Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

HoF-Studie: Universitäre Personalstruktur und Föderalismusreform – Zögerlicher Umgang mit Freiräumen

18.07.2011
Infolge der Föderalismusreform kam es zur Aufhebung bundesweiter gesetzlicher Grundlagen für eine einheitliche Personalstruktur.

Die vergleichende Analyse zeigt, dass die Landeshochschulgesetze trotz gestärkter Länderkompetenzen große Übereinstimmungen aufweisen. Auch statistische Analysen ergaben, dass es nach 2006 zu keiner entscheidenden Zäsur kam. Aktuelle Stellenausschreibungen betonen verstärkt die Einheit von Forschung und Lehre.

Die Föderalismusreform eröffnete den einzelnen Bundesländern rechtliche Entscheidungsfreiräume. Zugleich waren sie, bedingt durch die demografische Entwicklung, den bevorstehenden doppelten Abiturientenjahrgang, die Bologna-Reform und die Forderung nach einer dem OECD-Durchschnitt entsprechenden Studierendenquote, mit neuen Leistungsanforderungen konfrontiert, ohne dass mit einer adäquaten Aufstockung der Hochschulhaushalte gerechnet werden konnte. Angesichts der Unterschiede zwischen den Ländern im Hinblick auf Haushaltslage, Hochschulpersonalausstattung, Betreuungsrelation, Abschneiden im Exzellenzwettbewerb und Hochschulzugangsentwicklung war zu erwarten, dass es nach Wegfall der bundesweit bindenden Regelungen durch das Hochschulrahmengesetz zu einer landesspezifischen Ausdifferenzierung der Beschäftigungs- und Karrieremodelle kommen würde.

Die innerhalb der Untersuchung ermittelten empirischen Befunde hinterlassen bezüglich des föderalen Erscheinungsbildes, wie es sich bis zum Jahr 2009 abzeichnete, insgesamt jedoch einen eher gegenteiligen Gesamteindruck. Weitgehend zeigt sich eine Angleichung der Länder oder zumindest eine in die gleiche Richtung verlaufende Entwicklung. Trotz gestärkter Länderkompetenzen weisen die mehrheitlich neu gefassten Landeshochschulgesetze in Grundsatzfragen eine große Übereinstimmung auf: Es wird im Prinzip an der Abgrenzung zwischen der selbständig forschenden und lehrenden Professorenschaft im Beamtenverhältnis und den angestellten wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen im ‚Dienstleistungsmodus‘ festgehalten. Die Juniorprofessur hat sich zwar als eine der Habilitation gleichwertige Berufungsvoraussetzung durchgesetzt – allerdings, wegen der bis jetzt noch geringen Zahl von Juniorprofessuren (geschätzt auf aktuell max. 1.000), noch auf niedrigem Niveau. Dagegen fiel die Entscheidung für eine Einführung von ‚Lehr- bzw. Forschungsprofessuren‘ weniger einheitlich aus. Die Regelungsbandbreite reicht landesweit von einer unbefristeten Schwerpunktsetzung in der Lehre über Forschungsschwerpunkt mit zeitlicher Begrenzung bis hin zu expliziten Befristungen. Bei der Einführung neuer (lehrorientierter) Personalkategorien im Mitarbeiter/innenbereich waren die Länder indes zurückhaltender. Gleichwohl zeigt sich hinsichtlich einer stärkeren Inanspruchnahme der untergesetzlichen Ebene für die Differenzierung zwischen Lehr- und Forschungspersonal eine weitere Gemeinsamkeit: Während in mehr als der Hälfte der Bundesländer Universitätsprofessuren mit Schwerpunktsetzung in Forschung oder Lehre ausgewiesen werden, deren Lehrverpflichtungsobergrenze auf vergleichbarem Niveau angesiedelt ist, variiert der Umfang der Lehrverpflichtungen der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen erheblich innerhalb von Spannbreiten, deren Ausschöpfung den jeweiligen Hochschulen obliegt.

Nicht nur auf der Länderebene, sondern auch in Bezug auf die Hochschulpraxis wurde im Rahmen der Auswertung von Stellenanzeigen deutlich, dass von den neuen rechtlichen Freiräumen nur zögerlich Gebrauch gemacht wird. Die Analyse der Ausschreibungen von Universitätsprofessuren, Juniorprofessuren, wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen sowie Doktorand/inn/en hinsichtlich spezieller Einstellungsvoraussetzungen und Erfahrungshorizonte sowie Aufgabenprofile und Tätigkeitsmerkmale ergab u.a., dass die aktuellen Ausschreibungen für die Professuren, aber auch für die Juniorprofessuren, überwiegend dem traditionellen Muster folgen. Die Betonung der Einheit von Forschung und Lehre als Stellencharakteristikum hat sich sogar noch verstärkt. Ein ausdrücklicher Lehr- oder Forschungsbezug findet sich nur im Ausnahmefall.

Diese Befunde decken sich mit der Auswertung hochschulstatistischer Kennzahlen zur Entwicklung verschiedener Personalkategorien. In der Mehrzahl zeigt sich ein Homogenisierungstrend zwischen den Bundesländern. Heterogenisierung, d.h. eine Vertiefung von Unterschieden, stellt bisher die Ausnahme dar. Etwas häufiger sind Kennzahlen, für die keine eindeutige Tendenz zu identifizieren ist. Generell kam es nach 2006 im Ergebnis der quantitativ-statistischen Datenanalysen zu keiner entscheidenden Zäsur. Länderübergreifend bleibt es bei dem für das deutsche Universitätssystem charakteristischen ‚Flaschenhals‘ akademischer Karriere mit einem großen Anteil risikobehaftet und weisungsabhängig Beschäftigter unterhalb der Professur und einer relativ kleinen und anteilig rückläufigen Rate an dauerhaft und eigenverantwortlich tätigen Hochschullehrer/innen.

Bibliogr. Angaben: Anja Franz / Claudia Kieslich / Robert Schuster / Doreen Trümpler: Entwicklung der universitären Personalstruktur im Kontext der Föderalismusreform (HoF-Arbeitsbericht 3’11). Unter Mitarbeit von Anke Burkhardt und Roland Bloch. Hrsg. vom Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Wittenberg 2011, 81 S. ISSN 1436-3550.

Ansprechpartner:
Dr. Anke Burkhardt: anke.burkhardt@hof.uni-halle.de 03491/466-254
Franz, Anja: anja.franz@hof.uni-halle.de
Schuster, Robert: robert.schuster@hof.uni-halle.de
Trümpler, Doreen: doreen.truempler@hof.uni-halle.de

HoF Wittenberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.hof.uni-halle.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie