Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Individuell angepasste Chemotherapie beim Pankreaskarzinom

02.09.2008
Für Krebspatienten stellt eine Chemotherapie eine hohe Belastung dar. Ob die Therapie bei einem bestimmten Patienten wirkt, ist allerdings meist erst rückblickend zu beurteilen.

Die Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Pankreasforschung am Klinikum rechts der Isar der TU München konnten nun zeigen, dass bei Bauchspeicheldrüsenkrebs bereits vor Beginn der Chemotherapie verlässlich vorhergesagt werden kann, wie wirksam bestimmte Chemotherapeutika sein werden. Die Ergebnisse der Studie wurden im aktuellen British Journal of Cancer veröffentlicht.

Das Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs) ist einer der aggressivsten malignen Tumoren mit schnellem Einwachsen in wichtige Blutgefässe und Streuung in Lymphknoten und Organe wie z.B. die Leber. Pankreaskarzinompatienten werden häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium mit unspezifischen Beschwerden wie Oberbauchschmerzen und Gewichtsverlust klinisch auffällig.

In diesem Stadium sind die Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt. In den letzten Jahren konnte jedoch gezeigt werden, dass sowohl die Chemotherapie bei Patienten, die nicht operiert werden können, als auch die Chemotherapie bei Patienten nach einer Tumoroperation das Gesamtüberleben verlängern. Leider sprechen bislang aber nur relativ wenige Patienten gut auf die Chemotherapie an. Diejenigen Patienten, die auf eine bestimmte Therapie ansprechen, überleben deutlich länger und haben eine weit bessere Lebensqualität.

Bisher wurden beim Pankreaskarzinom nur wenige Studien durchgeführt, die untersuchen, welches Chemotherapeutikum für den einzelnen Patienten am besten geeignet ist. Privatdozent Dr. Jörg Kleeff, Oberarzt an der Chirurgischen Klinik des Klinikums rechts der Isar: "Die Individualisierung der Chemotherapie ist ein bisher unterschätztes Konzept. Dabei könnte sie die Ansprechraten erheblich steigern und möglicherweise auch die Nebenwirkungen der Therapie reduzieren."

Die Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Pankreasforschung um Jörg Kleeff untersuchten nun erstmals bei Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, ob an bei Operationen entnommenem Tumorgewebe bereits vor Beginn der Chemotherapie das Ansprechen vorauszusagen ist. Dazu wurde mittels eines speziellen und standardisierten Tests untersucht, wie die Tumorzellen der Patienten auf verschiedene Chemotherapeutika ansprechen.

Die Ergebnisse dieser Studie waren deutlich: Diejenigen Patienten, die "in-vitro" (also im Labor) ein gutes Ansprechen auf Gemcitabin (die Standard-Chemotherapie beim Pankreaskarzinom) zeigten, überlebten deutlich länger, als die Patienten, für die die Ansprechraten schlechter waren. Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die Produktion von hENT1, einem Protein, welches für die Aufnahme von Gemcitabin in die Zellen verantwortlich ist, ebenfalls das Ansprechen auf dieses Chemotherapeutikum mitbestimmt.

Diese Ergebnisse liefern erstmals einen Beleg dafür, dass die testgerechte Chemotherapie beim Pankreaskarzinom durchführbar ist. Weitere Studien mit mehr Patienten müssen allerdings durchgeführt werden, bevor eine solche Testung in die klinische Routine eingeführt werden kann. Die Antwort auf die Frage "Welche Chemotherapie ist für welchen Patienten geeignet?" ist klinisch sehr relevant, um den Patienten eine möglichst wirksame Therapie bei möglichst wenigen Nebenwirkungen anbieten zu können.

Originalarbeit: Christoph W. Michalski, Mert Erkan, Danguole Sauliunaite, Thomas Giese, Rembert Stratmann, Christian Sartori, Nathalia A. Giese, Helmut Friess and Jörg Kleeff. Ex vivo chemosensitivity testing and gene expression profiling predict response towards adjuvant gemcitabine treatment in pancreatic cancer. British Journal of Cancer 2008;99:760-767

Kontakt:
Klinikum rechts der Isar
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tanja Schmidhofer
Tel. 089/4140 2046
E-mail: schmidhofer@lrz.tum.de

Tanja Schmidhofer | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.tu-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Dialysepatienten besser vor Lungenentzündung schützen
17.01.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Neue Studie der Uni Halle: Wie der Klimawandel das Pflanzenwachstum verändert
12.01.2018 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Lebensrettende Mikrobläschen

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

3D-Druck von Metallen: Neue Legierung ermöglicht Druck von sicheren Stahl-Produkten

23.01.2018 | Maschinenbau

CHP1-Mutation verursacht zerebelläre Ataxie

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics