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Institut für Mittelstandsforschung: Frauen in der Arbeitswelt weiter benachteiligt

03.03.2011
Das Institut für Mittelstandsforschung (ifm Universität Mannheim) stellt den Stadt- und Landkreisen jährlich geschlechterdifferenzierende regionale Arbeitsmarktdaten bereit. Die aktuellen Zahlen belegen auch neuerlich, dass Frauen in allen Regionen des Landes und auf allen Ebenen des Arbeitsmarktes folgenschwere Nachteile erfahren.

Geschlechterungleichheiten am Arbeitsmarkt ergeben sich vor allem aus Einkommensunterschieden, unterschiedlichen Positionierungen im Berufsleben und durch die Probleme der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben.

Je nach Wohnort sind Frauen in Baden-Württemberg von diesen Ungleichheiten unterschiedlich betroffen. Gleichstellungsmaßnahmen können die Kommunen und regionalen Arbeitsmarktakteure jedoch nur dann sinnvoll in Gang setzen, wenn sie die Disparitäten und Schwächen kennen. Aus diesem Grund stellt das Institut für Mittelstandsforschung (ifm Universität Mannheim) den Stadt- und Landkreisen jährlich geschlechterdifferenzierende regionale Arbeitsmarktdaten im Internet (http://esf.uni-mannheim.de) bereit. Sie belegen auch neuerlich, dass Frauen in allen Regionen des Landes und auf allen Ebenen des Arbeitsmarktes folgenschwere Nachteile erfahren.

So ist die Situation von Frauen kurz zusammengefasst mit „schlecht bezahlt, wenig Aufstiegschancen, unzureichende Krippen- und Ganztagesbetreuung“ zu beschreiben. Dies zeigen verschiedene Analysen des Instituts für Mittelstandsforschung (ifm), Universität Mannheim zur Gleichstellung der Geschlechter an den regionalen Arbeitsmärkten des Landes. Das Projekt „Geschlechterdifferenzierende Arbeitsmarktanalysen im Europäischen Sozialfonds in Baden-Württemberg“ wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds von der Europäischen Union und vom Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren Baden-Württemberg gefördert.

Im Projekt werden seit dem Jahr 2005 die regionalen Arbeitsmärkte Baden-Württembergs im Hinblick auf Gleichstellung der Geschlechter untersucht. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen zum Übergang Schule und Beruf, zur Teilhabe von Frauen und Männern am Erwerbsleben, zur horizontalen und vertikalen Segregation (z.B. Ungleichheit im Beruf, in Führungspositionen oder im Verdienst) und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Als Fazit ist – neben vielen anderen Befunden – festzuhalten, dass auch in Baden-Württemberg die Beschäftigungschancen von Frauen noch immer deutlich geringer als die von Männern sind, d.h. die Erwerbsbeteiligung nach wie vor eine große Lücke zeigt: So sind im Jahr 2009 von allen Frauen zwischen 15 und 64 Jahren lediglich rund 72% erwerbstätig, unter den Männern jedoch 83%. Zwar nimmt die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu, dies ist jedoch vor allem ein Effekt zunehmender Teilzeitbeschäftigung und geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse, was sich auch im unterschiedlichen Arbeitsvolumen von Frauen und Männern niederschlägt. Obwohl die Zahl erwerbstätiger Frauen in Baden-Württemberg seit 1990 gestiegen ist, hat sich ihre wöchentliche Arbeitszeit durchschnittlich um fast 4 Stunden verringert.

Mehr als zwei Drittel (69%) aller sog. „geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse“ entfallen auf Frauen, wobei es sich dann nicht um Mehrfachtätigkeiten, sondern um den einzig verfügbaren Job im Erwerbsleben von Frauen handelt. Mit den „Minijobs“ werden keine existenzsichernden Einkommen erzielt und darüber hinaus auch keine Rentenansprüche erworben. Insbesondere unter den geringfügig Beschäftigten im mittleren Alter (zwischen 35 und 54 Jahren) sind Frauen mit einem Anteil von 85% stark überrepräsentiert. In absoluten Zahlen ausgedrückt sind dies in Baden-Württemberg (Jahr 2009) rund 212.000 Frauen und nicht ganz 37.000 Männer mittleren Alters.

Die geschlechtstypische Berufsorientierung hat sich kaum verändert, was sich bereits beim Berufswunsch von SchulabgängerInnen zeigt. Das Berufsspektrum von Mädchen ist äußerst begrenzt: So entfallen in Baden-Württemberg rund 86% aller weiblichen Bewerberinnen, die sich um eine betriebliche Ausbildung bemühen, auf lediglich 10 Berufsgruppen. Hierunter sind vor allem „Frauenberufe“, die weitaus weniger Karrierechancen bieten, weshalb sich auch die Geschlechterhierarchie am baden-württembergischen Arbeitsmarkt kaum verändert hat. Frauen sind in gehobenen Positionen immer noch stark unterrepräsentiert.

