Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ICC-Studie: Verbraucher haben beim Kauf gefälschter Waren keine Gewissensbisse

03.12.2009
Eine neue Studie der Internationalen Handelskammer (ICC) zeigt, dass 80 Prozent der Verbraucher weltweit regelmäßig gefälschte Produkte kaufen. Weder Gewissensbisse noch mögliche Folgen wie Gesundheitsgefahren oder Sicherheitsrisiken halten sie davon ab.

Für die Studie, die im Auftrag der Internationalen Handelskammer (ICC) und ihrer Anti-Piraterie-Initiative BASCAP durchgeführt wurde, befragte das Marktforschungsinstitut StrategyOne 5.000 Verbraucher unter anderem in Mexiko, Indien, Großbritannien, Südkorea und Russland. Die Ergebnisse zeigen, warum Verbraucher gefälschte Waren kaufen und welche Produktgruppen besonders betroffen sind.

Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie hin und wieder Nachahmerprodukte kaufen. 14 Prozent sagten, dass sie dies sogar regelmäßig tun. Nur 20 Prozent der Verbraucher hatten nach eigener Aussage noch nie ein gefälschtes Produkt gekauft. Am meisten Resonanz finden DVDs und CDs, Kleider und Software. So hat mehr als die Hälfte der Befragten angegeben, sich bereits gefälschte oder kopierte Versionen dieser Produkte beschafft zu haben. Aber auch nachgemachte Arzneimittel, Ersatzteile, alkoholische Getränke und Lebensmittel gehören zu den gekauften Warengruppen.

Die Verfügbarkeit und die Kaufhäufigkeit sind stark miteinander verknüpft, was wenig verwundert. Je leichter ein Produkt zu bekommen ist, desto häufiger wird es gekauft. Allerdings gibt es bezüglich der Verfügbarkeit einzelner Produkte starke regionale Unterschiede. So sagten 61 Prozent der Befragten in Russland, dass für sie gefälschte Arzneimittel leicht zu bekommen seien, während dies nur 19 Prozent der Befragten in Großbritannien angaben.

Die Studie zeigt, aus welchen Gründen sich Verbraucher für den Kauf gefälschter Produkte entscheiden. 72 Prozent der Befragten gaben an, sich das Markenprodukt nicht leisten zu können, 57 Prozent waren darüber hinaus der Ansicht, dass das Originalprodukt „überteuert“ sei. Fast 60 Prozent der Verbraucher sagten jedoch auch, schon gefälschte Produkte gekauft zu haben, ohne dies zu wissen.

Um einen Freund vom Kauf gefälschter Waren abzubringen, würden 70 Prozent der Befragten auf mögliche Gesundheitsrisiken hinweisen. Sicherheitsgefahren benannten 59 Prozent der Verbraucher als sehr abschreckend. Die Gefahr einer Strafverfolgung wurde hingegen von den Befragten als relativ gering eingeschätzt. So sagten nur 25 Prozent, dies sei ein wichtiges Argument, um jemanden zu überzeugen, keine gefälschten Produkte zu kaufen.

Äußerst interessant sind zudem die regionalen Unterschiede für eine Entscheidung, lieber auf das Originalprodukt zu setzen. So sagten 74 Prozent der mexikanischen Verbraucher, dass für sie der bessere Service sowie die Gewährleistung wichtige Argumente seien. Dies sind 20 Prozent mehr als der durchschnittliche Mittelwert aller fünf befragten Länder. Zudem ist das Wissen, dass die erzielten Gewinne aus dem Handel mit Piraterieware in kriminelle Kanäle flößen, für 52 Prozent der Mexikaner ein Grund, möglicherweise keine gefälschten Waren zu kaufen. Dieser Wert liegt 13 Prozent höher als im Länderdurchschnitt.

In Großbritannien sagten hingegen 43 Prozent aller Verbraucher, sie würden keine Fakes kaufen, um Kindern kein schlechtes Vorbild zu sein (Durchschnittwert 34 Prozent). In Indien ist mit 43 Prozent die Angst vor der Strafverfolgung durch die Polizei sehr stark ausgeprägt. Im Ländermittel war dies nur für 25 Prozent der Befragten ein Argument, um sich für das Original zu entscheiden.

In allen untersuchten Ländern kam ein Teil derjenigen, die gefälschte Waren kaufen, aus den unteren Einkommensschichten. Allerdings kaufen gerade gut situierte Verbraucher Piraterieware. So nahm in Großbritannien die Kaufhäufigkeit mit steigendem Einkommen zu. Auch in Russland gaben 88 Prozent der Befragten mit hohen Gehältern an, gefälschte Ware zu kaufen. Dies war der höchste Wert aller fünf befragten Länder.

“Verbraucher zeigen keine Gewissensbisse beim Kauf gefälschter Waren, sie geben ihre beschränkten Möglichkeiten als Grund für den Kauf an und denken wenig an die Auswirkungen ihrer Entscheidung“, sagt Jeffrey Hardy, der für die BASCAP-Initiative der Internationalen Handelskammer verantwortlich ist. “Verbraucher sollten erkennen, welchen Gefahren sie sich und ihren Familien durch gefährliche Produkte aussetzen. Es ist wichtig, dass sie verstehen, wie sie selbst ihre Position als Angestellter in Frage stellen, wenn Originalprodukte zunehmend durch gefälschte Waren ersetzt werden”.

Der Wert der weltweit gefälschten Produkte wird auf bis zu 650 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Katrin Reiser

Pressesprecherin
ICC Deutschland e.V.
Internationale Handelskammer
Wilhelmstr. 43G - 10117 Berlin
Tel: +49 - (0)30 - 200 7363 - 20
Fax: +49 -(0)30 - 200 7363 - 69
katrin.reiser@icc-deutschland.de

Katrin Reiser | ICC Deutschland e.V.
Weitere Informationen:
http://www.icc-deutschland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

nachricht Medizinische Innovationen für Afrika
02.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte