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Hohe Entzündungs- und Insulinwerte weisen auf erhöhtes Leberkrebsrisiko hin

04.11.2014

Wie eine große Langzeitbeobachtungs-Studie (EPIC*) zeigt, weisen erhöhte Blutwerte von vier Biomarkern auf ein erhöhtes Leberkrebsrisiko hin und zwar unabhängig von bislang bekannten Risikofaktoren. Zu den Biomarkern zählen u. a. Entzündungsmarker wie Interleukin-6 und ein hoher Insulinspiegel. Das Wissenschaftlerteam um Krasimira Aleksandrova und Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) sowie Tobias Pischon vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), veröffentlichte seine Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift Hepatology (Aleksandrova 2014; 60:858-871).

„Eine zusätzliche Untersuchung der vier Biomarker könnte Medizinern zukünftig dabei helfen, das Leberkrebsrisiko einer Person genauer abzuschätzen als dies bislang möglich ist“, sagt Erstautorin Aleksandrova.

„Zudem geben unsere Ergebnisse Hinweise auf die Stoffwechselvorgänge, die an einer Leberkrebsentstehung beteiligt sein können und liefern so neue Anhaltspunkte für Präventionsmaßnahmen“, ergänzt Tobias Pischon, der am MDC die Forschungsgruppe Molekulare Epidemiologie leitet.

Leberkrebs steht weltweit an Position sechs der häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen. In Ländern mit westlichem Lebensstil ist diese Krebsart zwar relativ selten, dennoch ist in den vergangenen Jahren die Zahl der Neuerkrankungen in diesen Ländern inklusive Deutschland wieder angestiegen. Die Krankheit verläuft meist tödlich. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei unter fünf Prozent.

Leberkrebs kann verschiedene Ursachen haben, wie zum Beispiel Virusinfektionen oder Alkoholmissbrauch. Aber auch Übergewicht und die damit verbundenen Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes stehen im Verdacht, besonders in den USA und Westeuropa zur Krankheitsentstehung beizutragen.

Um mehr über die Ursachen und Stoffwechselmechanismen zu erfahren, die in den westlichen Ländern an dem Anstieg der Leberkrebserkrankungen beteiligt sind, werteten die Wissenschaftler die Daten und Blutproben einer Untergruppe der etwa 500.000 EPIC-Studienteilnehmer aus, von denen 296 während einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 7,7 Jahren erstmals an Leberkrebs oder einem Krebs der Gallenwege erkrankt waren.

Wie die Wissenschaftler nun erstmals an den Daten dieser europäischen Bevölkerungsgruppe zeigen, besteht ein starker Zusammenhang zwischen einem erhöhten Leberkrebsrisiko und erhöhten Blutwerten der Entzündungsmarker Interleukin-6 und CRP**, des Biomarkers Adiponektin*** sowie einem erhöhten Insulinspiegel, dessen Höhe die Epidemiologen anhand des Biomarkers C-Peptid**** einstuften. Dabei hatten die Studienteilnehmer mit den höchsten Interleukin-6- und C-Peptid-Blutwerten im Vergleich zu den Teilnehmern mit den niedrigsten Werten ein 3,8-fach bzw. ein 3,1-fach höheres Leberkrebsrisiko.

„Unsere Beobachtungen sprechen dafür, dass zumindest bei einem Teil der europäischen Bevölkerung übergewichtsbedingte Entzündungsreaktionen sowie ein zu hoher Insulinspiegel, der zum Beispiel bei einer beginnenden Typ-2-Diabetes-Erkrankung auftritt, an der Entstehung von Leberkrebs beteiligt sein können“, sagt Pischon.

Wie klinische Studien belegen, setzt insbesondere das viszerale Fett im Bauchraum verstärkt den Botenstoff Interleukin-6 frei, der wiederum die Freisetzung von CRP in der Leber stimuliert. Beide Biomarker sind an Immunreaktionen des Körpers beteiligt und weisen auf Entzündungsprozesse hin, welche die Leberzellen schädigen und letztendlich zur Krebsentstehung beitragen können.

Der Botenstoff Insulin stimuliert dagegen die Zellvermehrung und wirkt dem natürlichen Zelltod entgegen und könnte hierdurch das Tumorwachstum fördern. Der vom Fettgewebe freigesetzte Botenstoff Adiponektin beeinflusst die Signalwirkung des Insulins auf die Leberzellen und spielt ebenso eine Rolle bei Entzündungsprozessen.

