Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

An ihren Gesten sollt Ihr sie erkennen

29.07.2010
Politiker verraten mit ihren Gesten ihre wahren Gedanken

Menschen verknüpfen positive Eigenschaften mit ihrer dominanten, negative dagegen mit ihrer nicht-dominanten Körperhälfte. Rechtshänder assoziieren also beispielsweise Ehrlichkeit oder Intelligenz mit ihrer rechten, Linkshänder mit ihrer linken Seite. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik in Nijmegen, Niederlande, haben untersucht, ob dieses Phänomen, das bislang nur im Versuchslabor beobachtet wurde, auch im wirklichen Leben auftritt. Dazu haben sie die spontane Gestik der Kandidaten zu den amerikanischen Präsidentenwahlen 2004 und 2008 in Reden mit positivem und negativem Inhalt analysiert. Demnach unterstützten rechtshändige Kandidaten George W. Bush und John Kerry positive Aussagen bevorzugt mit der rechten Hand, negative Aussagen begleiteten sie dagegen vor allem mit der linken Hand. Bei den linkshändigen Kandidaten Barack Obama und John McCain war dies genau umgekehrt. (PLoS ONE, 28 Juli 2010)


Beispiele für Handgesten der Kandidaten zu den US-Präsidentenwahlen 2004 und 2008. Rechtshänder verknüpften positive Botschaften häufiger mit Gesten der rechten Hand, negative Botschaften mit Gesten der linken Hand. Linkshänder setzen ihre Hände in umgekehrtem Muster ein. Bild: Daniel Casasanto

"Gut" und "Böse" sind in vielen Kulturen jeweils mit "rechts" und "links" assoziiert. Beispiele sind im deutschen Sprachgebrauch der Ausdruck "zwei linke Hände" oder im englischen der gemeinsame Begriff für richtig und rechts ("right"). Politikern wird deshalb empfohlen, in erster Linie die rechte Hand für ihre Gestik zu benutzen und die linke nur für negative Botschaften einzusetzen.

Die dominante Körperhälfte ist "gut"

Mit dieser kulturellen Prägung lässt sich allerdings nur die Gestik von Rechtshändern erklären. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Menschen positive Botschaften nicht mit einer bestimmten Körperseite verbinden, sondern mit der Seite, die bei ihnen persönlich dominiert. Bewegungen auf der dominierenden Körperseite fallen dem Menschen leichter, deshalb wird sie offenbar mit "gut" assoziiert", folgert Daniel Casasanto vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik, der die Untersuchung zusammen mit Kyle Jasmin durchgeführt hat.

Bei manchen Rednern ist der Zusammenhang zwischen nicht-dominanter Hand und negativer Botschaft so offensichtlich, dass er bereits mit bloßem Auge auffällt. So nutzte Barack Obama seine nicht-dominante Hand etwa doppelt so häufig für negative Botschaften, John Kerry dreimal so oft. John McCain unterstrich negative Inhalte sogar 12-mal häufiger mit der nicht-dominanten Hand.

Mit der Parteizugehörigkeit hat die Art der Gestik dagegen nichts zu tun. "Links" und "rechts" stehen zwar auch für politische Orientierungen, aber die Rechtshänder in der Studie - der Republikaner Bush und der Demokrat Kerry - nutzten beide dieselbe Körperseite, um positive oder negative Botschaften zu verkünden. Zumindest in dieser Frage scheinen sich Republikaner und Demokraten einig zu sein.

Die Hand, die ein Sprecher für seine Gestik bevorzugt benutzt, sagt also viel darüber aus, was er tatsächlich über seine Botschaften denkt. Kaum ein Redner ist sich dabei bewusst, welche Botschaft er mit seinen Gesten an das Publikum sendet. Die meisten merken nicht einmal, dass sie überhaupt gestikulieren.

Originalveröffentlichung:

Casasanto, D. & Jasmin, K.
Good and Bad in the Hands of Politicians: Spontaneous gestures during positive and negative speech.

PLoS ONE, 5(7):e11805. doi:10.1371/journal.pone.0011805

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Daniel Casasanto
Max-Planck-Institut für Psycholinguistik, Nijmegen, Niederlande
Tel.: (+31) 024 3521 321
E-Mail: daniel.casasanto@mpi.nl

Barbara Abrell | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen