Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hüftgelenke aus Metall sehr fehleranfällig

13.03.2012
Reine Metallimplantate scheiden im Vergleich am schlechtesten ab

Künstliche Hüftgelenke aus Metall haben eine viel höhere Ausfallrate als andere Optionen und sollten nicht implantiert werden. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der University of Bristol gekommen. Die Daten des weltgrößten Registers über Hüftgelenk-Implantate beweisen eindeutig die hohen Versagensraten. Das Risiko ist für Frauen, junge Menschen und große Implantate am höchsten. Die Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) hat infolge bei großen Implantaten aus Metall bereits jährliche Überprüfungen angekündigt.


Hüftimplantat im Röntgen: Metall ist schlechtestes Material (Foto: Wikimedia)

Material bestimmt Ausfallquote

Künstliche Hüftgelenke gelten als einer der großen Erfolge der modernen Medizin. Sie stellen die Beweglichkeit wieder her und verringern die Schmerzen. Bei allen Implantaten gibt es jedoch das Risiko eines Versagens. Das neue Gelenk kann sich lösen und durch die Abnützung verschieben. Die in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte Studie wies nach, dass manche Implantate eher versagen als andere. Hüftgelenkimplantate gibt es aus verschiedenen Materialien wie Metall, ganz aus Keramik oder Metall und Plastik.

Die Wissenschaftler analysierten die Daten von 402.051 Hüftimplantationen, die im "National Joint Registry of England and Wales" verzeichnet sind.

Insgesamt versagten 6,2 Prozent der künstlichen Hüftgelenke aus Metall innerhalb von fünf Jahren. Im gleichen Zeitraum versagten nur 1,7 Prozent der Implantate aus Metall-Plastik-Kombinationen und 2,3 Prozent der Implantate aus Keramik. Die Risiken für Frauen waren größer als für Männer. Die Revisionsraten waren bei Frauen bis zu vier Mal höher, wohingegen bei Männern dreimal öfter ein Komplettersatz für das Implantat nötig war.

Trend weg vom Metall

Größere Implantate standen in einem Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko von Metall auf Metall. Ein Millimeter mehr an Implantatkopf-Größe entsprach dabei einem um zwei Prozent erhöhten Risiko einer Revision. Implantate aus Keramik schnitten auch bei einem größeren Durchmesser besser ab. Die Risiken waren auch bei jungen Patienten erhöht. Bedenken wurden vor zwei Wochen laut BBC auch laut, als die MHRA bekannt gab, dass manche Patienten jährlich zu einem Bluttest gehen sollten. Es wird angenommen, dass winzige Stücke des Metalls vom Implantat abbrechen und dann ins Blut gelangen. Von den Folgen, die von Schädigungen von Muskeln und Knochen bis hin zu neurologischen Probleme reichen können, dürften allein in England 49.000 Patienten mit großen Hüftimplantaten betroffen sein.

Die Anzahl der Patienten, die reine Metallimplantate erhalten, ist in den vergangenen Jahren in Großbritannien rapid gesunken. 8.072 wurden 2008 implantiert, 2011 waren es nur noch 673. In Amerika besteht rund ein Drittel der Implantate aus Metall. Art Sedrakyan vom Weill Cornell Medical Collegehttp://www.britishhipsociety.com betont, dass viele fehlerhafte Produkte auf den Markt kommen können, da es lange dauere bis ein Versagen des Implantats offensichtlich werde.

"Wir haben mehr als 500.000 Patienten mit reinen Metallprotesen in Amerika und mehr als 40.000 in Großbritannien, die über ein erhöhtes Risiko verfügen. Die unvermeidbare Folge werden weitere chirurgische Eingriffe sein."

Michaela Monschein | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.bris.ac.uk
http://www.mhra.gov.uk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise