Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Immer mehr Realschüler ohne Ausbildung – Jobchancen ohne Abschluss sinken

07.09.2010
Studie der Bertelsmann Stiftung: 1,5 Millionen junge Menschen in Westdeutschland zwischen 25 und 34 Jahren haben keinen Berufsabschluss – Abitur oder Ausbildung ist Mindestqualifikation für erfolgreiche Teilnahme am Arbeitsmarkt. Immer mehr junge Menschen mit einem mittleren Schulabschluss finden keinen Ausbildungsplatz.

Rund 260.000 Realschulabsolventen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren fehlt allein in Westdeutschland die Berufsausbildung. Insgesamt haben in den westlichen Bundesländern 1,5 Millionen Menschen dieser Altersgruppe keinen Berufsabschluss – das ist jeder Fünfte. Das geht aus einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung hervor, die in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung entstanden ist. Zugleich verdeutlicht die Untersuchung die Wichtigkeit einer Berufsausbildung für die Teilnahme am Arbeitsmarkt: Ohne Berufsabschluss sinken die Chancen auf einen Voll- oder Teilzeitjob rapide und das Risiko der Arbeitslosigkeit steigt.

Der Studie zufolge, die wegen der großen Unterschiede auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt auf einen Ost-West-Vergleich verzichtet, stellen zwar nach wie vor junge Erwachsene ganz ohne Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss den größten Anteil der 25- bis 34-Jährigen, die über keine Berufsausbildung verfügen. Seit Mitte der 1990er Jahre sind aber in zunehmendem Maße auch Realschulabsolventen und (Fach-) Abiturienten von Ausbildungslosigkeit betroffen. In Westdeutschland ist diese Gruppe inzwischen fast genauso groß wie die der jungen Erwachsenen ohne Hauptschulabschluss (281.000 Personen). Selbst ein höherwertiger Schulabschluss wie die mittlere Reife bietet demnach heute keine Gewähr mehr für einen reibungslosen Übergang von der Schule über die Ausbildung in den Beruf.

Ausbildungslosigkeit hat für die jungen Menschen fatale Folgen: Die Chance auf eine Voll- oder Teilzeiterwerbstätigkeit ist für Personen ohne beruflichen Abschluss seit 1996 deutlich gesunken, ihr Arbeitslosigkeitsrisiko hat merklich zugenommen. So waren beispielsweise im Jahr 2007 von den männlichen Realschulabsolventen ohne Ausbildungsabschluss 22,5 Prozent erwerbslos. Von den jungen Männern mit Hauptschulabschluss ohne berufliche Qualifikation war knapp ein Viertel von Erwerbslosigkeit betroffen, von den Hauptschulabsolventen mit Berufsabschluss hingegen lediglich neun Prozent. Erst (Fach-) Abiturienten ohne Ausbildungsabschluss haben ein erheblich geringeres Arbeitslosigkeitsrisiko.

"Voraussetzung für die Teilhabe am Arbeitsmarkt ist heute eine erfolgreich abgeschlossene Be-rufsausbildung oder ein Abitur", fasst Dr. Jörg Dräger, für Bildung zuständiges Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, die Ergebnisse der Studie zusammen: „Ein Haupt- oder Realschulabschluss allein schützt heute nicht mehr vor Arbeitslosigkeit, Abitur oder Ausbildung sind die notwendigen Mindestqualifikationen.“

Jeder Jugendliche müsse daher die Chance erhalten, eine Ausbildung zu absolvieren, fügt Dräger hinzu. Dafür seien Reformen im gesamten Bildungssystem notwendig: "Kein Jugendlicher darf die Schule mehr ohne Abschluss verlassen und jeder Jugendliche mit Abschluss verdient einen Ausbildungsplatz. Gute frühe Bildung, Ganztagsschulen und individuelle Förderung müssen daher zum Standard werden." Erfolg in Schule und Ausbildung müsse unabhängig von der sozialen oder ethnischen Herkunft der Jugendlichen möglich sein.

Im Bereich der Berufsausbildung tritt Dräger dafür ein, "den Maßnahmendschungel des bestehenden Übergangssystems abzubauen und neben dem dualen Ausbildungssystem alternative Ausbildungsformen anzubieten, damit jeder Jugendliche eine berufliche Qualifikation erwerben kann." Für die 25- bis 34-Jährigen ohne Berufsabschluss fordert er "Nachqualifizierungsangebote, die diesen allein in Westdeutschland 1,5 Millionen jungen Menschen eine Perspektive für das weitere Leben eröffnen."

Rückfragen an : Antje Funcke, Telefon: 0 52 41 / 81-81 243
E-Mail: antje.funcke@bertelsmann-stiftung.de
Anette Stein, Telefon: 0 52 41 / 81-81 274
E-Mail: anette.stein@bertelsmann-stiftung.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics