06.2018 | Institut für angewandte Innovationsforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Im Fußballfieber: Rittal Cup verspricht Spannung und Spaß

18.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics