Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hohe Kosten und höhere Klimarisiken

17.12.2012
Wenn Klimaschutzmassnahmen nicht bald umgesetzt werden, wird es viel schwieriger und teurer, die weltweite Klimaerwärmung auf zwei Grad zu beschränken. Dies ist das Ergebnis einer Studie eines internationalen Forscherteams.

Welche technologischen, politischen und gesellschaftlichen Veränderungen braucht es kurzfristig, um die Zunahme der weltweiten Durchschnittstemperatur auf zwei Grad Celsius zu begrenzen? Diese Frage haben Wissenschaftler in einer Studie untersucht, die im Fachmagazin Nature Climate Change veröffentlicht wird. Die Studie beziffert zum ersten Mal, was es kosten würde und mit welchen Risiken es verbunden wäre, wenn die Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2020 über bestimmten Grenzwerten lägen.

«Wir wollten herausfinden, was bis 2020 unternommen werden muss, um die weltweite Klimaerwärmung für das gesamte 21. Jahrhundert unter zwei Grad zu halten», sagt Joeri Rogelj, Erstautor der Studie und Wissenschaftler an der ETH Zürich. Gemeinsam mit seinen Kollegen vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg, Österreich, und vom National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder, USA, untersuchte er eine ganze Reihe von möglichen Szenarien dazu. Die Autoren der Studie zeigen auf, dass das Zwei-Grad-Ziel, das mehr als 190 Länder unterstützen, selbst dann erreicht werden kann, wenn die Treibhausgas-Emissionen nicht vor 2020 reduziert würden. Dies wäre allerdings mit sehr hohen Kosten sowie höheren Klimarisiken verbunden und nur unter äusserst optimistischen Annahmen, wie sich zukünftige Technologien entwickeln, zu erreichen.

Schneller Umstieg auf neue Technologien

Zum Beispiel müsste die Atomkraft als Option zur Verfügung stehen, ausser es gelänge der Weltgemeinschaft, sehr schnell und konsequent auf neue Technologien umzusteigen. Der Umstieg sollte auch energieeffiziente Geräte, Gebäude und Transporttechnologien, wie Elektrofahrzeuge, beinhalten. Ein Problem sind die weitverbreiteten Kohlekraftwerke. «Man müsste während der nächsten zehn Jahre jede Woche ein Kohlekraftwerk abschalten, wenn man das Zwei-Grad-Ziel erreichen möchte», sagt Keywan Riahi, Leiter des Energieprogramms am IIASA und Mitautor der Studie.
Je stärker die Emissionen kurzfristig reduziert werden, desto grösser ist der langfristige Handlungsspielraum und desto weniger wird es kosten, die Klimaziele zu erreichen. «Wir müssen in diesem Jahrzehnt beginnen, die Emissionen zu reduzieren, wenn wir uns Optionen offen halten möchten, falls sich herausstellen sollte, dass einzelne Technologien nicht umsetzbar, allzu kostspielig oder mit unerwünschten Konsequenzen verbunden sind», sagt Brian O’Neill vom NCAR, ein weiterer Mitautor der Studie.

Höchstens 47 Gigatonnen CO2

Die Studie geht weiter als bisherige Studien, indem sie genau aufzeigt, wie hoch Emissionen im Jahr 2020 sein dürfen, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Die weltweiten Emissionen müssten gemäss der Studie bis 2020 auf 41 bis 47 Gigatonnen CO2-Äquivalente reduziert werden. Experten rechnen damit, dass im Jahr 2020 ohne besondere Massnahmen weltweit 55 oder mehr Gigatonnen CO2-Äquivalente ausgestossen würden. Heute sind es ungefähr 50 Gt pro Jahr. «Bei einigen der Optionen haben wir noch immer eine echte Wahl, wie beispielsweise beim Atomausstieg. Wir verlieren diese Wahlmöglichkeit, wenn wir die Emissionen nicht auf 41 bis 47 Gigatonnen CO2-Äquivalente pro Jahr reduzieren», sagt Riahi.

Die Berechnungen der Wissenschaftler zeigen, dass die Entwicklung stark von Schlüsseltechnologien abhängig ist, wie dem „Carbon Capture and Storage“ (CCS) sowie von flächenintensiven Massnahmen, wie der Aufforstung von Wäldern und dem Anbau von Pflanzen für die Biotreibstoffproduktion. «Wenn wir uns nicht nur auf solche Massnahmen verlassen wollen und das Zwei-Grad-Ziel trotzdem erreichen möchten, dann müssen wir die Emissionen bis 2020 senken und die Energie effizienter nutzen», sagt Rogelj.
Die vielleicht effizientesten Klimaschutzmassnahmen sind laut der Studie die Reduktion des Energiebedarfs und die Steigerung der Energieeffizienz. In jenen Szenarien mit einer tieferen Zunahme des Energiebedarfs sahen die Wissenschaftler viel grössere Chancen, die Klimaerwärmung unter zwei Grad zu halten und flexibel bleiben zu können, was die Wahl der Klimaschutzmassnahmen betrifft. «Im Wesentlichen geht es um die Frage, wie viel unsere Gesellschaft zu riskieren bereit ist», sagt Mitautor David McCollum vom IIASA. «Es ist sicher einfacher, das Klimaproblem noch etwas länger vor uns herzuschieben. Doch wenn wir dies tun, riskieren wir, dass uns einige Klimaschutzmassnahmen langfristig nicht mehr zur Verfügung stehen.»

Rogelj J, McCollum DL, O’Neill BC, Riahi K: 2020 emissions levels required to limit warming below 2°C. Nature Climate Change, 2012, Online-Vorabpublikation. DOI: 10.1038/nclimate1785

Claudia Naegeli | ETH Zürich
Weitere Informationen:
http://www.ethz.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE