Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Impfungen gegen Gebärmutterkrebs beliebt

27.08.2008
Auch im höheren Alter raten Experten noch zur Impfung

Junge Frauen stehen einer Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs auslösende Viren (HPV) sehr positiv gegenüber. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Universität Greifswald.

Demnach würden 68 Prozent der 14- bis 17-Jährigen auf diese Impfung zurückgreifen, bereits in der Altersklasse der bis 26-Jährigen sind es nicht einmal mehr 13 Prozent. "Der Grund dafür ist in zwei Aspekten zu suchen", erläutert Bettina Knuth, stellvertretende Landesvorsitze des Berufsverbandes der Frauenärzte in Mecklenburg-Vorpommern, im pressetext-Gespräch.

Zum einen werde empfohlen, die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr vorzunehmen. Zum anderen würde die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung nur für die 14- bis 17-Jährigen empfehlen, weshalb die meisten Krankenkassen auch nur für diese die Kosten übernehme. "Wer sich auf eigene Kosten impfen lässt, muss mit Kosten in Höhe von etwa 450 Euro rechnen", sagt Knuth.

Dennoch empfiehlt die Medizinerin auch älteren Frauen, sich noch gegen HPV impfen zu lassen. "Die Viren werden durch Geschlechtsverkehr übertragen und haben eine Inkubationszeit von zehn bis 15 Jahren", so Knuth. Dadurch gebe es zwei Altersgipfel, zu denen die Erkrankung ausbreche.

"Der erste liegt bei etwa 30 Jahren - also entsprechend zehn bis 15 Jahren nach dem ersten Geschlechtsverkehr." Ein zweiter zwischen 45-50 Jahren. Dies sei darauf zurückzuführen, dass viele Frauen um die 30 noch einmal ihr Leben neu organisieren, neue Lebenspartnerschaften eingehen und von daher auch wieder sexuell aktiver werden. "Der Grund dafür kann sein, dass die Ehe gescheitert, der Partner gestorben ist oder die Frau einfach in eine Midlifecrises kommt", so die Gynäkologin.

Trotz der großen Resonanz auf die Impfungen wird in der Medizinerbranche noch immer über deren langfristigen Nutzen gestritten. Denn durch die lange Inkubationszeit gibt es kaum zuverlässige Forschungsergebnisse über den tatsächlichen Nutzen der Schutzimpfung. "Wir können noch nicht sagen, wie hoch die prozentuale Heilungsquote ist, sind uns aber sicher, dass die Impfung sinnvoll und nützlich ist", sagt Knuth.

Mit ganz anderen Problemen beschäftigen sich die Wissenschaftler derzeit auf dem Gebiet der Eierstockkrebsforschung. Seit Juni wird in den USA ein an der Universität Yale entwickelter Eierstockkrebs-Test vertrieben. Wie die New York Times gestern in ihrer Dienstagsausgabe berichtete, hat sich die Food and Drug Administration (F.D.A.) http://www.fda.gov eindringlich dafür ausgesprochen, dass dieser Test wieder vom Markt genommen wird. "Wir glauben, da wurde ein hoch riskanter Test auf den Markt gebracht, der nicht ausreichend klinisch getestet wurde und der die Gesundheit der Bevölkerung gefährden könnte", schrieb die F.D.A. an die Vertriebsfirma.

Auch Knuth erklärt, dass sie dringend davon abrät, diesen Test etwa über das Internet zu bestellen. "Leider gibt es bisher noch immer keinen zuverlässigen Test gegen Eierstockkrebs", sagt sie. Aber der in den USA vorgestellte sei reine Geldmacherei und die 240 Dollar für ihn schlecht angelegt. "Es wäre schön und wichtig, dass wir endlich einen verlässichen Test haben, aber das kann noch eine ganze Weile dauern", führt Knuth fort. Dabei wäre es gerade bei Eierstockkrebs wichtig, ihn im Frühstadium zu diagnostizieren. Dann bestünde auch eine hohe Chance auf Heilung. Nach Angaben der F.D.A. überleben fast 90 Prozent der Frauen, bei denen der Krebs im Stadium eins oder zwei fest gestellt worden ist, auch die nächsten fünf Jahre. Später liege die Rate bei nicht einmal mehr einem Drittel. Doch seien Veränderungen an den Eierstöcken derzeit nur durch Ultraschalluntersuchungen, die nicht von den Krankenkassen routinemäßig bezahlt werden, überhaupt möglich. "Wenn die Frauen, zum Beispiel durch eine Umfangszunahme am Bauch selbst auf die Idee kommen, dass etwas nicht stimmen könnte, ist es oftmals schon zu spät", erklärt Knuth.

Anders verhalte es sich beim Gebärmutterhalskrebs. "Die Heilungschancen im Frühstadium liegen hier bei annährend 99 Prozent. Doch wir haben mit dem Muttermundabstrich ein erprobtes und seit vielen Jahren erfolgreich eingesetztes Nachweisverfahren", fährt Knuth fort. Dennoch sterben jährlich alleine in Deutschland von den knapp 7.000 Neuerkrankten 1.800 Patientinnen.

Erik Staschöfsky | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.uni-greifswald.de
http://www.bvf.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise