Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Holländisch im Schlaf

30.06.2014

Nach dem Lernen fremdsprachiger Worte könnte es sich lohnen, sie während dem Schlaf noch einmal zu hören. Das festigt die Erinnerung, wie eine vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderte Studie nun zeigt.

Lernmuffel und Schlafmützen aufgepasst: Eine an den Universitäten Zürich und Freiburg durchgeführte Studie hat gezeigt, dass sich Studierende deutscher Sprache besser an die Bedeutung von neu gelernten holländischen Wörtern erinnern, wenn sie die Wörter im Schlaf noch einmal zu hören kriegen.

«Unsere Methode ist im Alltag leicht anwendbar und eigentlich für jeden umzusetzen», sagt der Studienleiter und Biopychologe Björn Rasch. Die Ergebnisse sind allerdings in einer stark kontrollierten Laborsituation entstanden. Ob sie sich auf den Alltag übertragen lassen, muss sich noch weisen.

Leise vorspielen

Thomas Schreiner und Björn Rasch haben für ihren nun in der Fachzeitschrift "Cerebral Cortex" veröffentlichten Versuch (*) 60 Versuchspersonen gebeten, abends um zehn Uhr holländisch-deutsche Wörterpaare zu lernen. Eine Hälfte der Versuchspersonen ging anschliessend zu Bett.

Während sie schliefen, spielte ihnen ein Lautsprecher einen Teil der neu gelernten holländischen Worte vor: leise genug, um sie nicht zu wecken. Die andere Hälfte der Versuchspersonen blieb wach und hörte so die Wiederholungen der holländischen Wörter.

Um zwei Uhr nachts weckten die Wissenschaftler die Schlafenden auf, etwas später prüften sie bei allen Versuchspersonen die Wörter ab. Die Gruppe der Schlafenden erinnerte sich besser an die deutsche Übersetzung derjenigen holländischen Wörter, die sie im Schlaf gehört hatten. Bei den wachen Versuchspersonen zeigte sich kein Unterschied zwischen Wörtern, die sie gehört hatten und jenen, die der Lautsprecher nicht wiederholt hatte.

Verstärkung der spontanen Aktivierung

Für Schreiner und Rasch sind ihre Resultate ein weiteres Anzeichen dafür, dass der Schlaf die Gedächtnisbildung fördert, wahrscheinlich weil das schlafende Gehirn zuvor gelernte Inhalte spontan aktiviert. Durch das erneute Einspielen dieser Inhalte während des Schlafs lassen sich diese Aktivierungen verstärken und damit die Erinnerung verbessern.

Wer etwa zum Duft von Rosen Memory spielt – und daraufhin beim Schlafen wieder dem gleichen Geruch ausgesetzt ist –, erinnert sich später besser an die Position einer bestimmten Karte im Stapel, wie Rasch in einer anderen Studie vor einigen Jahren gezeigt hat.

Nun haben Schreiner und Rasch die helfende Wirkung des Schlafes auch beim Lernen fremdsprachiger Wörter beobachtet. Ganz ohne Büffeln aber geht es nicht. "Nur Wörter, die bereits vor dem Schlaf gelernt wurden, können erfolgreich reaktiviert werden. Das Einspielen von unbekannten Wörtern während des Schlafs ist wirkungslos", sagt Schreiner.

(*) Thomas Schreiner and Björn Rasch (2014). Boosting Vocabulary Learning by Verbal Cueing During Sleep. Cerebral Cortex online: doi:10.1093/cercor/bhu139
(Für Medienvertreter als PDF-Datei unter folgender E-Mail-Adresse beim SNF erhältlich: com@snf.ch)

Kontakt
Prof. Dr. Björn Rasch
Kognitive Biopsychologie und Methoden
Departement für Psychologie
Universität Fribourg
Tel.: +41 26 300 76 37
E-Mail: bjoern.rasch@unifr.ch

Weitere Informationen:

http://www.snf.ch/de/fokusForschung/newsroom/Seiten/news-140630-medienmitteilung...

Medien - Abteilung Kommunikation | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften