Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hohenstein Forscher veröffentlichen Studie über ein vielseitiges Keim-Übertragungsmodell

23.03.2012
Die Methode erlaubt auch eine Einschätzung von Infektionsrisiken durch Textilien im Gesundheitssystem

Infektionskrankheiten sind weltweit verbreitet und haben erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen. Auch deutsche Versicherer sehen in kommenden Pandemien das größte Risiko für unsere Gesellschaft (Ärzte Zeitung, Januar 2012). Die mit Abstand häufigsten Infektionserkrankungen sind Magen-Darm-Infektionen: Ob die alljährlich wiederkehrende Norovirus-Welle oder die EHEC-Epidemie im Jahre 2011, fast jeder Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens ein- oder mehrmals an einem Magen-Darm-Infekt.

In einer aktuellen Studie der Forschungsabteilung Hygiene, Umwelt und Medizin der Hohenstein Institute verfolgten Wissenschaftler Ansteckungswege in einer öffentlichen Toilette. In diesem Szenario untersuchten sie die mögliche Übertragung von Bakterien, Pilzen und Viren von einer Keimquelle über die Hände von Testpersonen auf verschiedene Objekte im Raum (z. B. Toilettenbürste, Türklinke, Wasserhahn), welche durch die Berührung selbst verunreinigt werden und in der Folge eine eigene Infektionsquelle darstellen. Mit dem neuen Keim-Übertragungsmodell wurde z. B. untersucht, wie viele Mikroorganismen über die Hand einer Person von der Toilettenbürste auf die Türklinke übertragen werden und welche Keimmengen die nächste Person, welche die Tür öffnet, mit ihrer Hand weiter verbreitet.

Die praxisnahe Studie der Forscher um Prof. Dr. Dirk Höfer korreliert erstmals Keimübertragungswege zu derzeit bekannten infektiösen Dosen von Bakterien, Pilzen und Viren. Zwar reduzierte sich erwartungsgemäß die Anzahl lebensfähiger Erreger bei jedem Übertragungsschritt in der Toilette von Händen auf Objekte, doch einige Krankheitserreger wurden durch Kontakt mit kontaminierten Oberflächen noch in ansteckenden Dosen auf andere Testpersonen übertragen. Die Ergebnisse der Studie lassen den Schluss zu, dass ein Ansteckungsrisiko vor allem abhängig von der infektiösen Dosis des jeweiligen Krankheitserregers ist. Bei Durchfall erregenden Viren oder Bakterien, z. B. Norovirus oder EHEC, sind nur wenige Partikel oder Zellen für eine Infektion ausreichend. Dies bedeutet, dass in öffentlichen Toiletten für andere Personen ein hohes Risiko besteht, mit einer ansteckenden Dosis dieser Keime in Berührung zu kommen. Auf der anderen Seite besteht durch die Nutzung derselben Toilette nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit der Ansteckung mit Erregern, die eine hohe Infektionsdosis verlangen, wie z. B. Genitalpilze.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler des Fachbereichs Hygiene, Umwelt und Medizin erscheinen in Kürze im Fachmagazin Journal of Applied Microbiology. doi: 10.1111/j.1365-2672.2012.05234.x. [Epub ahead of print]

Das neue Keim-Übertragungsmodell wollen die Forscher nun auch zur Beurteilung anderer Infektketten einsetzen, es ist z. B. ohne weiteres übertragbar auf andere öffentlich zugängliche Umgebungen, wie Restaurants oder Hotels (siehe Abbildung). Gleichzeitig erlaubt die Methode die Untersuchung antimikrobieller Oberflächen, die heutzutage auch zur Infektionsprävention eingesetzt werden. „Wir müssen das Spektrum unserer Prüfmethoden erweitern, weg von den Standard-Laborverfahren nach Norm, hin zu praxisnahen Modellen, die uns eine realistische Abbildung von Infektionsketten und Einschätzung der Risiken ermöglichen.“ sagt die Projektleiterin Dr. Anja Gerhardts vom Institut für Hygiene und Biotechnologie an den Hohenstein Instituten.

Wie wichtig solche praktischen Prüfmodelle sind, zeigt eine aktuelle Studie, die in einem Krankenhaus in Jerusalem durchgeführt wurde. Dabei wurde die Keimbelastung der Dienstkleidung von 135 Ärzten und Pflegekräften untersucht. Bei etwa 60 % der Proben wurden potentielle Krankheitserreger gefunden, darunter auch Antibiotika-resistente Keime (MRSA). „Dies zeigt uns die hohe Relevanz von Textilien als potentielle Infektionsquelle im Krankenhaus. Wie der Status der Textilhygiene bei uns in Deutschland aussieht, wissen wir nicht, hier liegen bislang keine vergleichbaren Untersuchungen vor.“, sagt Prof. Höfer. „Wir planen, das erfolgreich eingesetzte Übertragungsmodell für Mikroorganismen in der Zukunft weiterzuentwickeln und unsere Untersuchungen auch auf Textilien auszuweiten, die im Gesundheitssystem eingesetzt werden. Davon erhoffen wir uns nützliche Informationen für sinnvolle Maßnahmen zur Durchbrechung von Infektionsketten.“

Rose-Marie Riedl | idw
Weitere Informationen:
http://www.hohenstein.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

nachricht Medizinische Innovationen für Afrika
02.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte