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Integration von Migranten: Vergleichsstudie zur rechtlichen Situation in Europa und Nordamerika

28.02.2011
Laut einer neuen Studie, die der British Council und die Migration Policy Group heute vorstellen, sind Migrantinnen und Migranten aus Ländern außerhalb der EU in Deutschland rechtlich etwas besser gestellt als vor drei Jahren. Dies betrifft rund 4,3 Millionen Menschen oder 65% der deutschen Gesamtbevölkerung mit Migrationshintergrund.

Ein klarer Weg zur Staatsbürgerschaft und zielgerichtete Angebote zur Integration in den Arbeitsmarkt tragen zu dieser Verbesserung bei. Mit Blick auf Bildungschancen und Möglichkeiten der Familienzusammenführung liegt Deutschland hingegen auf einem Mittelplatz, und in den meisten anderen Ländern ist es für Migrant(inn)en deutlich leichter, eine dauerhafte Aufenthaltsbewilligung zu erhalten.

Der Migrant Integration Policy Index (MIPEX: http://www.mipex.eu) kontrastiert und vergleicht den rechtlichen Rahmen für Integration in 31 Ländern Europas und Nordamerikas.

Die Studie vergleicht, ob Regierungen gleiche Rechte, Pflichten und Möglichkeiten für alle Einwohner gewährleisten und sich damit an internationale Standards halten, auf die sich die EU-Staaten geeinigt haben. Diese hohen Standards sind unverzichtbar, weil erfolgreiche Integration dazu beiträgt, eine Gesellschaft zu schaffen, die sich durch Wettbewerbsfähigkeit und Zusammenhalt auszeichnet.

Einige Hauptergebnisse der Studie:

• In Bezug auf die Mobilität des Arbeitsmarktes liegt Deutschland auf Platz 6. Hoch qualifizierte Migrant(inn)en sind trotzdem teilweise vom Öffentlichen Dienst ausgeschlossen oder können nicht von Stipendien profitieren.

• Migrant(inn)en mit dauerhafter Aufenthaltsbewilligung können sich relativ leicht einbürgern lassen: in der ersten Generation durch Berechtigung, in der zweiten Generation durch Geburt. Die doppelte Staatsbürgerschaft steht in Deutschland hingegen nur EU-Bürgern offen, so dass sich in naher Zukunft rund 320000 junge Menschen mit Migrationshintergrund für eine ihrer beiden Staatsbürgerschaften entscheiden müssen.

• Rund zehn Punkte unter dem MIPEX-Durchschnitt liegt Deutschland beim Thema dauerhafter Aufenthalt, denn die Bedingungen dafür sind genau streng wie die für den Erwerb der Staatsbürgerschaft.

• Mit seinen verschiedenen Schulzweigen und -arten stellt Deutschland Kinder mit Migrationshintergrund vor viele Herausforderungen. Trotzdem sind durch Integrationsindikatoren auf Bundesebene bereits Leistungs- und Beteiligungsziele für alle Kinder in allen Bundesländern festgelegt.

• Migrant(inn)en haben Möglichkeiten, sich auf kommunaler bzw. auf Länderebene politisch zu engagieren, nicht aber auf der Bundesebene oder bei Wahlen.

• Familien, die in Deutschland zusammenleben möchten, durchlaufen europatypische Verfahren mit Ausnahme neuer Sprachtests im Ausland.

"Mit der dritten Phase des MIPEX-Projektes möchten wir seriöse Informationen für Regierungen, zivilgesellschaftliche Einrichtungen und die Öffentlichkeit bereitstellen, anhand derer sich rechtliche Regelungen zur Integration von Migrantinnen und Migranten international und über einen bestimmten Zeitraum hinweg vergleichen lassen. Damit unterstützen wir einen substantiellen Diskurs über gute Praxisbeispiele und bessere rechtliche Regelungen in der Zukunft."

