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Wie Hyänen ihren sozialen Status "vererben"

25.02.2009
Soziales Ansehen und sozialer Status ist sowohl in der menschlichen Gesellschaft als auch bei hoch entwickelten Tiergesellschaften sehr wichtig, denn er erlaubt bevorzugten Zugang zu Ressourcen, ist entscheidend für das Überleben und führt zu erhöhtem reproduktivem Erfolg.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin und der Universität Sheffield, Großbritannien, hat jetzt die Frage beantwortet, wie der soziale Status bei einer der sozialsten Säugetiergemeinschaften, den Tüpfelhyänen, von Eltern an ihre Nachkommen weitergegeben wird.

Die kürzlich in der online-Ausgabe der Fachzeitschrift Behavioral Ecology veröffentlichte Studie basiert auf seltenen Fällen von Adoption unter Hyänen in der Serengeti und dem Ngorongoro-Krater in Tansania.

Die Forscher werteten Beobachtungen aus über 20 Jahren aus und wendeten die aktuellsten molekulargenetischen Methoden zum Nachweis der genetischen Mutterschaft an. Die Ergebnisse zeigten, dass der soziale Status an den Nachwuchs weitergegeben wird, indem die Mutter ihre Jungtiere bei Auseinandersetzungen mit anderen Weibchen unterstützt und die Jungen dabei 'lernen', welche anderen Gruppenmitglieder von ihrer Mutter - und damit auch von ihnen selbst - dominiert werden können.

"Jungtiere werden von den Adoptivmüttern kurz nach der Geburt adoptiert. Adoptierte Tüpfelhyänen hatten als erwachsene Tiere immer einen ähnlichen Rang wie die Adoptivmutter, meist waren sie nur gerade einen Rang tiefer gestellt als die Adoptivmutter.

Im Gegensatz dazu bestand kein Zusammenhang zwischen dem Rang adoptierter Nachkommen und dem Rang der genetischen Mutter" sagt Dr. Marion East vom IZW. "Das zeigt, dass mütterliche Verhaltensunterstützung zur Weitergabe des sozialen Ranges führt."

Die Ergebnisse der Studie stehen im Widerspruch zu zwei anderen Ideen zur Weitergabe des sozialen Status bei Säugetiergesellschaften, die häufig diskutiert werden. Die erste dieser Ideen lautet, dass Mütter ihrem Nachwuchs Gene vererben könnten, die den Nachwuchs genauso wettbewerbsfähig machen wie die Mutter.

Eine zweite Idee besagt, dass der mütterliche soziale Status die Konzentration von mütterlichen Sexualhormonen (Testosteron) bestimmen könnte, die sie an den Fötus während der Schwangerschaft weitergibt. Das mütterliche Testosteron sollte also den noch ungeborenen Nachwuchs genauso wettbewerbsfähig machen könnte wie die Mutter.

"Diese Hypothesen würden einen engen Zusammenhang zwischen dem Rang der adoptierten Jungtiere und ihrer genetischen Mutter vorhersagen. Aber in der Studie gab es für eine derartige Beziehung keine Anhaltspunkte" erklärt Dr. Oliver Höner vom IZW.

Die Studie zeigt, dass junge Tüpfelhyänen während des Heranwachsens aufgrund des Verhaltens ihrer Mutter bei Auseinandersetzungen mit anderen Gruppenmitgliedern erkennen und lernen, welche Mitglieder sie dominieren können. Wenn sie erwachsen sind, verteidigen sie die erlangte Rangposition.

"Dies ist für die Jungtiere enorm wichtig, da in den hoch entwickelten Tiergesellschaften wie den Tüpfelhyänen sozialer Status für die eigene biologische Fitness, also das Überleben und den Fortpflanzungserfolg, wichtiger ist als Umweltfaktoren, Fressfeinde oder Krankheitserreger" erläutert Prof. Heribert Hofer vom IZW. Besonders profitieren die Nachkommen hochrangiger Mütter von der Weitergabe des sozialen Status - sie sind als Erwachsene ähnlich privilegiert wie ihre Mütter.

Der in dieser Studie identifizierte Mechanismus der "Rangvererbung" über mütterliche Verhaltensunterstützung könnte auch bei anderen sozialen Arten wirken, denn das Phänomen der "Rangvererbung" wurde bereits bei vielen Säugetierarten, inklusive mehreren Primatenarten, beschrieben.

Publikation:
Behavioral Ecology 19
doi:10.1093/beheco/arp020
Informationen und Fotos:
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
im Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin
GERMANY
Dr Oliver Höner, 030 5168 516, hoener@izw-berlin.de
Dipl-Soz Steven Seet, 030 5168 108, seet@izw-berlin.de

Gesine Wiemer | idw
Weitere Informationen:
http://www.izw-berlin.de
http://www.fv-berlin.de

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