Als Folge der ungleichen Berufsorientierung von Frauen und Männern zeigen sich auch in Baden-Württemberg geringere Einkommenschancen von Frauen. Während bei Männern für höhere Einkommen die berufliche Bildung hauptsächlich verantwortlich ist, spielt diese bei Frauen eine geringere Rolle. Das Einkommensniveau von Frauen wird maßgeblich davon beeinflusst, ob sie in großen oder kleinen Betrieben arbeiten. Je größer der Betrieb umso höher das Einkommen. Diesen Effekt gibt es auch bei Männern, jedoch ist er bei ihnen, im Vergleich zum Einfluss der beruflichen Bildung, wesentlich schwächer ausgeprägt. Zudem tragen die niedrigeren Einkommen von Frauen zu einem erhöhten Risiko der Altersarmut von Frauen bei.

In Bezug auf das Gründungsgeschehen stehen Frauen in Baden-Württemberg nicht nur quantitativ (siehe Grafik) sondern auch qualitativ zurück: Die Betriebsgründungen von Frauen sind zum einen kleiner und zum anderen von geringerer wirtschaftlicher Substanz. Lediglich rund 31% aller Gründungen in Baden-Württemberg werden von Frauen vorgenommen. Nur in etwa jede siebte Frau eröffnet ein Gewerbe mit wirtschaftlicher Substanz, d.h. zum Beispiel mit wenigstens einem/r Beschäftigte/n (bei den Männern: fast jede dritte Gründung).

Auch bei der Erreichbarkeit passender Arbeitsplätze sind Frauen benachteiligt. Frauen übernehmen immer noch einen Großteil der häuslichen Arbeit, weshalb ihnen weniger Zeit für den Weg zur Arbeit bleibt. Dies zeigt sich in den wesentlich geringeren Pendeldistanzen der Frauen. Aus diesem Grund ist bei Frauen die Passung zwischen Qualifikation und ausgeübtem Beruf schlechter, was ebenfalls die Entgeltungleichheit verstärkt. Hinzu kommen regionale Unterschiede in der Betreuungsinfrastruktur, die allerdings keinem eindeutigen Stadt-Land-Muster folgen. So liegen in Baden-Württemberg neben den Stadtkreisen Heidelberg, Freiburg, Stuttgart und Karlsruhe in den Landkreisen Tübingen, Konstanz, Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen, Ortenaukreis, Rhein-Neckar-Kreis und Bodenseekreis Betreuungsquoten für unter Dreijährige von über 20% vor (Durchschnitt Baden-Württemberg 2010: 18%). Das zeigt, dass der Ausbau der Krippenbetreuung in den letzten Jahren sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene angegangen wurde und auch in Baden-Württemberg erste Fortschritte sichtbar sind. Jedoch liegt Baden-Württemberg noch weit unter der europäischen Vorgabe von 33%. Die Ganztagesbetreuung für Krippen-, Kindergarten- und Schulkinder ist nach wie vor defizitär.

Zusammenfassend zeigt sich, dass Geschlechterunterschiede am Arbeitsmarkt relativ stabil und zählebig sind und entsprechend die Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bisher allenfalls auf den Weg gebracht werden konnte.

Autoren/-innen Maria Lauxen-Ulbrich, Stefan Berwing, Dr. René Leicht
Link: http://esf.uni-mannheim.de
Ansprechpartner/-innen für Presse
Institut für Mittelstandsforschung, Universität Mannheim
Maria Lauxen-Ulbrich, lauxen@ ifm.uni-mannheim.de,
Stefan Berwing, berwing@ifm.uni-mannheim.de,
Dr. René Leicht, leicht@ifm.uni-mannheim.de (Projektleitung)
Telefon: 0621 / 181-2897 / -2703 / -2788
Das Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim ist eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung der Universität Mannheim. Seit über 20 Jahren führt das Institut Forschungsvorhaben zu aktuellen und strukturellen mittelstandsbezogenen Themen durch. Unter der Leitung von Professor Dr. Michael Woywode arbeiten gegenwärtig 28 wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Mittelstandsforschung. Die besondere Stärke des ifm liegt in seiner interdisziplinären Ausrichtung und der Brückenfunktion zwischen Wissenschaft und Praxis.

Achim Fischer | idw
Weitere Informationen:
http://www.institut-fuer-mittelstandsforschung.de
http://esf.uni-mannheim.de

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