Rosemary Hilhorst OBE, Direktorin der Region “EU Europe”, British Council

Zum Migrant Integration Policy Index (MIPEX III)

• MIPEX vergleicht und listet anhand von 148 Politikindikatoren Punktwerte für Länder auf. Die Studie stellt sowohl in schriftlicher Form als auch als interaktive Website objektive und vergleichbare Daten bereit, die Entscheidungsträgern, zivilgesellschaftlichen Akteuren und Forschern helfen, Rahmenbedingungen für Integration zu untersuchen, zu vergleichen und zu verbessern.

• Beteiligte Länder: alle 27 EU-Mitgliedsstaaten, Norwegen, Schweiz, Kanada und USA.

• Der MIPEX ist kofinanziert durch den Europäischen Fonds für die Integration von Drittstaatsangehörigen. Der British Council hat das Projektmanagement gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Hauptpartner, der Migration Policy Group, inne. Auf nationaler Ebene haben rund 40 Partnerorganisationen zu der Studie beigetragen.

• Die erste und zweite Ausgabe des MIPEX erschienen 2004 bzw. 2007 und wurden von Regierungen, den Medien und zivilgesellschaftlichen Organisationen genutzt, vgl. http://www.mipex.eu.

• Neu am MIPEX III sind drei weitere untersuchte Länder (Bulgarien, Rumänien und die USA), ein Politikbereich (Bildung) sowie neue Indikatoren (Integration in den Arbeitsmarkt und Umsetzung von gesetzlichen Regelungen).

• Beim MIPEX III handelt es sich nicht um eine Migrationsstudie, sondern eine Studie zur Integration rechtlich anerkannter Migrant(inn)en. Die Studie beschäftigt sich nicht mit Zu- oder Abwanderungsbewegungen von Migrant(inn)en, sondern betrachtet vorbildliche Praxisbeispiele.

• Die Veranwortung für alle Gedanken und Meinungen liegt bei den Autoren der Studie. Weder der British Council noch die Europäische Kommission sind für diese Gedanken und Meinungen oder für jegliche Verwendung derselben verantwortlich.

• Alle Forschungspartner sind akademische Experten für die Integrationsregelungen ihrer Länder, unabhängig von den jeweiligen Regierungen und erfahren in vergleichenden Studien. Sämtliche Daten sind anonym von Kollegen begutachtet und auf ihre Qualität und Konsistenz hin geprüft worden.

• Die Studie definiert Immigranten in Europa hauptsächlich als rechtlich anerkannte Bewohner der 27 EU-Staaten, die aus Ländern außerhalb der EU stammen.

Zum British Council

• Der British Council ist Großbritanniens internationale Organisation für Bildungsmöglichkeiten und Kulturbeziehungen. Wir arbeiten in über 100 Ländern, um über den Austausch von Wissen und Ideen zwischen Menschen weltweit Engagement und Vertrauen für Großbritannien aufzubauen. Unsere Arbeitsbereiche sind Kunst und Kultur, Englische Sprache, Bildung und Gesellschaft, worunter auch Wissenschaft und Sport fallen. Im vergangenen Jahr sorgten wir für Begegnungen zwischen 18,4 Millionen Menschen und erreichten 652 Millionen Menschen insgesamt. Wir sind eine nicht-politische und von der britischen Regierung unabhängige Organisation. Unser Umsatz im Finanzjahr 2009/10 betrug 705 Millionen Pfund, darunter ein Zuschuss der britischen Regierung von 211 Millionen Pfund. Pro Pfund aus dem Regierungszuschuss erzielen wir 2.50 Pfund aus anderen Quellen. Weitere Informationen: http://www.britishcouncil.org.

Zur Migration Policy Group

• Die Migration Policy Group ist ein unabhängiger europäischer Think-Tank, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, zu einem nachhaltigen und positiven Wandel beizutragen, der sch in offenen und inklusiven Gesellschaften manifestiert (http://www.migpolgroup.org).

Detlef Thelen | idw
Weitere Informationen:
http://www.mipex.eu
http://www.britishcouncil.org
http://www.migpolgroup.org

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