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Immunschwache Patienten vor Cytomegalie schützen

28.08.2014

Experten des Universitätsklinikums Würzburg arbeiten mit an der Entwicklung eines vielversprechenden Wirkstoffs gegen das Cytomegalievirus, das vor allem Knochenmark-, Stammzell- oder Organtransplantierten gefährlich werden kann.

Ein Artikel über den erfolgreichen Abschluss einer Dosisfindungsstudie brachte die Würzburger Mediziner kürzlich als Autoren in die international hoch angesehene Fachzeitschrift New England Journal of Medicine.


Prof. Andrew Ullmann (links) und Prof. Hermann Einsele helfen mit, immunschwache Patienten in Zukunft noch besser vor Cytomegalie zu schützen. Bild: Universitätsklinikum Würzburg

Bis zu 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben sich in ihrem Leben irgendwann einmal körperlich mit dem Cytomegalievirus auseinandergesetzt. Die Erstinfektion verläuft in den allermeisten Fällen ohne Krankheitssymptome, sie wird von den Betroffenen in der Regel gar nicht bemerkt.

„Das Virus bleibt danach allerdings latent im Körper vorhanden und wird vom Immunsystem in Schach gehalten“, erläutert Prof. Andrew Ullmann, der Leiter des Schwerpunkts Klinische Infektiologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). „Gefährlich kann es allerdings werden, wenn das Immunsystem ausgeschaltet oder zumindest stark heruntergefahren ist“, fährt der Experte für Viren- und Pilzinfektionen fort. Dies ist zum Beispiel bei Knochenmark-, Stammzell- oder Organtransplantierten der Fall. Bei diesen Patienten kann das mit den Windpocken verwandte Virus wieder aktiv werden. Es kann dann beispielsweise die Netzhaut oder die Lunge befallen es drohen Blindheit oder Tod.

Bisherige Medikamente schädlich für Knochenmark oder Nieren

„Bisher auf dem Markt verfügbare Medikamente gegen das Cytomegalievirus haben schädigende Nebenwirkungen auf das Knochenmark oder die Nieren. Deshalb forschen deutsche und US-amerikanische Wissenschaftler seit einigen Jahren an einem neuen Wirkstoff mit dem Namen Letermovir“, berichtet Prof. Ullmann. Er selbst arbeitet schon seit sechs Jahren an der Entwicklung und Erprobung der vielversprechenden Substanz mit, die an einer anderen Stelle im Vermehrungszyklus des Virus ansetzt.

Studie zur Dosisfindung mit positiven Ergebnissen

Als einer der bislang letzten Entwicklungsschritte fand eine Dosisfindungsstudie statt, die zu wesentlichen Teilen von der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des UKW getragen wurde. Teilnehmer in Würzburg waren Patienten, bei denen eine Knochenmarktransplantation anstand. Bei ihnen wurde über DNA-Untersuchungen vorab geklärt, ob sie das Virus in sich tragen. Die Betroffenen erhielten dann prophylaktisch Letermovir in unterschiedlichen Dosierungen. Es zeigte sich, dass mit der höchsten Gabe von 240 mg pro Tag das Virus sehr sicher unterdrückt werden kann. Und der Vergleich mit einer Placebo-Gruppe bewies, dass praktisch keine Nebenwirkungen auftraten.

„Mit den überaus positiven Ergebnissen dieser Phase II-Studie ist jetzt der Weg frei für die Erprobung in einer noch größeren Patientengruppe, bevor das Medikament dann sehr gute Chancen hat, bald offiziell zugelassen zu werden“, freut sich Prof. Ullmann.

Strukturen am UKW für Studien hilfreich

„Es ist nicht einfach, unter den gesetzlichen Rahmenbedingungen in Deutschland die international geforderte hohe Geschwindigkeit in der Durchführung einer solchen Studie zu erbringen“, sagt Prof. Hermann Einsele, der Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II. „Dass wir bei dieser und anderen bedeutenden Studien dabei sein können, liegt nicht nur an Forscherpersönlichkeiten wie Prof. Ullmann mit seiner zertifizierten Klinischen Infektiologie, sondern auch an hilfreichen Strukturen, die in den letzten Jahren am Universitätsklinikum Würzburg geschaffen wurden. Hierzu zählen eine große Studienzentrale und die Early Clinical Trial Unit.“ Im Fall der Letermovir-Studie habe sich außerdem ausgezahlt, dass das UKW eines der größten Stammzelltransplantationsprogramme in Deutschland unterhält.

Veröffentlichung im New England Journal of Medicine
Prof. Ullmann und Prof. Einsele haben zusammen mit weiteren Autoren die Ergebnisse der Letermovir-Phase II-Studie in einem Artikel zusammengefasst, der im Mai dieses Jahres im New England Journal of Medicine erschienen ist. Die US-amerikanische Publikation ist eine der angesehensten medizinischen Fachzeitschriften.

Kastentext

Stichwort Cytomegalie
Das Cytomegalievirus gehört zur Familie der Herpesviridae. Übertragen werden kann es durch Speichel, Urin, Sperma sowie bei der Bluttransfusion. Die infizierten Zellen sind in der Regel stark vergrößert, daher auch der Name: Cytomegalie = Riesenzellbildung.

Susanne Just | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.ukw.de

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