„Eine gesunde Lebensweise könnte somit nicht nur dazu beitragen, krankhaftem Übergewicht und Typ-2-Diabetes vorzubeugen, sie könnte gleichzeitig dem Anstieg der Leberkrebserkrankungen in Westeuropa entgegenwirken“, folgert Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie.

Hintergrundinformationen:

* EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. Die EPIC-Studie ist eine prospektive (vorausschauende) Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 Studienzentren in zehn europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 Studienteilnehmern im Erwachsenenalter beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie ist mit mehr als 27.000 Teilnehmern ein Teil der EPIC-Studie.

** CRP: C-reaktives Protein wird in der Leber gebildet und ins Blut abgegeben. Es gehört zu den Eiweißen, deren Konzentration im Rahmen von entzündlichen Erkrankungen akut ansteigt. Es ist Teil des Immunsystems und bindet an tote und sterbende Körperzellen sowie an einige Bakterienarten und stimuliert dadurch deren Abbau über das Immunsystem.

*** Adiponektin ist ein von Fettzellen abgegebenes Hormon.

**** Das C-Peptid (connecting peptide) ist Teil des Proinsulins. Bei der Umwandlung von Proinsulin zu Insulin wird das C-Peptid abgespalten, und danach mit dem Insulin aus den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse ins Blut abgegeben. Die Bestimmung des C-Peptids erlaubt Rückschlüsse auf die Insulinkonzentration im Blut.

Das DIfE ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung e. V. (DZD) http://www.dzd-ev.de . Das DZD ist ein nationaler Verbund, der Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung bündelt und im Sinne der translationalen Forschung Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung verzahnt.

Die Leibniz-Gemeinschaft vereint 89 Einrichtungen, die anwendungsbezogene Grundlagenforschung betreiben und wissenschaftliche Infrastruktur bereitstellen. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Einrichtungen rund 17.200 Menschen – darunter 8.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – bei einem Jahresetat von insgesamt knapp 1,5 Milliarden Euro. Die Leibniz-Gemeinschaft zeichnet sich durch die Vielfalt der in den Einrichtungen bearbeiteten Themen und Disziplinen aus. Die Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft bewahren und erforschen das natürliche und kulturelle Erbe. Darüber hinaus sind sie Schaufenster der Forschung, Orte des Lernens und der Faszination für die Wissenschaft. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de .

Das MDC ist eine von 18 Forschungseinrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft und wird zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert. Es wurde 1992 gegründet, um molekulare Grundlagenforschung mit klinischer Forschung zu verbinden. Forschungsschwerpunkte sind: Herz-Kreislauf-Forschung und Stoffwechselerkrankungen, Krebs, Erkrankungen des Nervensystems und Systembiologie. 2013 gründeten MDC und Charité das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG), 2007 das Experimental and Clinical Research Center (ECRC). Am MDC arbeiten derzeit 1 607 Beschäftigte aus 61 Ländern, darunter 814 Wissenschaftler und Doktoranden. (Stand: Oktober 2014)

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit fast 36.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894). (Stand: August 2014)

Gemeinsame Pressemitteilung des DIfE und des MDC

Kontakt:

Dr. Krasimira Aleksandrova
Abteilung Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal
E-Mail: Krasimira.Aleksandrova@dife.de

Prof. Dr. Heiner Boeing
Abteilung Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal
Tel.: +49 (0)33200 88 2711
E-Mail: boeing@dife.de

Prof. Dr. Tobias Pischon
Forschungsgruppe Molekulare Epidemiologie
Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0)30 9406 - 4563
E-Mail: tobias.pischon@mdc-berlin.de

Pressekontakt:

Dr. Gisela Olias
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 (0)33200 88 2278/2335
E-Mail: olias@dife.de oder
presse@dife.de
http://www.dife.de

Barbara Bachtler
Leiterin Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
in der Helmholtz-Gemeinschaft
Robert-Rössle-Straße 10, 13125 Berlin
Tel.: +49 (0)30/ 9406 - 3896
Fax: +49 (0)30/ 9406 - 3833
E-Mail: presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de


Weitere Informationen:

http://www.dife.de/forschung/abteilungen/kurzprofil.php?abt=EPI  Informationen zur Abteilung Epidemiologie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Dr. Gisela Olias | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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